Ich will doch nur spielen!

ich will doch nur spielen

Affären-Management

Warum uns Affären so guttun – und wie Sie eine prickelnde Liaison richtig managen. Mantra: Für mich zählt nicht „Mr. Right“, sondern „Mr. Right Now!“

Das lockere Vergnügen einfach genießen

Schon bevor Sie sich wieder mit Ihrem äußerst viel versprechenden Lover treffen, wissen Sie: Spätestens nach ein, zwei Drinks werden Sie die Bar in Richtung Bett verlassen, sich die Kleider vom Leib reißen, herrlich unanständigen Sex und keinerlei feste Absichten haben. Er ist eben nicht „Mr. Right“, sondern „Mr. Right Now“.

Und er genießt wie Sie dieses lockere Vergnügen, das irgendwo zwischen One-Night-Stand und richtiger Partnerschaft schwebt. Manche nennen das Affäre (ohne an Seitensprung und Co. zu denken), andere „Casual Sex“, Gelegenheits-Sex. Für die Singles, die ihre Freiheit genießen wollen, denen die Karriere gerade wichtiger ist, die noch an der letzten Beziehung knabbern oder schlicht ihr Ego pushen wollen, ist das die ideale Beziehungskiste.

„Entgegen der landläufigen Meinung können nämlich nicht nur Männer, sondern auch Frauen sehr wohl Lust und Liebe voneinander trennen“, sagt Lisa Fischbach, Single-Coach und Diplom-Psychologin bei elitepartner.de. „Auch Frauen nehmen sich inzwischen selbstbewusst ihr gutes Recht auf eine Affäre heraus.

„Während feste Pärchen sonntags auf dem Sofa „Tatort“ gucken, verschaffen sie sich mit ihrer heißen Eroberung eine ganz andere Art von Thrill. Man kann Dinge ausprobieren, die man sich im „normalen“ Leben vielleicht nicht unbedingt trauen würde: ungewöhnliche sexuelle Praktiken, hemmungslosen Dirty Talk.

Ein Tête-à-Tête mit einem attraktiven, weil grau melierten Endvierziger oder dem jungen Studenten, der sich gerne etwas beibringen lässt und so verführerisch weiche Haut hat. Klar, es ist ein Spiel für Abenteuerlustige. Die Unverbindlichkeit gilt für beide Seiten, jedes Treffen kann das letzte sein.

Trotzdem: Der Richtige wird schon irgendwann vor uns stehen. Und bis dahin kann man, wenn man will, sein Single-Leben in vollen Zügen genießen. Nur muss eine solche Liaison natürlich unter den richtigen Vorzeichen stehen – unser „Affären-Manager“ verrät, wie Sie dabei am besten vorgehen.

Übung macht die Meisterin

Sie wollen keine feste Beziehung? Nie und nimmer? Dann überspringen Sie diesen Abschnitt und lesen Sie bei „Ich bin großartig!“ weiter. Und für alle anderen: Eine Affäre (oder auch zwei oder drei …) kann Sie direkt zur nächsten großen Liebe führen. Nicht, weil der nette Typ, der ab und an neben Ihnen seine Augen aufschlagen darf, „The One“ werden könnte.

Sondern weil Übung den Meister macht: „Wer seine Komfortzone verlässt und aktiv wird, hat auch die entsprechende Einstellung“, sagt Psychologin Lisa Fischbach: „Man wird offener für Begegnungen und ist interessierter an neuen Leuten. Das ist nun mal die Grundvoraussetzung, um auch den Traummann kennen zu lernen.“

Null Verpflichtungen, kein Alltagsstress, kaum Kompromisse: Die unbeschwerte Leitigkeit macht den Reiz einer Affaire aus.

Sie bleiben im Training, kennen Ihre Reize und wissen, was Sie wollen und was nicht. Über die körperlichen Streicheleinheiten freut sich die Seele, denn Zärtlichkeiten signalisieren: Da ist einer, der mich gut findet! Die Befürchtung, sich so den Blick auf den Richtigen zu verstellen, entkräftet die Expertin: „Eine Affäre lenkt schon ein bisschen ab, da man nicht mehr hundert Prozent seiner Aufmerksamkeit für andere Männer übrig hat.

