Kein Kinderwunsch! Warum immer mehr Paare kinderlos bleiben

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Immer mehr Paare entscheiden sich gegen Kinder - das sind die Gründe dafür.
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Warum wir uns nicht mehr trauen, Kinder zu bekommen

Immer mehr Paare bleiben in der heutigen Zeit kinderlos, obwohl sie das Durchschnittsalter fürs Kinderkriegen schon erreicht oder sogar überschritten haben. Statistiken zufolge ist in unseren Breitengraden jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren kinderlos.

Doch wo liegen die Gründe für diese Entwicklung?

1 ♦ Nicht der richtige Partner

Oft fehlt einfach der ideale Partner. Viele Menschen sind noch auf der Suche nach dem „perfekten Partner“ mit dem sie das Abenteuer Elternschaft wagen können. Doch dabei vergessen einige, dass es bei der Partnerwahl und auch für eine gute Partnerschaft wichtiger ist, selbst der ideale Partner für jemanden zu sein. Zu viele machen sich aber bloß Gedanken darüber, was beim Gegenüber nicht passt. Ganz wesentlich für eine gut funktionierende Beziehung ist immer das Arbeiten an sich selbst und dass man sich überlegt, wie man den Partner zufrieden und glücklich machen kann. Denn wer in der Partnerschaft nicht viel bietet, kann auch nicht viel verlangen.

2 ♦ Angst vor der Ungewissheit

Andere haben zwar bereits den richtigen Partner gefunden, fürchten jedoch die Konsequenzen, die das Kinderkriegen mit sich bringt. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Ängste: Viele sorgen sich um die hohen Kosten, die mit einer Familiengründung verbunden sind. Denn man hört immer wieder, dass „Kinder ins Geld gehen“. Besonders dann, wenn sie anfangen Instrumente zu lernen oder auf Schulveranstaltungen fahren. Vor allem in Zeiten der hohen Arbeitslosigkeit stellt ein Kind einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor dar. Aufgrund dieser vermeintlichen oder tatsächlichen wirtschaftlichen Nachteile entscheiden sich viele Paare lieber gegen ein Kind.

Aber nicht nur finanzielle Gründe halten Paare davon ab, eine Familie zu gründen: Immer mehr Paare haben große Bedenken, ein Kind in die gegenwärtige Welt zu setzen. Eine Welt mit Krieg, Terror, Wirtschaftskrisen und Umweltkatastrophen. Das ist doch keine Zukunft für unsere Kinder - oder?

Ein Fallbeispiel: Verkäuferin Gabi schildert ihre Befürchtungen: „Egal ob ich den Fernseher aufdrehe, Radio höre oder Zeitung lese: Es geht immer nur um Bedrohungen und Katastrophen wie Terror, Krieg und Umweltzerstörung. Das macht mir Angst. Wie kann ich mein Kind vor diesen Grausamkeiten beschützen? Kann ich denn sicher sein, dass mein Kind eine Chance hat, gut und behütet zu leben? Wäre es nicht unverantwortlich ein Kind zu bekommen, wenn ich doch weiß wie es auf der Welt zugeht?“

Diese Zweifel sind durchaus berechtigt und verständlich. Denn eine Welt voller Bedrohungen, Armut und Leiden bietet nicht gerade eine ansprechende Umgebung, um ein Kind aufwachsen zu lassen. Doch die Besorgten vergessen, dass es Krisen, Krieg und Armut in allen Zeiten des Menschendaseins gegeben hat. Hätten die Menschen früher auch schon so gedacht, wäre die Fortpflanzung eingestellt worden und keiner von uns wäre heute am Leben.

3 ♦ Zu teuer & zu hohe Ansprüche

Ein weiterer Grund, warum immer mehr Paare sich von ihrem Kinderwunsch verabschieden, ist die schwere Vereinbarkeit zwischen Familienleben und Beruf . Die Vorstellung neben dem ohnehin anstrengenden Job und sonstigen Alltagsaufgaben auch noch ein Kind gut zu erziehen, scheint vielen unmöglich.

