Interview! Mit "This is Jane Wayne" auf Talentsuche

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Im Rahmen des ersten "Audi Fashion Awards"

Sie sind zwei der erfolgreichsten und talentiertesten Mode-Bloggerinnen Deutschlands. Auf "This is Jane Wayne" schreiben Sarah Gottschalk und Nike van Dinther über Momentaufnahmen, Gefühle, Kopfkino, ihren Lifestyle und eben Mode und Design. Gerade deshalb suchte ein Auto-Riese die beiden aus, um in der Jury des ersten "Audi Fashion Awards" in Hamburg zu sitzen und über die Nachwuchstalente der Nation zu richten. Ganz schön aufregend! Für uns nahmen sich die Erfolgsdamen dennoch Zeit: Sarah und Nike über junge Designer, Inspiration und persönliche Lieblingsstücke.

Wie fandet Ihr die Arbeiten?

Nike und Sarah von "This is Jane Wayne": Wir haben uns anfangs durch eine ganze Menge Ideen arbeiten müssen. Alle waren auf ihre Art und Weise gut, da fiel es nicht leicht, auszuwählen. Man tendiert oft dazu, die mitgelieferten Zeichnungen in den Fokus zu stellen, was eigentlich schade ist - denn oft waren wir vielmehr vom Konzept dahinter beeindruckt.

Habt Ihr den Finalisten auch Ratschläge gegeben?

Nike und Sarah: Wir hatten leider keine Möglichkeit, das zu tun. Wir sind uns aber auch nicht sicher, ob die Designer darüber erfreut gewesen wären. Mal ehrlich, das hätten wir selbst auch nicht gewollt. Schließlich sind wir nicht die Designer – wir können nur unsere meine Meinung dazu äußern.

Was macht eine gelungene Kollektion aus?

Nike und Sarah: Da gibt es ganz unterschiedliche Sichtweisen. Man kann eine Kollektion ganz objektiv bewerten oder eben mit sehr viel Gefühl und Phantasie. Es gibt jene, die sind schlichtweg schön, aber nicht sonderlich inspirierend oder gar avantgardistisch. Und eben die, die dir beim bloßen Betrachten die Gedanken verknoten, aber nur selten in den Alltag passen. Es stellt sich auch die Frage: Betrachte ich die Kollektion als Konsumgut oder als Kunst? Für uns als Käufer sind Kollektionen dann gelungen, wenn sie eine Handschrift tragen, wenn sie anders sind als alles, was wir zuvor gesehen haben, ohne dabei ins Absurde abzudriften. Oder aber, wenn wir am liebsten gleich alles selbst eintüten würden, hier wären wir dann auf der Gefühlsebene. Wichtig ist, dass man den potentiellen Kunden Freiraum für eigene Ideen lässt - wenn ein Outfit nur im Komplettlook funktioniert, dann fehlt der Reiz an der Sache.

Was braucht man neben der Passion noch, um Karriere als junger Designer zu machen?

Nike und Sarah: Mut. Zukunftsängste muss man beiseite schieben, das blockiert. Und Vertrauen. Aber am wichtigsten ist wohl tatsächlich Durchhaltevermögen. Man muss ganz schön viel Stress aushalten, im psychischen wie im physischen Sinne gleichermaßen. Was aber auch unabdingbar ist: so etwas wie ein "Artistic Mind" sein. Man muss das in sich haben, irgendwie. Einfach sagen "Ich will Modedesigner werden, weil es cool ist", ist ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen.

Wie können Designer jetzt schon wissen, was wir in der nächsten Saison tragen wollen?

Nike: In gewisser Weise läuft der Hase ja eher anders herum: Die Designer sagen uns, was wir in der nächsten Saison tragen wollen. Die Designer wiederum werden von der Muse namens Gesellschaft geküsst - Das bezieht alles ein: Kunst, Architektur, Wirtschaft, Politik, ganz schön viel Musik und auch Medien. Betrachtet man das große Ganze und fügt dann noch heimliche, kleine Tendenzen hinzu, die von sogenannten "Opinion Leadern" bestimmt werden, dann kann man relativ gut darauf schließen, was uns in der kommenden Saison erwarten wird. Das derzeit prominenteste Beispiel: Die Serie "Mad Man" - und plötzlich waren die 20er-Jahre zurück.

Sarah: Absolut. Oder "The Great Gatsby" der im Januar in die Kinos kommt und für den Miuccia Prada die Filmkostüme entwarf. Es geht vieles Hand in Hand, wie Nike beschrieben hat, und es ist immer wieder schön, wenn es in den Kollektionen Ausdruck findet. Ein Rundumblick ist also mehr als wichtig und natürlich eine natürlich Weiterentwicklung gegenwärtiger Trends: Was war, was ist, was können wir nicht mehr sehen und was darf ruhig mal wieder kommen!

Obwohl die Leute alles tragen könnten, entscheiden sie sich oft für das Gleiche. Was tragt Ihr am liebsten?

Nike: Ziemlich große, weite, lange Pullis, zum Beispiel im Egg-Shape . Dazu enge Hosen und Dr. Martens.

Sarah: Ich ertappe mich immer wieder dabei, vor allem zu Schwarz zu greifen und ermahne mich dann und wann, die Finger davon zu lassen. Sichere Nummer derzeit: längere Bluse, Pulli, Jeans und Plateaus.

Die Janes als Designer. Was würdet Ihr Frauen am liebsten anziehen?

Sarah: Wenn ich das Talent dazu hätte, dann würde ich simple und cleane Stücke entwerfen, die sich gerne Lieblingsstücke nennen sollen. Zeitlose Klassiker, die einfach nicht vergehen wollen. Skandinavischer Minimalismus und ausdrucksstarke Farbnuancen, die Saison für Saison variieren und hier und da gegenwärtige Einflüsse aufnehmen, wie zum Beispiel Pailletten und Glitzer in Anlehnung an die 20er oder plakative Prints, wie in den zur Zeit beliebten 90ern.

Nike: Wäre ich Designer, dann hätte ich wohl ein großes Entscheidungsproblem. Seit meiner Teenagerzeit mag ich den Stil der 90er-Jahre, der mit den "Riot Grrrls" und Bands wie "Bikini Kill", "Hole" und "L7" einher ging. Mein Glück, dass das nun plötzlich auch irgendwie wieder in Mode geraten ist. Aber das ist, wie ich mich gern kleide. Anderen würde ich eine Kollektion voller waghalsiger, fantastischer Pullover kredenzen, ohne viel Schnickschnack. Man mag es ja kaum glauben: Aber es passiert nicht oft, dass ich mich in einen Pullover verliebe. Entweder stimmt die Farbe nicht, oder das Muster, oder die Art des Strickmusters.

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