Kennen Sie diese Frauen?

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Sieben Frauen, die Respekt verdient haben

Falls nicht, wird es höchste Zeit! Sieben Frauen, die Herausragendes leisten. Und die uns zeigen: Es gibt sie doch noch, die Vorbilder, vor denen wir Respekt haben. Und von denen wir uns das ein oder andere abgucken können

Der Respekt hat sich schleichend von uns verabschiedet. Nach der Finanzkrise hatten wir keinen Respekt mehr vor den Bankern. Nach den Missbrauchsskandalen in katholischen Internaten keinen mehr vor Geistlichen. Und dann die Politiker ... Guttenberg fälschte, Wulff war nur auf Schnäppchen aus, und Niebel (Entwicklungsminister mit Armeemütze) schmuggelte einen Perserteppich.

Dabei ist Respekt das Schmiermittel der Gesellschaft. Wenn es an ihm mangelt, scheitert das Zusammenleben . Respekt - damit ist zunächst die Achtung vor dem anderen gemeint. Egal, ob es sich um den Bürokollegen handelt, den man eigentlich gar nicht leiden kann, der aber trotzdem ein freundliches "Hallo" am Morgen verdient. Oder der Busfahrer, der einen jeden Tag zur Arbeit fährt und deswegen zumindest ab und zu von uns mit einem Lächeln bedacht werden sollte. Und der Partner, mit dem auch der schlimmste Streit nie unterhalb der emotionalen Gürtellinie verlaufen sollte.

Fast 50 Jahre ist jene Forderung alt, die Aretha Franklin einst inbrünstig in ihr Mikrofon sang: "Just a little respect." An Aktualität mangelt es den Worten trotzdem nicht. Sie sind so zeitlos wie unsere Sehnsucht nach Toleranz, einem guten Umgang miteinander und nach Vorbildern.

Jede Zeit braucht deshalb Menschen, zu denen sich aufsehen lässt. Unsere Großeltern begegneten Amtsträgern wie Richtern, Polizisten, Politikern, aber auch Lehrern, Professoren, Ärzten und Briefträgern noch mit besonderem Respekt. Das hat sich spätestens geändert, als die 68er die Banner "Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren" an den Universitäten ausrollten. In diesem Anzweifeln der Autoritäten lag viel Gutes: Alte, eingefahrene Strukturen wurden aufgebrochen. Heute aber sind Vorbilder ein rares Gut.

"Wir sind viel sensibler geworden und fragen, ob jemand den Respekt seines Amtes auch wirklich verdient", sagt Niels Van Quaquebeke, der an der Kühne Logistics University in Hamburg zum Thema Respekt forscht, und: "Würdenträger müssen sich ihren Respekt daher immer wieder neu erarbeiten."

Permanent stellen wir deshalb die Legitimationsfrage. Nur wer sich durchweg korrekt verhält, den achten wir auch. Gleichzeitig wünschen wir uns starke Figuren wie etwa Helmut Schmidt (93). Der Altkanzler hat Hochkonjunktur - kein gesellschaftliches oder politisches Problem, zu dem nicht seine Meinung gefragt wäre. Er ist eine moralische Instanz.

"In unserer immer komplexeren Welt sehnen wir uns nach legitimierter Hierarchie", sagt Quaquebeke. Das heißt: Es ist für uns okay, einem Chef oder einem Politiker zu folgen - solange die auch wirklich was können. Die Anerkennung des anderen bedeutet auch, dass wir uns selbst zurücknehmen. Wenn wir eine fremde Person respektieren, heben wir sie auf ein Podest, geben Macht an sie ab. Macht kennt aber immer auch die Seite des Missbrauchs. Wir machen uns also verwundbar. Deshalb prüfen wir zunächst ausgiebig die Charakterstärke des Gegenübers. "Dabei ist nicht unbedingt die vordergründige Leistung ausschlaggebend", erklärt Van Quaquebeke.

Nehmen wir Mesut Özil . Den werden einige wegen seiner integrativen Wirkung als Deutschtürke in der Nationalmannschaft schätzen - nicht, weil er so toll Fußball spielt. Und die wenigsten wissen, dass Iris Berben sich für Israel engagiert - die meisten finden sie gut, weil sie auch noch mit 62 Jahren eine attraktive Schauspielerin ist. So verschenkt jeder Respekt aus unterschiedlichen Gründen. Umgekehrt bedeutet das aber auch: Niemand kann sich aussuchen, wofür er oder sie respektiert wird.

An Margot Käßmann erinnert man sich heute weniger wegen ihrer Arbeit als Landesbischöfin als ihres kompromisslosen Rücktritts, nachdem sie mit 1,5 Promille am Steuer ihres Dienstwagens erwischt wurde. Karl-Theodor zu Guttenberg wird vor allem wegen seines peinlichen Verhaltens gegen Ende seiner Karriere in Erinnerung bleiben, nicht für die Reform der Bundeswehr, die er angestoßen hat.

Manchmal entscheidet auch das Geschlecht darüber, wem wir welches Maß an Respekt entgegenbringen. Angela Merkel , Ursula von der Leyen und Friede Springer - ihnen wird auch dafür Respekt gezollt, dass sie sich in Männerdomänen wie Spitzenpolitik und Aufsichtsräten durchsetzen, und zwar über Jahrzehnte hinweg. Generell bekommen es Männer besser hin, ihre Leistungen ins rechte Licht zu rücken. "Sie präsentieren sich viel stärker nach außen als Frauen", sagt Van Quaquebeke, "und neigen dazu, tatsächliche, aber auch vermeintliche Leistungen deutlich für sich zu reklamieren." Letztlich gilt sowieso nur eine einzige Regel: Wer Achtung fordert, muss bei sich selbst anfangen. Es lohnt nicht, den schleichenden Verlust des Respekts zu beklagen, sich über Banker oder Politiker aufzuregen, wenn es beim eigenen Verhalten dem anderen gegenüber an Respekt mangelt. Wir müssen ja nicht gleich die großen Revolutionen anzetteln, die Schlagzeilen machen.

Auch für kleine Heldentaten wird man bewundert und respektiert - zumindest im Freundeskreis und in der Familie.

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