Trotzdem: Bei einer Liaison bleiben Tiefgang und viele Emotionen auf der Strecke. Trifft man dann jemanden, bei dem es wirklich Klick macht, spürt man gleich, dass hier fehlende Bedürfnisse erfüllt werden. Und die Affäre wird dann automatisch zur Nebensache.“

Wie Sie unwiderstehlich werden

Planung ist das halbe Leben – sogar in der spontanen, spannenden Welt der Abenteuer. Wollen Sie auf die Jagd gehen, bereiten Sie sich schon zuhause darauf vor. Legen Sie Musik auf, die Sie in Schwung bringt (zum Beispiel mit „Dance With Somebody“ von Mando Diao), und machen Sie Ihr Bad zum Palast der Göttin. Unter die Dusche springen, sich lästiger Härchen entledigen, die teure Bodylotion „für besondere Anlässe“ auftragen, Nägel lackieren – setzen Sie auf das ganze Programm, das Ihnen das Gefühl gibt: Ich bin sowas von hinreißend.

Schöne Unterwäsche versteht sich von selbst (darin fühlen, bewegen und flirten Sie anders) und darüber vielleicht das schwarze Wickelkleid, von dem immer alle so begeistert sind. Verzichten Sie heute auf die sexy Clutch und greifen Sie lieber zur etwas größeren Tasche mit Reißverschluss, in der wichtige Utensilien unbemerkt Platz finden:

Ersatzunterwäsche, Kondome, das All-in-one-Wunder-Make-up, Kamm, Haargummi, Pfefferminz-Bonbons, Pille, Kopfschmerztabletten, falls notwendig Kontaktlinsenflüssigkeit, einen Taxi-Notgroschen (der auch nicht für den letzten Drink ausgegeben werden darf!) und was Ihnen sonst noch wichtig ist.

Wo und wie Sie „Mr. Right Now“ an Land ziehen

„Mit Männern anzubändeln ist so leicht, wie eine Fertig-Pizza in den Ofen zu schieben“, sagt Phillip von Senftleben, Autor des aktuellen Anbändel-Ratgebers „Die Flirterin“ (Rowohlt, 5 Euro). Gelegenheiten dazu gibt’s überall. Um es möglichst unkompliziert zu halten: Finger weg von direkten Kollegen, dem besten Freund einer Freundin oder anderen nahestehenden Männern.

Sie werden sich auch danach häufig über den Weg laufen, die dauernde Erinnerung an Ihre intimsten Momente könnte unangenehm werden. Bequem und unkompliziert dagegen ist – natürlich mit gebotener Vorsicht – das Internet: Kostenlose Portale wie friendscout24.de oder neu.de haben immer dann geöffnet, wenn Ihnen danach ist.

Auch im Urlaub, auf Hochzeiten oder im Supermarkt ergeben sich viele Chancen – und natürlich auf Partys, in Bars und Clubs. Stürzen Sie sich beherzt ins Vergnügen: „Um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, müssen Sie Ihren potenziellen neuen Lover nur konzentriert mustern“, sagt von Senftleben.

Beeindrucken Sie mit Mut und Selbstbewusstsein und gehen Sie auf ihn zu. Erkundigen Sie sich nach banalen Dingen wie der Uhrzeit oder anderen guten Clubs in der Stadt. „Das ist einfach und klappt trotzdem.“ Nach dem ersten Warm-up-Smalltalk machen Sie ihm unverholen ein Kompliment, das eigentlich für Frauen reserviert ist: „Du siehst so verdammt gut/männlich/interessant aus!“ Ein Mann bekommt so was fast nie zu hören – „und wird mehr davon wollen, das verspreche ich Ihnen“, sagt von Senftleben.

Wissen und sagen, woran man ist

Lassen Sie am besten schon im ersten Gespräch geschickt einfließen, wie es momentan um Sie steht: dass Sie Ihre Unabhängigkeit gerade so richtig auskosten. Dass Sie zurzeit die Nase voll haben von festen Beziehungen und niemandem Rechenschaft ablegen wollen für das, was Sie wo und wann tun.

Dass Sie keine Lust haben, fremde Familien kennen zu lernen, über ein Urlaubsziel zu diskutieren oder über verstreute Socken zu stolpern. „Wenn Sie Ihre Erwartungen und Wünsche direkt ansprechen und sagen, dass Sie nur Spaß haben wollen, nehmen Sie schon von vornherein alle Verbindlichkeiten heraus“, erklärt Psychologin Lisa Fischbach.

