„Im Herzen bin ich ein Zigeuner!“

im herzen bin ich ein zigeuner
Johnny Depp im Interview
Foto: Getty Images

Johnny Depp im Interview

Zum Kinostart von „Fluch der Karibik 4“ verrät Johnny Depp, warum in ihm auch privat ein Abenteurer steckt.

Fast schüchtern

Betont lässig betritt Johnny Depp das Pariser Luxushotel „Le Meurice“: Er trägt ein graues Hemd mit offenen Manschetten, zerrissene Jeans und einen Hut auf den langen Haaren. Doch im Gespräch kommt der Schauspieler ganz anders rüber, als man es von einem der größten Hollywood-Stars erwarten würde. Sein Blick – halb versteckt hinter einer dunklen Hornbrille – wirkt scheu, die Stimme klingt gedämpft, fast schüchtern.

JOY: Im neuen „Fluch der Karibik“-Film schlüpfen Sie wieder in die Rolle des Kapitän Jack Sparrow. Wird es Ihnen nicht langsam langweilig, jetzt schon zum vierten Mal einen Piraten zu spielen? Johnny Depp: Warum sollte es? Schließlich hat diese Rolle mein Leben verändert! Als wir Ende  2006 die letzten Szenen des dritten Teils drehten, war ich richtig traurig und ließ mir immer wieder neue Takes einfallen, die wir noch filmen mussten. Als die letzte Klappe fiel, hatte ich sogar Tränen in den Augen.

Steckt in Ihnen denn privat auch ein Freibeuter, der die Weltmeere erkunden will?Früher noch viel mehr als heute! Dank meiner Familie bin ich mittlerweile nicht mehr ganz so rastlos. Als ich in Hollywood anfing, war meine Devise: Nimm von den Reichen und gib es den Armen – also mir (lacht ). Letztlich habe ich immer ein Zigeunerleben geführt. Schon als Kind musste ich ständig umziehen und als Teenager ging ich mit meiner Band regelmäßig auf Tour. Noch heute pendle ich zwischen Südfrankreich, unserer Insel auf den Bahamas und Los Angeles.

Ist das keine Belastung für Ihre beiden Kinder?Seit vier Jahren ist unser Hauptwohnsitz in den USA, weil Jack und Lily-Rose dort zur Schule gehen. Und wenn ich für Film-Drehs unterwegs bin, begleiten sie mich öfter. Die Reisen erweitern ihren Horizont und so werden sie toleranter gegenüber Dingen, die andere befremdlich finden.

Reagieren Sie auch gelassener auf Paparazzi?Absolut. Lily-Rose und Jack sind ja damit aufgewachsen. Außerdem machen die Fotografen nicht mehr so aggressiv Jagd auf uns wie früher. Inzwischen können wir wieder in Restaurants gehen und die Leute respektieren meistens unsere Privatsphäre. Am liebsten sind wir trotzdem zu Hause.

„Ich glaube, dass ich ein guter Vater bin“Ihre neue „Fluch der Karibik“-Kollegin Penélope Cruz gründete vor Kurzem auch eine Familie. Haben Sie ihr als zweifacher Vater Tipps gegeben? Nein, ich habe eher etwas von ihr gelernt – und zwar Spanisch! Ich kann jetzt nach der Toilette fragen (lacht ). Als wir in Puerto Rico drehten, lehrte sie mich außerdem einige Sätze, die sie mich dann an Passanten austesten ließ. Als die Leute völlig geschockt reagierten, wurde mir klar, dass sie mir einen Streich gespielt und Schimpfwörter beigebracht hatte. Welche das waren, verschweige ich lieber!

Finden Sie es sexy, wenn eine Frau Humor beweist? Ja, ich mag es, wenn mich Frauen zum Lachen bringen! Sexy finde ich dagegen ein gesundes Selbstbewusstsein – nicht zu verwechseln mit Arroganz. Wenn eine Frau genau weiß, was sie will, und ihre Stärken kennt, dann strahlt sie in meinen Augen wahre Schönheit aus.

Gilt das auch für Ihre Partnerin Vanessa Paradis?Und ob! Vanessa hat bei uns die Zügel in der Hand. Sie besitzt so viel Power, das bewundere ich. Zu Anfang verzauberte sie mich aber erst mal optisch. 1998 drehte ich „Die neun Pforten“ in Paris. Als ich durch die Lobby meines Hotels ging, entdeckte ich von Weitem den schönsten Rücken, den ich je gesehen hatte. Plötzlich drehte sich die Frau um und es war Vanessa. In dem Moment wusste ich: Es war für immer um mich geschehen!

Und was sind Ihre Stärken?Ich glaube, dass ich ein guter Vater bin. Meine Kinder können das hoffentlich bestätigen. Es war für mich außerdem immer wichtig, mir selbst treu zu bleiben. Mittlerweile habe ich im Leben alles erreicht, was ich jemals wollte.

Wann sehen wir Sie mal wieder ohne Piratenkostüm?Im Herbst komme ich mit dem Drama „The Rum Diary“ ins Kino. Darin spiele ich einen Journalisten, der seine Zeit lieber in Bars als am Schreibtisch verbringt. Die Rolle liegt mir im Blut. Immerhin war mein Opa Alkoholschmuggler (lacht ).

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