Ja, ich mach' das! So werden Sie mutiger

mutiger werden

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Der Erfolg der Mutigen

Wer wagt, gewinnt! Doch was tun, wenn man sich nicht traut? Ganz einfach: es lernen, sagt Angstforscher Prof. Dr. Bandelow. Wie Sie die tapfere Heldin in sich wecken und mutiger werden, erfahren Sie hier - nur Mut!

Es beginnt damit, dass wir einen Anrufer nicht abwimmeln können. Weil wir uns nicht trauen, ihm zu sagen, dass wir nicht an der Umfrage teilnehmen wollen. Oder uns fehlt der Mumm, den Job zu kündigen, der zwar sicher ist, uns aber schon lange keinen Spaß mehr macht. Was bleibt, ist ein Gefühl der Unzufriedenheit - und der stille Selbstvorwurf, ein Angsthase zu sein.

Dabei gibt es sie doch, die Tapferen! Menschen, die alles wagen und sich scheinbar vor gar nichts fürchten. Was ist ihr Geheimnis?

Wir haben mit dem Angstforscher Prof. Dr. Borwin Bandelow von der Universität Göttingen gesprochen - und verblüffende Antworten bekommen. Jeder könne sein Gehirn auf Mut programmieren, sagt er.

Dazu braucht es etwas Übung, doch dann trauen wir uns, Ängste zu überwinden. Mutig entfliehen wir dem goldenen Käfig, unserer Komfortzone - und finden Freiheit, neue Lebendigkeit und Glück.


"Jeder kann sein Gehirn auf Mut programmieren": Interview mit Angstforscher Prof. Dr. Borwin Bandelow

Vom Ängstlichen zum Helden, indem man sein Gehirn umpolt - klingt toll! Doch wie stellt man das an? Und klappt es wirklich bei jedem Menschen?

bella: Herr Bandelow, sind wir alle geborene Angsthasen?

Borwin Bandelow: In gewisser Weise schon. Denn Angst ist eine angeborene Grundemotion. Mut - also das Zutrauen zu uns selbst, etwas zu wagen - ist hingegen eine Fähigkeit, die wir erst erlernen müssen. Angst und Mut sind dabei immer die zwei Seiten einer Medaille.

Ist Angst denn immer etwas Schlechtes?

Ganz und gar nicht. Sie dient unserem Schutz vor Gefahren, kann somit lebenswichtig sein. Und wir brauchen die Angst auch, um weiterzukommen. Sie ist ein Motor und fordert uns heraus. Die Angst, nicht gut zu sein etwa, ist ein starkes Motiv, aktiv zu werden. Wenn Menschen zum Beispiel kreative Künstler oder erfolgreiche Geschäftsleute werden, dann haben ihre bewussten und unbewussten Ängste einen großen Teil dazu beigetragen.

Es gibt doch aber Leute, die mutiger sind als andere - liegt's an ihren Genen?

Früher dachte man, dass eine überbehütende Mutter schuld ist, wenn wir später furchtsam durchs Leben gehen. Heute weiß man, dass es vielfältige Einflüsse sind, die bestimmen, wie mutig wir werden: neben Eltern auch Vorbilder wie Geschwister, Freunde, Lehrer und das gesamte Umfeld - ein Kind wird vom ganzen Dorf erzogen.

Was ist noch wichtig, um mutig zu sein?

Ein gutes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Und das kann man durch mentales Training steigern. Fragen Sie sich mehrmals täglich: Was kann ich? Was bin ich wert? Neurologen fanden heraus: Je positiver die Antworten ausfallen, die das Gehirn abspeichert, desto häufiger gibt es uns das Signal: Du brauchst keine Angst zu haben, du kannst viel und bist liebenswert.

Wie kann man sein Gehirn denn auf Mutig sein polen?

Durch stete Übung. Die Krux dabei: Unser Gehirn braucht nur wenige schlechte Erfahrungen, um eine Situation mit dem Gefühl der Angst zu besetzen, aber sehr viele positive, um diese Angst wieder zu löschen. Einschüchternde Situationen einmal durchzustehen reicht deshalb nicht. Man muss sie x-mal wiederholen, damit sich neue Erfahrungen ins Gehirn einbrennen. Erst dann stellt das Angstzentrum, die Amygdala, diese Überreaktion ein.

Dazu muss man Ängste ja erst einmal überwinden. Wie schafft man das?

Ich empfehle täglich eine Mutprobe, die für neue Verknüpfungen der Nervenzellen sorgt. Wenn jemand etwa Bammel davor hat, eine Rede zu halten, sollte er zunächst eine Rede vor dem Partner, eine vor Freunden, dann eine vor Kollegen halten. Je mehr Mutproben wir absolvieren, desto größer ist die dafür abgespeicherte Datenmenge in unserem Gehirn. Es entsteht dort gewissermaßen ein Mut-Depot.

Und was ist, wenn einen die Angst plötzlich überfällt?

Sie aushalten. Es ist wichtig, die Situation durchzustehen - im Zweifel hilft bloßes Abwarten, bis die Angstsymptome wie etwa Herzrasen oder feuchte Hände von selbst vorbeigehen, also nach etwa 30 Minuten. Flüchten wir vorher aus der Situation, speichert das Gehirn folgende Verbindung ab: Angst gehabt - weggelaufen - Misserfolg. Halten wir die Angst aus, lautet die Kombination: Angst gehabt - standhaft geblieben - Erfolg. Das muss man üben, üben, üben - bis es im Gehirn als Routine-Handlung abgespeichert ist.

Kennen Sie noch einen Psychotrick, der tapferer macht?

Fake it till you make it - tun Sie einfach so, als hätten Sie alles im Griff, selbst wenn das Herz rast. Welten liegen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Andere sehen unsere Hemmungen nicht, sondern nur das Lächeln, hinter dem wir sie verbergen. Und reagieren positiv. Ein weiteres Pfund für das Mut-Depot.

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