KrankheitenKeuchhusten: Nicht nur für Kinder gefährlich

keuchhusten
Bis zu 90 % im engeren Umfeld erkranken ebenfalls an Keuchhusten.
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Vermeintliche Kinderkrankheit

Der Husten will nicht weggehen? Vielleicht sind Sie an Keuchhusten erkrankt und wissen es nicht. 75 % der Erkrankten sind längst aus dem Kindesalter raus.

Die Erkältung scheint längst überstanden - der Schnupfen ist weg, das Fieber gesunken. Nur der quälende Husten bleibt wochenlang. Rund 110 000 Menschen haben sich im vergangenen Jahr in Deutschland mit Keuchhusten-Bakterien angesteckt - über 75 Prozent waren älter als 15 Jahre. "Die meisten Betroffenen wissen gar nicht, dass sie Keuchhusten haben", sagt Dr. Sigrid Ley-Köllstadt vom Deutschen Grünen Kreuz. "Häufig stecken sie dann andere an."

Keuchhusten trifft nicht nur Kinder

"Viele gehen davon aus, dass die hartnäckigen, bellenden Hustenanfälle nur Kinder treffen können", weiß Dr. Ley-Köllstadt. Und auch Ärzte erkennen eine Erkrankung bei Erwachsenen häufig nicht. "Das Tückische an Keuchhusten im Erwachsenenalter ist, dass die Krankheit oft ganz anders verläuft als bei Kindern. Denn bei Erwachsenen bleiben die typischen stakkatoartigen Hustenattacken mit Würgen und Erbrechen meist aus", erklärt die Expertin. "Stattdessen zeigt sich die sogenannte Pertussis eher als grippaler Infekt oder starke Erkältung mit lang anhaltendem, krampfartigem Husten."

Die Phasen der Erkrankung

Phase 1

Die Infektion wird durch Tröpfchen übertragen. Die Symptome sind ähnlich wie bei einem grippalen Infekt:

  • Leichter Husten
  • Schnupfen
  • Schwäche
  • Leichtes Fieber

Phase 2

Jetzt setzt der heftige Husten ein, der vier bis acht Wochen anhält. Die Symptome sind:

Hustenanfälle, die mit Sauerstoffmangel und einem pfeifende Geräusch beim Atmen einhergehen.

Phase 3

Die Hustenanfälle werden langsam schwächer, sie können aber noch zehn Wochen andauern.

Die Krankheit muss unbedingt rechtzeitig behandelt werden

"Wenn Sie eine Woche nach dem Abklingen der Erkältungssymptome immer noch husten, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen", rät Dr. Ley-Köllstadt. "Die meisten Betroffenen warten viel zu lange, bis sie sich untersuchen lassen", sagt die Expertin. Das ist gefährlich. Denn Keuchhusten lässt sich lediglich in der ersten Krankheitswoche effektiv behandeln. "Nur wenn früh genug eine Therapie mit Antibiotika begonnen wird, können die Beschwerden gemildert werden." Sonst kann der Erreger die Bronchialschleimhaut so stark schädigen, dass die den Husten auslösenden Nervenzellen darin quasi freiliegen - und deshalb auf jeden noch so kleinen Reiz reagieren. Der trockene, anfallartige Husten kann im schlimmsten Fall mehrere Wochen oder sogar Monate lang andauern.

Lungen- und Ohrenentzündungen können die Folge sein

Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt, drohen Folge-Erkrankungen, wie eine Mittelohr - oder Lungenentzündung. Auch gefährlich: Heftige Husten-Attacken können zu Rippenbrüchen oder Inkontinenz führen.

Der Husten ist hochansteckend

"Die ersten beiden Wochen der Erkrankung sind zugleich die Zeit der höchsten Übertragungsgefahr - meist ist die Krankheit dann aber noch gar nicht diagnostiziert", erklärt Dr. Ley-Köllstadt. "Bis zu 90 Prozent der Menschen im engeren Umfeld erkranken ebenfalls." Wenn Betroffene Antibiotika nehmen, sinkt die Ansteckungsgefahr innerhalb weniger Tage. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem: Etwa Diabetiker oder chronisch Lungenkranke. Sie infizieren sich schneller als andere.

Impfung ist der beste Schutz

Der sicherste Weg, einer Pertussis-Infektion vorzubeugen, ist eine Impfung. Wichtig: Der Impfschutz muss aufgefrischt werden, er bietet keinen lebenslangen Schutz. Besonders ältere Menschen meinen, sie können sich nicht mehr mit Keuchhusten infizieren - wurden sie doch im Kindes- oder Jugendalter dagegen geimpft. Aber die Wirkung hält nur bis zu zehn Jahre an, danach kann man sich erneut mit Keuchhusten infizieren. "Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt deshalb seit 2009 Erwachsenen, die Schutzimpfung gegen Pertussis alle zehn Jahre aufzufrischen", sagt Dr. Ley-Köllstadt. Das gilt übrigens auch für Menschen, die einmal an Keuchhusten erkrankt sind, erklärt die Ärztin: "Danach bleiben Betroffene etwa zehn Jahre immun. Aber dann kann die Krankheit wiederkommen. Eine Auffrischung des Schutzes ist also unbedingt ratsam." Die STIKO rät, sich auch vor Beginn einer Schwangerschaft impfen zu lassen. In allen Fällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Impfung.

So lindern Sie Beschwerden

Schonend husten: Ärzte empfehlen, bei einer Attacke die Hand auf den Mund zu drücken. Denn so bleibt beim Husten immer etwas Luft in den Bronchien. Andernfalls berühren sich die Bronchialwände - allein das sorgt für den nächsten Hustenreiz.

Luftzug vermeiden: Kalte Luft und Staub reizen die Hustenrezeptoren. Verzichten Sie daher auf Klimaanlagen und wischen Sie Staub nur feucht.

Viel trinken: Wasser löst festsitzendes Sekret und befeuchtet die Schleimhäute. Die Benetzung lindert den Hustenreiz. Tipp: Mindestens zwei Liter Wasser pro Tag trinken. Auch Hustenbonbons und Tees helfen.

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