Ich will's heute spießig!

ich will s heute spiessig
Strumpfhose
Foto: Thinkstock

Kolumne: Sex to go

Biberbettwäsche ist unerotisch und Sex im Dunkeln geht gar nicht? Alles Quatsch! Sophie Andresky findet, dass gepflegter Routinesex unterbewertet wird.

Wir hätten Sprühsahne im Kühlschrank gehabt, wir haben meistens welche da. Ich bin nämlich ein heimlicher Sprühsahne-Junkie, und obwohl ich sie eher vom Plastiklöffel lecke als aus einem Bauchnabel, so kommt sie doch hin und wieder auch im Schlafzimmer zum Einsatz. An der fehlenden Sprühsahne lag’s also nicht. Auch hatte keiner von uns beiden ein Gipsbein oder einen Hexenschuss, war zu einer lustfeindlichen Sekte konvertiert oder litt plötzlich unter einer Allergie gegen schwarze Spitze.

Die Nachbarn waren immer noch schwerhörig, wir hätten also Obszönitäten ohne Ende schreien können. Es gab also keinen stichhaltigen Grund, wieso an diesem Abend keine heißblütige, experimentierfreudige Orgie bei uns stattfinden sollte, sondern ein nur etwa zehnminütiges amouröses Intermezzo ohne großartige Stellungswechsel und Raffinessen. Statt dessen: Routinesex, das Graubrot unter den erotischen Genüssen. Zwischen Spielfilmende und Spätnachrichten hatten wir uns angesehen und beschlossen, dass ein bisschen Sex schön wäre.

Darf ich überhaupt spießigen Sex haben?

Keine hemmungslos kichernde Jagd durchs Treppenhaus, kein gehauchter Dirty Talk zum Vorglühen, keine Umbauten im Schlafzimmer. Wir zogen uns aus, jeder für sich, er ließ sogar die Uhr an, im Bad wummerte leise die Waschmaschine vor sich hin und wir schlüpften unter die Bettdecke. Die schlichte weiße, nicht die schwarze Satinwäsche, denn die hätte erst jemand bügeln müssen.

Wir küssten uns, ich berührte ihn mit jener Mischung aus Streicheln und Kratzen, die er am liebsten mag, er fasste meine Brüste genau so an, wie sie das haben wollen, massierte meine Klitoris im richtigen Tempo, ich drehte mich ohne viel zu fragen in unsere Lieblingsposition und nach einigen Minuten erst vorsichtigen und dann heftigen Vögelns kamen wir beide, ich mit einem leisen Japsen und er gleich darauf mit einem etwas heiseren Stöhnen. Das alles klingt arg unspektakulär? Spießig geradezu? Darf ich das als Princess of Porn überhaupt: Graubrot-Sex haben?

Zum heißen Sex verpflichtet?

Ich konnte schon in der Schule Streber nicht leiden. Wer sagt denn, dass jedes Schäferstündchen paparazzitauglich sein muss? Im Schlafzimmer sitzt doch keine Jury, die bei drohender Uncoolness auf brüsteförmige Buzzer haut. Originell zu vögeln, ist nur dann schön, wenn einem danach ist. Wenn man es nur macht, um sich zu beweisen, dass man ein besonders heißes Paar mit besonders heißem Sex ist und damit geiler als alle anderen, ist es nicht wild, sondern anstrengend.

Routinesex oder wilde Orgie: das regelt kein Gesetz

Und, bitte: Mehr als einen Orgasmus kann man schließlich nicht haben. Auch wenn man sich stundenlang tantrisch von der Decke hängt, am Ende hat man seinen Höhepunkt und Punkt. Ich finde: Lieber ein unspektakulär erreichtes Jauchzen in der Biberbettwäsche ohne den Oscar für die beste akrobatische Einlage als den sportlichen Overkill im heimischen S/M-Studio, bei dem man am Ende nur jammert, weil das Catwoman-Kostüm klemmt, der Lendenwirbel rausspringt oder die Nummer „Yediritter zeigt Prinzessin Leia sein Laserschwert“ doch irgendwie mehr lächerlich als scharf war.

Hin und wieder auch spießig zu vögeln, ist natürlich kein Gesetz – Gesetze sind immer langweilig! Und schon beim nächsten Mal wird es vielleicht die wildeste Orgie überhaupt mit Sauereien, die so unaussprechlich sind, dass ich sie niemandem erzählen kann. Nicht mal in dieser Kolumne.

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