Iris Berben im Gespräch mit Meins

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Schauspielerin Iris Berben sagt über sich: "Ich funktioniere über meine Emotionalität und Sinnlichkeit. das Rationale kommt später …"
Foto: Getty Images

Lebensfreude & Neugier

Sie ist immer Feuer und Flamme. Hellwach, leidenschaftlich und neugierig. Egal, worüber sie spricht. Sie hört auch genau zu. Ihre Augen sind lebendig, warm. Iris Berben, 63, sucht nach Worten, guten Erklärungen, ist nachdenklich und ernsthaft. Aber dann urplötzlich bricht sie in lautes Lachen aus. Es kommt aus tiefstem Herzen. Still und zurückhaltend wird sie nur, wenn es um ihr privates Glück geht. Ihre Beziehung zu

Heiko Kiesow, 53, ist ein geschützter Lebensraum. Und soll es auch bleiben. Den Stuntman hat Iris Berben 2006 bei Dreharbeiten in Afrika kennengelernt. Mehr verrät sie im MEINS-Interview zum neuen Filmepos „Der Wagner-Clan. Eine Familiengeschichte“ (ZDF, am 23.2., 20.15 Uhr), über ihren Sohn Oliver Berben, 42, der diesen Film auch produziert hat. Er ist der wichtigste Mann in ihrem Leben.

Sie brillieren wieder in einem großen Charakterfach: Cosima Wagner und ihr Leben nach dem Tod ihres Mannes Richard. Was macht so eine schwierige Rolle mit Ihnen?

"Ich trage so eine Rolle nicht mit nach Hause. Sie beschäftigt mich als Figur, und man versucht, sich mit der Zeit und Zeitgeschichte, in der das stattfand, auseinanderzusetzen. Also auch mit dem Thema Antisemitismus: Es war nicht der Antisemitismus der Vernichtung, von dem wir heute reden, es war ein in der Gesellschaft akzeptierter und gelebter Antisemitismus! Aber es gab ja auch Menschen, die sich anders verhalten haben! Die Frage ist: Wie wird jemand so?"

Ist Ihnen Cosima Wagner fremd?

"In jeder Beziehung! Sie ist von einer Härte und Strategie, die weit weg von meiner Sicht auf Frauen, vor allem auch auf Mütter, ist. Mit welcher Kälte sie ihre Kinder heranzieht. Heute würde man sie als perfekte PR-Managerin bezeichnen. Das Thema unseres Films ist: Was ist nach Wagners Tod mit der Familie passiert?"

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

"Nein. Ich glaube nicht, dass es nach dem Tod noch in irgendeiner Form weitergeht. Das gibt mir auch eine gewisse Ruhe, damit kann ich umgehen. Ich sage: So ist es, Schluss, Punkt!"

Sie arbeiten oft mit Ihrem Sohn Oliver zusammen. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

"Wir mussten nie einen Kampf führen, um uns voneinander zu lösen. Oliver war die letzten drei Schuljahre im Internat – er wollte das so –, und ich denke, da ist passiert, was bei anderen oft im Kampf stattfindet. Natürlich war ich weiter wie eine Glucke an seinem Leben beteiligt, aber es war schön zu beobachten, wie er mit Kindern aus aller Welt langsam erwachsen wurde. Und heute ist er Geschäftsführer der Constantin Film, und ich muss fast um eine Audienz bitten, wenn ich ihn sehen will! (Lacht) Er ist fleißig, selbstbewusst und brennt leidenschaftlich für alles, was er macht."

Konnten Sie Ihren Sohn immer gut loslassen?

"Ja, weil ich selbst sehr früh selbstständig wurde. Auch durch die Scheidung meiner Eltern. Aber ich habe es nicht als ein Defizit empfunden, es ist ja gut, einen jungen Menschen schon früh als Respektsperson zu behandeln. Ein Kind muss auch als eigene Persönlichkeit wahrgenommen werden. Sicher hat Oliver – wie ich es an meiner Mutter erlebt habe – eine Lebensform oder Lebensmelodie von mir mitbekommen, geprägt durch einen weiten Blick, Neugierde, Offenheit und vom Streben, immer auf der Suche zu bleiben."

Können Sie und Ihr Sohn total offen miteinander reden?

