Kann sie die Augen vor diesem Schicksal verschließen?

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Das Publikum liegt Andrea Berg zu Füßen. Sie lieben die Sängerin, verehren sie – ihre Musik bewegt die Massen
Foto: GettyImages

Andrea Berg

Wie viel Leid kann ein Mutterherz ertragen? Im Schlafzimmer über dem Bett hängt ein Poster von Andrea Berg (43). Riesengroß, im goldenen Rahmen. Der Blick der Sängerin ist nachdenklich. Kerstin Dobberstein (45) bedeutet dieses Poster viel. Sie ist Andrea Bergs größter Fan, ihre Lieder schenken ihr Kraft. Besonders in dieser schweren Zeit.

Denn Kerstin Dobberstein ist das passiert, was keiner Mutter passieren dürfte: Durch ein Unglück hat sie ihren Sohn Sebastian († 20) verloren. Jetzt bittet sie Andrea Berg um Hilfe und Trost. Kann die beliebte Sängerin ihre Augen vor diesem Schicksal verschließen?

Rückblick: Ein kleiner Ort in der Nähe von Cloppenburg. Es ist der Abend des 1. Mai 2009. Sebastian ist zum Grillen bei Freunden eingeladen. Irgendwann macht der Junge sich auf den Heimweg. Es sind nur ein paar Kilometer. Doch statt wie immer neben den Bahnschienen, auf einer Straße, nach Hause zu radeln, läuft Sebastian auf den Schienen heimwärts. Und das, obwohl er weiß, dass der letzte Zug noch nicht gefahren ist. „Dann hat ihn der 23-Uhr-Zug erwischt“, erzählt Kerstin mit tränenerstickter Stimme. „Von hinten. Es muss ganz schnell gegangen sein. Einfach so wurde Sebastian vom Zug getötet.“

Seitdem sind der Schmerz und die Trauer Bestandteil in Kerstin Dobbersteins Leben: „Abends und nachts ist es besonders schlimm. Da kommen die Fragen. Warum Sebastian? Warum so jung? Wie konnte das passieren? Es verfolgt mich regelrecht, doch ich werde nie eine Antwort darauf bekommen...!“

Sebastian fehlt im Hause der Dobbersteins. JedenTag, jede Minute. Auch seinen vier Brüdern und Stiefpapa Erwin (51). „Er war so ein glücklicher Junge, erinnert sich Kerstin. „Alle haben ihn gemocht. Er hat viele Menschen berührt!“

Wenn man das Liebste in seinem Leben verliert, gibt es keinen richtigen Trost. Das Herz weint, die Seele leidet – und nur die Zeit kann den Schmerz ein wenig lindern. Kerstin Dobberstein weiß das. Und dennoch hofft sie auf Andrea Berg. Darauf, dass die Sängerin ihr das Leben wieder etwas erträglicher machen kann. Es ist die Hoffnung einer verzweifelten Frau.

„In dieser schweren Zeit tröstet mich ihre Musik. Ich fühle mich von ihr verstanden. Ich würde Andrea wirklich gern treffen. Ich wünschte mir, sie würde sich meine Geschichte anhören.“

Doch Kerstin Dobberstein möchte noch mehr. Sie möchte nicht nur reden: „Vielleicht kann sie mir etwas von ihrem Lebensmut abgeben. Sie hat selbst so viele Schicksalsschläge erlebt. Und sie alle überstanden. Ich würde mir wünschen, ich wäre so stark wie sie!“

Die trauernde Mutter glaubt: „Andrea würde es schaffen, dass ich für fünf Minuten wieder glücklich sein kann. Das wäre mein großer Traum. Fünf Minuten all das Leid vergessen…!“

Worte zu finden, die trösten – das ist nicht jedem gegeben. Doch Andrea Berg hat diese große Gabe. Dank ihrer Arbeit im Krefelder Sterbehospiz (wir berichteten), weiß sie, wie man auch in den dunkelsten Stunden tröstet und einen Sonnenstrahl herbeizaubert…

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