Das ist in unserer „schneller-höher-weiter-Gesellschaft“ auch verständlich. Denn es geht nur mehr darum alles so schnell wie möglich und in kürzester Zeit zu erledigen. Da bleibt wenig Raum und Zeit, sich um die Bedürfnisse und Wünsche von Kindern zu kümmern. Der eigene Anspruch eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein, bleibt jedoch bestehen.

Ein Fallbeispiel: Bankangestellte Clara erzählt von ihren Zweifeln: „Ich würde ja gerne eine gute Mutter sein. Aber auch ohne Kind bin ich dauernd müde und ausgelaugt von der Arbeit und dem Alltag. Wenn ich dann auch noch in der Nacht aufstehen müsste, um mich um mein Baby zu kümmern, würde mich das heillos überfordern. Dann werde ich vielleicht sogar wütend auf mein Kind? Nein, das wäre schrecklich. Das will ich auf gar keinen Fall. Ich müsste ja trotzdem arbeiten gehen, da mein Freund nicht genug für uns beide und schon gar nicht genug für drei verdient. Arbeit und Kind ist mir dann vielleicht zu viel!“

Heutzutage reicht es kaum, wenn nur ein Elternteil arbeiten geht. Mittlerweile ist das Leben so teuer, dass meistens beide verdienen müssen, um finanziell über die Runden zu kommen. Außerdem wird man in unserer heutigen Gesellschaft nicht hoch angesehen, wenn man „nur zu Hause“ ist. Vor allem für Frauen kann ein Kind auch heute noch einen Karriereknick bedeuten. Denn wer keine 40 Stunden in der Woche arbeiten kann, ist am Arbeitsmarkt oft nichts mehr wert. Aus diesem Grund entscheiden sich immer mehr Paare gegen Kinder. Auch glauben manche, dass sie keine guten Eltern sein können, wenn sie aus wirtschaftlichen Gründen viele Stunden arbeiten müssen.

4 ♦ Familie ist „Out“ – Karriere ist „In“

In der heutigen Zeit bekommt man höhere Anerkennung, wenn man eine erfolgreiche Karriere hat als wenn man eine gute Mutter oder ein guter Vater ist. Ganz nach dem Motto „Erfolg macht sexy“.

Fallbeispiel: Projektmanager Oliver erklärt mir: „Wenn ein Kind da wäre, könnten wir uns keine richtigen Urlaube mehr gönnen. Ich müsste meinen Sportwagen verkaufen, da kein Platz für einen Kindersitz ist. Und ich will mir gar nicht vorstellen, wie unsere schöne Wohnung aussehen würde, wenn ein Kind ständig alles kaputt und schmutzig macht. Mir gefällt mein Leben genauso wie es jetzt ist: Wir reisen viel, gehen gerne auswärts essen oder mal spontan ins Kino. Mit einem Kind wäre das alles vorbei. Ich weiß ehrlich nicht, ob ich auf das alles verzichten möchte.“

Einstellungen wie diese sind in der heutigen Generation keine Seltenheit mehr. Und das ist auch einfach zu erklären: Unsere Kinder werden zu Einzelkämpfern und Siegern erzogen. Die Selbstdarstellung und das Ego werden schon von klein auf gefördert. Das „Ich“ ist wichtiger als das „Wir“. Somit zählen Werte wie „Familie“, „Gemeinschaft“ und „Zusammenhalt“ nur mehr wenig.

Tipp vom Beziehungscoach Dominik Borde:

Ansichten wie jene von Oliver sollten überdacht werden, ansonsten könnte man später bereuen, dass einem die Karriere wichtiger war als die Familie. Es ist nämlich so, dass viele Eltern eine große Befriedigung aus ihrem Familienleben ziehen. Wird ein vorhandener Kinderwunsch verdrängt oder immer wieder aufgeschoben, ist es irgendwann zu spät für eine eigene Familie. Dann bereut man womöglich seine frühere Einstellung. Deshalb sollte man sich Zeit nehmen und nochmals ausführlich über dieses Thema nachdenken.