Achten Sie unbedingt auch auf seine Reaktion, um zu sehen, ob er überhaupt affärenkompatibel ist. Und bleiben Sie fair: sofort die Finger von ihm lassen, wenn Sie spüren, dass er sich gerne wieder mit Haut und Haaren verlieben möchte.

Die Qual der Bettenwahl

Erst berühren Sie ihn wie zufällig am Arm, dann bleibt seine Hand auf Ihrem Knie liegen – bis Sie endlich dem unwiderstehlichen Drang nachgeben und an seinen Lippen hängen. Ein lässiges „Okay, komm, wir gehen“ – und Sie haben die Wahl: zu ihm oder doch lieber nach Hause? „Verbringen Sie die Nacht mit ihm im eigenen Bett, sind Sie vor Überraschungen sicher“, sagt Lisa Fisch- bach. Vor unverschämten Mitbewohnern etwa, vor verspiegelten Decken, Porsche-Postern oder dem puren Chaos.

Die Zahnbürste bei ihm zu lassen ist okay - solange es praktische Gründe hat und nicht den Anfang einer Beziehung bedeutet.

Sie können ihn, wann immer Sie wollen, mit einem „Schön, dass du da warst“ rausschmeißen. Sie müssen morgens nicht mit verschmierter Wimperntusche leicht verwirrt U-Bahn fahren. Und haben immer alles griffbereit, um sich gut zu fühlen (inklusive Kondome).

Aber auch ein Ausflug in seine Welt hat Vorteile: Sie müssen sich keine Sorgen um Ihre unaufgeräumte Wohnung oder um Ihren Ruf bei den Nachbarn machen. Und können jederzeit mit einer fadenscheinigen Entschuldigung verschwinden.

Von Erwartungen und Verpflichtungen

Ansprüche haben in einer Affäre kaum Platz. „Damit sie jedoch in Balance bleibt, sollte man bestimmte Spielregeln festlegen“, sagt Lisa Fischbach. Fragen Sie sich also: Welche Verhaltensweisen, welche Zugeständnisse sind für mich okay und welche nicht? Wie steht es etwa um die Exklusivrechte? Wollen Sie nur mit Ihrem aktuellen Lover Spaß haben oder auch mit anderen Männern? Wie sieht er das?

„Hören Sie immer wieder in sich hinein, um sich selbst zu schützen“, sagt die Psychologin: Wie viel Unverbindlichkeit können und wollen Sie aushalten? Wie ist das etwa, wenn die erste Leidenschaft nach ein paar Tagen oder Wochen nachlässt? Dann wird er sich – wie Sie vermutlich auch – nach etwas Neuem umsehen, lieber mit seinen Kumpels ein Bier trinken gehen und keine Lust mehr haben, trotz heißem SMS-Flirt nachts um zwei noch bei Ihnen vorbeizukommen.

Das Flirren einer Sex-Beziehung kann sich eben sehr schnell wieder verlieren. Sie sind deshalb enttäuscht? „Dann seien Sie konsequent“, sagt die Beraterin. Beenden Sie es lieber, als sich wegen jemandem zu grämen, mit dem Sie sowieso nur die Matratze testen wollten.

Vorsicht vor zu viel Nähe

„Wenn Sie nur Spaß haben möchten, lassen Sie ihn auch nur am entsprechenden Teil Ihres Lebens teilhaben“, rät Single-Coach Fischbach: Werfen Sie ihn nach dem Frühstück raus. Verabreden Sie sich unregelmäßig und kurzfristig.

Selbst wenn Sie danach immer dieses seltsame Redebedürfnis überfällt (schuld daran ist vor allem das „Kuschelhormon“ Oxytocin, das beim Sex ausgeschüttet wird): Sprechen Sie über Unverfängliches wie die Helden Ihrer Kindheit, Ihre Lieblingsserien im Fernsehen oder die nächste Clubnight.

Tabu dagegen sollten emotionale Dinge wie die Scheidung der Eltern sein, Ärger im Job oder Probleme mit der besten Freundin. Stellen Sie sich im Alltag nicht liebevoll aufeinander ein (viel telefonieren, ständig mailen, das Lieblingsessen kochen). Schmieden Sie keine Pläne, die länger als ein paar Tage in die Zukunft reichen.

Und denken Sie nicht mal im Traum daran, Ihren Vornamen mit seinem Nachnamen zu verbinden, nur um zu sehen, wie das so ist. „Bei zu viel Nähe steigen die Erwartungen und damit auch das Risiko, dass sich einer von beiden doch mehr erhofft“, sagt die Psychologin.