"Ja! Ich war vier Jahre alleinerziehende Mutter, und wir hatten immer eine enge Beziehung. Es gab und gibt kein Thema, über das wir nicht absolut offen miteinander reden können. Ich hatte diese vollkommene Offenheit mit meiner Mutter, und ich habe das bewusst an Oliver weitergegeben."

Zur Liebe gehört auch, Kritik annehmen zu können, ohne verletzt zu sein …

"Ja, das findet zwischen uns statt. Wir sind uns auch ähnlich in unserer Ungeduld und im Nicht-wegstecken-Können von Kritik. (Lacht) Im Gegensatz zu Oliver empfinde ich meine Ungeduld aber als etwas Vorteilhaftes! Oliver würde der Ungeduld gerne ein bisschen entgegen arbeiten können. Aber ich war in seinem Alter genauso. Ich bin heute gelassener, lasse Dinge nicht mehr so nah an mich heran."

Haben Sie ein Beispiel?

"Ich bin heute nicht mehr bereit, aus Höflichkeit Kompromisse einzugehen! Ich will mir von anderen auch keine Zeit mehr stehlen lassen."

Wo fühlen Sie sich heute wohl?

"Ich mag auf Menschen treffen, die mir eine neue Sichtweise auf die Welt erklären oder die es schaffen, mich mit einem Gespräch zu überraschen, sodass ich noch mal ganz neu denken muss. Das finde ich spannend. Ich frage mich heute immer wieder: Was will ich überhaupt noch? Was will ich noch zulassen?"

Sind Sie dankbar dafür, so viel und so unterschiedliche Zeiten erlebt zu haben?

"Ja! Und was für eine kraftvolle, wunderbare Möglichkeit wir Frauen heute haben, unsere Erfüllung zu finden. Ich bin privilegiert: Ich weiß, dass viele Menschen nicht einen Beruf ausüben, der sich mit ihrer Leidenschaft deckt!"

Erlauben Sie sich heute eher mal, auch Schwächen zu zeigen?

"Ja! Wenn es überhaupt etwas Schönes am Alter gibt, ist es das! Ich möchte heute keine andere mehr sein, als ich bin. Ich weiß, was ich brauche – und ich erkenne, wer mir etwas aufzwingen will. Ich wünsche mir manchmal, schon früher so weit gewesen zu sein. Ich stelle heute viel mehr Fragen. Als junger Mensch weiß man doch alles besser, ist aber oft nur frech, doof und provokant! Heute reißt mir das nicht mehr die Beine weg, wenn ich etwas nicht schaffe oder nicht erreiche."

Welche Nischen der Ruhe und Entspannung haben Sie?

"Wegfahren! Dorthin, wo ich unerkannt bin und staunend einfach „glotzen“ kann. (Lacht) Natur, aber auch eine anstrengende Stadt. Es tut mir gut, neue Bilder zu sehen und aus dem eigenen Mittelpunkt rauszutreten! Ich kann nicht am Strand liegen."

Wie verbinden Sie Beruf und soziales Engagement zeitlich mit Ihrer Partnerschaft?

"Ich habe einen Partner, der meinen Beruf kennt. Er weiß um die Unberechenbarkeit dieses Berufs und wie schwer es ist, genau zu planen. Ich brauche einen geschützten Raum. So wie meine Familie der geschützte Raum ist, den ich haben will und haben muss."

Thema Eitelkeit: Wie eitel sind Sie, Frau Berben?

"Wir befinden uns in einem großen Wettbewerb. Aber die Eitelkeit wirkt bei mir stärker auf den Inhalt: Ich bin eitel mit dem, was ich drehen möchte, nicht missionarisch oder weil ich die Welt verbessern will, sondern das ist mein Anspruch an mich selbst. Aber auch ich kann mich nie ganz lösen von Eitelkeit und davon, gefallen zu wollen. Es ist ja durchaus ein schönes Gefühl, bewundert zu werden und Komplimente zu bekommen."

Halten Sie sich mit Sport fit?

"Nein, kein Sport! Ich bin ja ein Hippel, kann nicht still sitzen und muss immer rumrennen. Ich habe viel Disziplin in meinem Beruf, aber im Privatleben bekomme ich das nicht hin! Ich hab’s mir schon hundertmal vorgenommen, etwas mehr für den Körper zu tun. Ich bin eine der Frauen, die lieber anfangen, sich geschickt anzuziehen – und weiter gern essen und genießen. Das Leben, die Sinnlichkeit und der Genuss sollten nicht zu kurz kommen. Ich bin ein Genussmensch. Hundertprozentig!"

Woher nehmen Sie Ihre Energie?

"Ich glaube, dass ich ein Mensch bin, der energiegeladen das Leben lebt. Es geht mir eher gut, wenn ich etwas tun kann. Ich denke, das ist eine Wesensart und eine Möglichkeit, viel Leben zu leben und sich für vieles aufzumachen. Und vieles zu probieren. Nicht schon alles in Planung zu haben, sondern zu sehen, was kommt …"

Lieben Sie Ihr Leben, wie es ist?

"Ich glaube, es hat schon mit der Lust am Leben zu tun und der Lust, das Umfeld mitzugestalten. Ob das ein politisches Gestalten ist, was wir uns doch in unserer Demokratie errungen haben – nämlich, dass wir uns einbringen können, dürfen, sollen, müssen! Oder ob es das Künstlerische ist oder ob man andere Lebensformen wählt. Es ist spannend, wenn man sich darauf einlässt. Und ja, ich lebe gerne. Jeder von uns hat auch Einschläge erlebt und weiß, wann das Leben wehtut und wann es schwer ist. Das ist mir bewusst, und es gehört dazu, auch den Schmerz und den Verlust auszuhalten."

Hatten Sie diese Lebensfreude immer schon?

"Als ganz junger Mensch war ich eher verwirrt. Ich habe die Antworten aufs Leben nicht gefunden. Aber das ist ja ein bekannter Zustand, wenn man noch jung ist. Heute sage ich: Das Leben als Leben reicht mir! Ich stelle mich dem Leben. Will wach sein und mitmachen, solange es die geistigen und auch körperlichen Kräfte erlauben. Das ist doch schon viel!"

Wie wichtig ist der Schauspieler-Beruf heute für Sie?

"Es ist ein Geschenk, dass wir heute die Möglichkeit haben, andere Geschichten erzählen zu können, und dass es keine Ausnahme mehr ist, wenn man mit 50, 60 oder 70 Stoffe findet, die viele Menschen interessieren."

Wird man immer noch besser?

"Ja, ich denke schon. Man wird genauer, weiß mehr. Die Nuancen werden anders. Ja, man wird besser."

Was ist das Wichtigste für Sie?

"Wichtig ist mir mein ganz kleiner, sehr wichtiger Kreis meiner Familie und Freunde. Den schütze ich auch. Und wichtig ist mir nach wie vor, dass ich Entscheidungen treffen kann und darf. Ich wollte immer ein selbstbestimmtes Leben. Und das habe ich."

Was ist Glück für Sie?

"Glück sind die Momente, wenn gerade alles passt! Ob es die Arbeit ist, dein eigenes Gefühl oder ein Ort. Es kann ein wunderbares Gespräch sein. Ein Blick in eine Textzeile, wo du feststellst: Wie gut, es ist eine Bestätigung meiner Gedanken, ich spüre und fühle das genauso wie der Autor."

Wie unterscheiden Sie zwischen Gut und Böse? Haben Sie eine gute Menschenkenntnis?

(Klopft sich auf den Bauch und lacht) "Der lässt mich eigentlich nie im Stich! Ich weiß nicht: Hat das mit Lebenserfahrung zu tun? Vielleicht, denn ich wüsste nicht, ob das immer schon so war. Ich höre auf mein Bauchgefühl. Ich bin mit meinem Bauch gut befreundet, der schickt mir gute Signale. Ich würde nie den Verstand ausschalten wollen, aber der Bauch ist die erste Instanz."

Was ärgert Sie, was bringt Sie heute auf die Palme?

"Dummheit ärgert immer! Ungezogenheit! Klingt altmodisch, aber schlechte Umgangsformen ärgern mich! Respektlosigkeit!"

Haben Sie noch Träume?

"Ja, klar: Nach wie vor träume ich davon, unsterblich zu sein! Ich habe das Rezept noch nicht. (Lacht) Nein, das ist nur eine Metapher dafür, wie gerne ich lebe! Ich wünsche mir, wach zu bleiben und neugierig zu sein auf das, was das Leben mir noch anbietet …"

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