5 ♦ Angst um die Beziehung

Fallbeispiel: Barkeeper Marco über seine Befürchtungen: „Ich will nicht, dass meine Freundin keine Lust mehr auf Sex hat, wenn wir ein Kind bekommen. Dann dreht sich alles nur um das Baby und unsere Beziehung wird auf der Strecke bleiben. Ich merke das ja bei meinen Freunden: Nach der Geburt des Kindes sind die Frauen richtige Muttertiere – sie kümmern sich nicht mehr um ihr Aussehen und ihre gute Figur und es bleibt keine Zeit mehr für den Freund übrig. Das hört sich jetzt schlimmer an, als ich es tatsächlich meine. Hm, wie soll ich es ausdrücken? Ich möchte einfach gerne mit meiner Freundin zusammenbleiben und glücklich sein. Mir gefällt es total, wie scharf wir aufeinander sind und wie viel Spaß wir miteinander haben. Leider kenn ich niemanden bei denen es nach einem Kind gut funktioniert hat. In den meisten Fällen gehen die Beziehungen auseinander, wenn Kinder da sind!“

Diese und andere Gedanken, wenn eine große Veränderung in die Beziehung eintritt, haben nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Das bezieht sich auf den vorher beschriebenen Egoismus. Man ist total glücklich in der Beziehung und will das Vorhandene nicht einfach so aufgeben. Mit einem Kind verändert sich sehr viel in einer Beziehung und davor haben die meisten Paare große Angst.

Doch dabei vergessen viele, dass ein gemeinsames Kind eine Bereicherung für die Beziehung sein kann und sich die Prioritäten automatisch auf das Kind verlagern werden, ohne dass man alten Zeiten nachtrauert. Außerdem fühlt man sich durch einen gemeinsamen Nachwuchs noch verbundener mit dem Partner. Viele glauben, das Sex- und Beziehungsleben würde unter dem Nachwuchs leiden. Das muss aber nicht so sein. Wichtig ist, an einer Beziehung zu arbeiten, denn sie wird in keinem Fall so bleiben, wie sie zu Beginn war. Egal ob ein Kind da ist oder nicht.

6 ♦ Oft fehlen die richtigen Vorbilder

Ein weiterer Grund für Kinderlosigkeit liegt in der Abwesenheit von ermutigenden Vorbildern. Menschen, die in ihrer Kindheit erleben mussten, wie die eigenen Eltern ständig überfordert waren, haben als Erwachsene wenig Vertrauen in das Konzept Familie und fühlen sich der Elternschaft deshalb oftmals nicht gewachsen. Außerdem ist heute das Bild einer glücklichen Familie zu einer Seltenheit geworden. Nur wenige Menschen präsentieren sich als zufriedene und glückliche Eltern oder Paare. Darüber hinaus bringen Eltern im Beisammensein mit ihren Kindern eher Stress als Glück und Freude zum Ausdruck. Aufgrund des Mangels an guten Vorbildern in Sachen Familie ist es schwer für Menschen, selbst eines zu werden.

Dass heutzutage so viele Paare kinderlos bleiben, ist nicht immer eine klare Entscheidung. Oft verlaufen Lebenswege anders als geplant und der Familiengründung stehen Hindernisse im Weg. Daran sind oftmals auch die derzeitigen sozialen Verhältnisse schuld. Das sollte übrigens eine ernstzunehmende Warnung für unsere Gesellschaft sein.

Unser Autor

Dieser Text ist ein Gastbeitrag von Beziehungs-Coach Dominik Borde . Er hilft Menschen dabei, herauszufinden, was ihnen für ihre Zukunft wichtig ist und wie sie es tatsächlich umsetzen können.

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