GeldKartenzahlung: Kunden müssen bei jedem Einkauf Bezahlsystem wählen

Kartenzahlung: Kunden müssen das Bezahlsystem wählen
Ab Januar 2017 müssen Kunden bei jeder Kartenzahlung auch das Bezahlsystem neu wählen
Foto: iStock
Inhalt
  1. Was ändert sich?
  2. Wo liegt der Unterschied zwischen Girocard, Maestro und V-Pay?
  3. Wo wird die Änderung eingeführt?
  4. Warum wird das System umgestellt?
  5. Wer profitiert von der Bezahlwahl?
  6. Können Kunden die Wahl umgehen?
  7. Gilt die Verordnung auch für Kreditkarten?

Kartenzahlung wird komplizierter. Kunden müssen zwischen drei Bezahlfunktionen wählen: Girocard, Maestro und V-Pay. Was dahinter steckt.

Laut dem Marktforschungsinstituts GfK besitzen rund 95 % der Deutschen eine Girocard. Die Girocard-Statistik meldete 2015 rund 2,6 Milliarden Transaktionen. Gesamtumsatz: 138 Milliarden Euro. Kein Wunder, denn 44,5 Prozent der Menschen zahlten 2015 mit Karte (52,4 Prozent mit Bargeld).

Überraschend ist es nicht, schließlich geht die Zahlung mit Karte ganz leicht: Karte ins Lesegerät schieben, PIN eingeben und fertig. Doch diese Zeiten sind jetzt vorbei. Kartenzahlung wird umständlicher.

Sobald im Januar das Weihnachtsgeschäft vorbei ist, werden uns immer mehr Händler bei Kartenzahlung fragen: "Möchten sie mit Girocard, Maestro oder V-Pay bezahlen?" - und das, obwohl wir immer noch dieselbe EC-Karte in die Lesegeräte stecken, wie schon seit Jahren. Was hat das zu bedeuten? Und vor allem: Was sollen wir auf diese Frage antworten?

Was ändert sich?

Was kaum einer weiß: Die gängige EC-Karte (electronic-cash-Karte) hat neben der Girocard-Bezahlung noch zwei weitere Bezahlfunktionen integriert: Maestro (von Mastercard) und V-Pay (von Visa). Durch dieses sogenannte "Co-Branding" mit Maestro und V-Pay sichert sich die deutsche Girocard internationale Funktionalität: Jede Girocard ist somit gleichzeitig eine Maestro-Karte und V-Pay-Karte, sodass sie im Ausland bei allen Maestro- bzw. V-Pay-Akzeptanzstellen genutzt werden kann.

Der Unterschied zwischen diesen drei Bezahlfunktionen ist so banal wie (für uns Kunden) unerheblich: Es stecken lediglich andere Unternehmen hinter den drei Optionen.

  • Hinter der Girocard steckt der Verband der Deutschen Kreditwirtschaft (DK), eine Vereinigung deutscher Banken.
  • Hinter Maestro steckt der internationale Konzern Mastercard.
  • Hinter V-Pay steckt der internationale Konzern Visa (das V-Pay-System wurde von Visa als Konkurrenzprodukt zu Maestro eingeführt).

Wenn wir demnächst unsere Girokarte zucken, müssen wir vor der Eingabe unserer Geheimnummer im Kartenlesegerät eingeben, über welches dieser drei Unternehmen der Geldbetrag abgebucht werden soll.

Einige Händler, wie etwa die Esso-Tankstellen, die diese Umstellung schon eingeführt haben, helfen den Kunden mit Aufschriften wie "Drücken sie Girocard" oder "Esso empfiehlt: Zahlung mit Girocard". Aber warum gerade Girocard?

Wo liegt der Unterschied zwischen Girocard, Maestro und V-Pay?

Von der Girocard wissen wir: Der Betrag wird direkt vom Konto abgebucht. Und bei Maestro und V-Pay? Da wird der Betrag ebenfalls direkt vom Konto abgebucht. Alle drei Zahlungswege sind für den Kunden kostenfrei.

Der einzige Unterschied aus Kundensicht: Die Girocard funktioniert nur in Deutschland, über V-Pay kann man in ganz Europa bezahlen, via Maestro sogar weltweit.

Wo wird die Änderung eingeführt?

Die Tankstellen des Esso-Konzerns haben die Änderung mit der neuen Software schon vollzogen. Es folgen nach und nach Kassenautomaten (etwa von der Deutschen Bahn) und Parkhausautomaten. Auch Geldautomaten sollen auf Dauer mit der neuen Software ausgestattet werden.

Bis zum Frühjahr 2017 soll die Wahlmöglichkeit flächendeckend in deutschen Geschäften vorhanden sein. Dann heißt es: "Girocard, Maestro oder V-Pay?"

