K.O.-Tropfen: Die Gefahr aus dem Cocktail

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Immer öfter werden Frauen Opfer von K.O.-Tropfen
Foto: Steve Prezant/Corbis

Betäubt & willenlos

In Deutschland werden immer mehr Frauen mit einer Partydroge willenlos gemacht. Die Täter bestellen sich die K.O.-Tropfen einfach im Internet.

Eigentlich soll es ein schöner Abend werden, als Vanessa vor sechs Monaten gemeinsam mit Bekannten einen Club in Hamburg besucht. Vanessa (31) bestellt einen Wodka , tanzt ausgelassen - doch plötzlich wird ihr schwindelig. "Ich fühlte mich wie in Watte gepackt", erinnert sich die 31-Jährige heute. Ihr ist übel, kalter Schweiß steht auf ihrer Stirn. "Bloß nichts anmerken lassen", denkt sie und schleppt sich in Richtung Toilette.

Das Letzte, an das sie sich erinnert, sind die Blicke der anderen Gäste, dann wird alles schwarz. Als Vanessa am nächsten Morgen aufwacht, liegt sie, nur mit T-Shirt und Jacke bekleidet, in ihrer Wohnung auf dem Bett. Sie ist schwach, ihr Unterleib schmerzt - und ihr Slip liegt zerrissen neben ihr auf dem Boden.

An das, was in der Club-Nacht vor sich ging, kann sich Vanessa nicht erinnern - die Ungewissheit ist das Schlimmste. Das Problem: K.O-Tropfen sind in höheren Dosen nur bis zu 72 Stunden im Blut oder im Urin nachweisbar, in kleineren Dosen nur um die 8 Stunden nach Einnahme. Die Täter sind deshalb im Nachhinein extrem schwer zu überführen.

Erst drei Tage nach der Tat traute sich Vanessa, zu ihrem Frauenarzt zu gehen. Er stellte keine Verletzungen im Intimbereich und keine Spermaspuren fest - sie ist nicht vergewaltigt worden. "Aber ich frage mich: Hat er mich begrapscht? Wollte er mehr? Hat er Fotos gemacht? Und wenn ich unterwegs bin, schaue ich mir die Männer an, die mir auf der Straße entgegenkommen, und rätsele: War es der? Oder der?"

Eine Anzeige hat Vanessa nicht erstattet. "Das hätte doch nichts gebracht", sagt sie. Nun macht sie eine Therapie, muss lernen, wieder Vertrauen zu anderen zu fassen. Und sie muss lernen, dass sie nicht ein willenloses Opfer, dass ihr Körper ihr Eigentum ist. Noch ist allzu oft die Angst ihr Begleiter, wenn sie abends ausgeht.

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