Der Lover und die Öffentlichkeit

Die Art der Integration in den Alltag zeigt immer, welche Bedeutung der andere für einen hat. Der Geburtstags-Brunch bei der Tante, der Sonntagsbraten beim Bruder – bei solchen Events hat der Liebhaber nichts verloren. Nicht nur aus Rücksicht auf die Familie, die sehr wahrscheinlich verwirrt wäre, ständig neue Gesichter präsentiert zu bekommen.

Sondern auch, weil es Ihrem Bettgenossen signalisieren könnte, Sie hätten ernstere Absichten. Und bei Freunden? „Wenn sie aufgeschlossen sind und Sie selbst recht offen zu Ihrer sexuellen Lust stehen, spricht nicht viel dagegen“, sagt die Psychologin. Angekündigt mit „Passt auf, zu Lenas Party bringe ich euch was echt Heißes mit!

Ist aber nichts Ernstes …“ wird niemand davon ausgehen, dass Ihre Neuerrungenschaft der Vater Ihrer zukünftigen Kinder ist. Fühlen Sie sich in der Öffentlichkeit mit ihm unwohl, weil er im Bett zwar äußerst geschickt ist, sonst aber keine Manieren hat? Dann bleibt er zuhause – und Ihr ganz persönliches Lust-Geheimnis.

Wenn die Schmetterlinge fliegen

Auch die festesten Vorsätze hindern das Herz manchmal nicht daran, sich zu verlieben. Und jetzt finden Sie diesen Typen, mit dem Sie ursprünglich nur ab und zu ins Bett steigen wollten, wirklich richtig gut. „Sprechen Sie mit ihm“, sagt Lisa Fischbach.

Aber warten Sie auf einen entspannten Moment (vielleicht ein Picknick im Park), statt ihn mit einem „Wir müssen reden“-Anschlag zu erschrecken. Gehen Sie es locker an: „Ich finde es wirklich toll mit uns. Wollen wir nicht ein bisschen mehr Zeit miteinander verbringen?“

Das gibt ihm nicht das Gefühl, morgen vor den Traualtar gezerrt zu werden, zeigt aber, was Sie empfinden. Klar kann es sein, dass dieses Gespräch auch Ihr letztes war. „Wenn er absolut keine gemeinsame Zukunft sieht, sollten Sie sich rigoros verabschieden. So eine Verbindung kann sonst nur unglücklich enden“, weiß die Expertin. Variante 2: Ihn hat es erwischt. Woran Sie das merken?

Er weiß, dass Sie am liebsten Pizza Ruccola mit Schinken essen, greift zum Telefon, um zu hören, wie es Ihnen gerade so geht, und mailt, dass am Abend tatsächlich dieser Film läuft, über den Sie neulich gesprochen haben. Sie fühlen sich geschmeichelt, trotzdem bleibt er für Sie nur der Mann für gewisse Stunden?

Statt den bequemen Weg zu wählen (abwimmeln, auf Distanz halten, ignorieren), sollten Sie jetzt so ehrlich sein, ihm keine weiteren falschen Hoffnungen zu machen, und das in freundliche, aber klare Worte packen: „Ich habe das Gefühl, dass du dir mehr wünschst, und ich finde es im Bett mit dir wirklich toll. Aber etwas anderes ist es für mich nicht.“ Jetzt kann er entscheiden, wie – und ob – er daran festhalten möchte.

Wie man ihn stressfrei wieder abserviert

Ihnen ist trotz gelegentlicher Schäferstündchen so langweilig, dass Sie es kaum erwarten können, frischen Wind in Ihre Daunen zu bringen? Dann beenden Sie die Affäre. Lisa Fischbach: „Wie in jedem Trennungsgespräch sollten Sie erklären, warum Sie keine Perspektive mehr sehen.“ Und sich dann wieder in Stimmung bringen. Für Mr. Right. Oder den nächsten Lover.

Expertin

Lisa Fischbach, 41, ist Psychologin und Sexualwissenschaftlerin. 2005 gründete sie ihre Praxis für Single- und Partner- schaftscoaching in Hamburg-Eppendorf. Zudem gibt sie auf www.elitepartner.de Tipps zur erfolgreichen Partnersuche und Lösung von Beziehungsproblemen.

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