Girokarten der Sparkassen
Die gängigen Girokarten haben integrierte Bezahlsysteme: Meastro und V-Pay
Foto: iStock

Warum wird das System umgestellt?

Die EU-Verordnung "Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge" schreibt diese Änderung vor. Die Entscheidung lag unter anderem beim Bundesfinanzministerium, der Finanzaufsicht Bafin und den entsprechenden EU-Stellen.

Eigentlich ist die Verordnung schon am 9. Juni 2016 in Kraft getreten - bloß dauert die tatsächliche Umsetzung viel länger als gedacht: Kartenlesegeräte müssen mit der neuen Software ausgestattet werden oder es werden direkt neue Geräte gekauft. Die Änderung ist also auch für die Händler umständlich. Warum dann das Ganze?

Die Begründung der EU lautet: "Die neuen Bestimmungen bieten den Verbrauchern die Möglichkeit, die kostengünstigste Marke zu wählen, und versetzen die Einzelhändler in die Lage, diese Marke zu begünstigen, um die Kosten möglichst gering zu halten." Oder anders gesagt: Die EU will damit den Wettbewerb zwischen den drei Kreditkartenfirmen (DK, Mastercard, Visa) ankurbeln.

Mit der neuen Auswahl sollen wir Kunden festlegen, ob unsere Bank das Geld abbucht - also via Girocard - oder eine der beiden anderen Kreditkartenfirmen (Mastercard Incorporated oder Visa Inc.), die jetzt daran mitverdienen dürfen.

Wer profitiert von der Bezahlwahl?

Die Kunden profitieren von der Auswahlmöglichkeit nicht - noch nicht. Es ist nämlich gut möglich, dass Mastercard und Visa die Kunden mit Belohnungen oder Gewinnspielen locken werden, damit sie via Maestro bzw. V-Pay zahlen. Doch wie profitieren Mastercard und Visa davon?

Mastercard und Visa profitieren über die Händler. Denn: Das deutsche Girocard-Verfahren via Bank ist für Händler um einiges günstiger als die Kreditkarten-Zahlfunktion. Zahlt der Kunde mit EC-Karte, muss der Händler die Gebühren dafür tragen. In der Regel sind es maximal 0,3 Prozent des Umsatzes (im Mineralölsektor, etwa an Tankstellen, sogar nur 0,2 Prozent).

Entscheidet sich ein Kunde aber für die Zahlung per V-Pay oder Maestro, muss der Händler viel höhere Gebühren zahlen: Nach Angaben des Handelsverbands Deutschland kosten Zahlungen über Maestro und V-Pay bis zu 0,6 Prozent des Umsatzes - also das doppelte bzw. dreifache dessen, was bei der Girocard-Variante anfällt.

Der Sparkassenverband sieht bei der neuen Verordnung Visa und Mastercard klar im Vorteil: Die Girocard ist in Deutschland Marktführer - nur sehr wenige Menschen zahlen hierzulande mit Kreditkarte. Wird V-Pay und Maestro nun mehr in Deutschland integriert, eröffnet sich für die Unternehmen Mastercard und Visa ein neuer Markt - und somit auch größerer Profit und steigender Umsatz.

Können Kunden die Wahl umgehen?

Da die Änderung keine Vor- oder Nachteile für uns Kunden mit sich bringt, ist es für uns bloß ein zusätzlicher Schritt bei der Kartenzahlung - und damit gegebenfalls längere Wartezeiten in der Supermarktschlange.

Die Händler sind aus finanziellen Gründen (s.o.) mindestens genauso wenig von der Änderung begeistert, wie die Kunden. Also werden die meisten Händler wohl zu folgendem Trick greifen: Schiebt der Kunde seine Girokarte an der Kasse ins Lesegerät, wird er einen extra Knopf drücken können, um eine Bezahloption (Girocard, Maestro oder V-Pay) zu wählen. Drückt er den Knopf allerdings nicht, zahlt er automatisch über die Girocard - also wie bisher - und spart sich den zusätzlichen Schritt.

Das wird vermutlich so lange für Händler und Kunden gut gehen, bis Mastercard und Visa tatsächlich die Kunden mit Belohnungen locken. Zum Beispiel könnten sie mit einem ähnlichen System wie Payback locken, bei dem die Kunden bei jeder Zahlung Punkte gutgeschrieben bekommen, die sie später gegen ein Geschenk einlösen können.

Gilt die Verordnung auch für Kreditkarten?

Nein. Kreditkarten sind von der Vorschrift (noch) nicht betroffen. Allerdings gibt es schon Überlegungen, die Funktionen von Giro- und Kreditkarte auf einer einzigen Karte zu vereinen.

 

 

Kategorien: