Kann jede Frau wieder zur Jungfrau werden?

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Die Jungfräulichkeit einer Frau ist ein wertvolles Gut.
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Jungfräulichkeit: Was jede Frau zu ihrem Hymen wissen sollte

Das Jungfernhäutchen einer Frau ist ein Teil unseres Körpers, der von vielen Mythen und Irrtümern umgeben ist. Die meisten Männer und Frauen glauben, dass es sich dabei um ein geschlossenes Häutchen handelt, das beim ersten sexuellen Kontakt durchstoßen wird, wodurch es zu einer Blutung kommt. Doch das ist nicht der Fall!

Tatsächlich ist das Jungfernhäutchen, das auch Hymen genannt wird, eine weiche Falte der Schleimhaut, die die Öffnung der Vagina wie ein rosa Saum umgibt. Dieser Saum kann bei jeder Frau ganz unterschiedlich aussehen. Das Hymen hat eine oder sogar mehrere Öffnungen, durch die zum Beispiel das Menstruationsblut abfließen kann. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Hymen die Vagina vor dem Eindringen von Bakterien schützen soll. Was Frauen noch zu ihrem Jungfernhäutchen wissen sollten.

Jedes Hymen sieht anders aus

Diese Grafiken zeigen, wie unterschiedlich Jungfernhäutchen aussehen können. | Grafik: Wunderweib.de

Die gekräuselte Haut des Jungfernhäutchens erinnert an eine zarte Rose. Form und Farbe variieren von Frau zu Frau. Das Hymen ist sehr elastisch und kann weit gedehnt werden, sei es beim Sex oder bei einer Geburt. Bei manchen Frauen verschließt das Hymen die Öffnung der Vagina allerdings so stark, dass ein Gynäkologe es etwas weiten muss, damit das Menstruationsblut abfließen oder ein Tampon eingeführt werden kann. Mediziner sprechen dann von Hymenalatresie. Bei älteren Frauen, die keine Vaginalgeburt gehabt haben oder nur sehr selten Sex haben, kann es in der Menopause dazu kommen, dass das Jungfernhäutchen sich wieder zusammenzieht. Falls die Frau dann wieder ein aktiveres Sexleben starten möchte, kann es nötig sein, dass ein Arzt das Häutchen erneut weitet.

Das erste Mal muss nicht weh tun

Wie es sich anfühlt, wenn das Jungfernhäutchen das erste Mal gedehnt wird – ob beim ersten Einführen eines Tampons oder aber beim ersten Eindringen eines Penis in die Vagina – ist bei jeder Frau sehr unterschiedlich. Manche Frauen verspüren dabei überhaupt keinen Schmerz, andere empfinden das erste Weiten als sehr unangenehm. Wenn die zarten Falten des Hymen das erste Mal geweitet werden, kann es zudem zu Geweberissen und kleinen Blutungen kommen. Diese entstehen jedoch nicht durch ein Durchstoßen eines geschlossenen Häutchens, wie viele Menschen irrtümlich glauben.

Damit eine Frau vaginale Penetration genießen kann, muss die Vagina und somit auch das Jungfernhäutchen feucht sein. Wenn eine Frau große Schwierigkeiten damit hat, genug Feuchtigkeit zu entwickeln, kann der Einsatz von etwas Gleitmittel sehr hilfreich sein. Gerade beim ersten Mal Sex kann es sein, dass die Frau zu nervös ist, um feucht genug zu sein. Auch darum kommt es dann eher zu blutenden Rissen der Schleimhäute. Diese Verletzungen heilen allerdings schnell, in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach der Penetration.

Was bedeutet eigentlich Jungfräulichkeit?

In Anbetracht der Tatsache, dass es sich beim Jungfernhäutchen nicht um eine geschlossene Haut handelt, die beim ersten Sex durchstoßen wird, ist der Zustand des Hymens nicht ausschlaggebend für die Frage, ob eine Frau noch Jungfrau ist. Das Hymen kann durch die natürlicherweise vorhandenen Öffnungen auch dann zerrissen aussehen, wenn die Frau noch nie Sex hatte.

In Deutschland gilt eine Frau als Jungfrau, solange ihre Vagina noch nie von einem Penis penetriert wurde. In anderen Ländern gilt die Jungfräulichkeit bereits als verloren, wenn die Frau nur intim gestreichelt wurde.

Irreführend ist jedenfalls die Bezeichnung „Verlust der Unschuld“ im Zusammenhang mit dem ersten Sex. Denn Sex hat nie etwas mit Schuld zu tun. Im Gegenteil ist Sex für uns Menschen völlig natürlich, biologisch notwendig und bestenfalls eine Quelle großer Freude.

Kann man einer Frau ansehen, ob sie noch Jungfrau ist?

Nein! Ob der Penis eines Mannes oder die Vagina einer Frau, niemand kann einem Körper ansehen, ob der Mensch schon einmal Sex hatte. Weder ein Gynäkologe noch ein Sex-Partner kann deiner Vagina eindeutig ansehen, ob du schon mal Sex hattest.

Kann eine Frau wieder zur Jungfrau werden?

Es ist möglich, das Hymen mit einigen Fäden so zusammen zu nähen, dass eine Blutung bei der nächsten Penetration wahrscheinlicher wird. Eine solche Hymenrekonstruktion kostet etwa 500 bis 4.000 Euro. Der Eingriff wird in der Regel ambulant durchgeführt und dauert circa 20 bis 60 Minuten. Der Operateur sollte mit größter Umsicht ausgesucht werden, denn der Intimbereich einer Frau ist ein höchst sensibler Bereich.

Die Hymenrekonstruktion ist eher in patriarchalisch geprägten Ländern gefragt, wo die Frau bei der Hochzeit unbedingt Jungfrau sein muss, und ein Zeichen für ein Frauenbild, das alles andere als wertschätzend und selbstbestimmt ist. Für eine Frau, die ihre Jungfräulichkeit durch einen gewaltsamen Akt verloren hat, kann die Hymenrekonstruktion allerdings ein wichtiger Schritt zur Bewältigung eines Traumas sein.

Eine europäisch geprägte Frau, die mit dem Aussehen oder der Größe der Vagina-Öffnung unzufrieden ist, sollte mit einem Frauenarzt ihres Vertrauens besprechen, welche Optionen es jenseits der Hymenrekonstruktion zur Lösung dieser Problematik gibt. Oftmals ist es schon hilfreich, das Selbstvertrauen der Frau zu stärken und ihr Zweifel zum Aussehen ihres Körpers oder eventuelle Schuldgefühle bezüglich ihres Sexlebens zu nehmen.

Fazit: Ob eine Frau als Jungfrau betrachtet werden kann, hängt von unterschiedlichen Vorstellungen und gesellschaftlichen Idealen ab. Welche sexuellen Handlungen zum Verlust der Jungfräulichkeit führen, dazu kann jeder Mensch eine ganz individuelle Meinung haben. Ob du schon einmal Sex gehabt hast, kann dir jedenfalls kein Mensch eindeutig ansehen.

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