Kita-Streik: Mutter verliert angeblich ihren Job

kitastreik wweib

Foto: iStock

Weil Sie auf ihr Kind aufpassen musste, verlor diese Mutter angeblich ihren Job

Der Kita-Streik geht unbefristet weiter. Sehr zu Lasten der arbeitenden Eltern, die ihre Kinder immer häufiger mit zur Arbeit nehmen oder sogar zu Hause bleiben müssen. Jetzt schockt diese Geschichte: Eine alleinerziehende Mutter aus München hatte angeblich wegen des Streiks ihren Arbeitsplatz verloren.

Aktualisierung vom 3. Juni 2015: Über die Gewerkschaft ver.di hatt e uns die Information von Kollegen der gekündigten Mutter erreicht, dass Nadine-Bianca Dihlmann initiativ ein Härtefallplatz für ihr Kind angeboten worden war. Sie habe dieses Angebot aber nicht angenommen. Die Kündigung ist also keine direkte Folge des Kita-Streiks gewesen, hieß es von ver.di. Nach Recherchen des "Münchner Merkur" findet die Betroffene diese Aussagen "unfair". Ihr sei von Erzieherinnen abgeraten worden, die Tochter in die Notbetreuung zu geben, sogar mehrfach. Gleichzeitig wies eine Ibis-Sprecherin zurück, dass die Kündigung im Zusammenhang mit dem Kita-Streik stehe. Weiter wolle man sich nicht zu der Personalangelegenheit äußern.

Nadine-Bianca Dihlmann weiß nicht mehr, was sie denken soll. Die alleinerziehende Mutter einer dreijährigen Tochter aus München erhielt am Dienstag per Post ihre Kündigung. Jetzt schrieb die 28-Jährige einen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt und berichtete ihm von ihrem Leid.

Für die gelernte Hotelfachfrau sei es äußerst schwer gewesen, nach der Elternzeit beruflich wieder Fuß zu fassen. Und das, obwohl sie ihre Ausbildung in einem 4-Sterne-Hotel absolvierte und anschließend 2 Jahre in einem 5-Sterne-Hotel in der Schweiz arbeitete. Das Problem: Die Arbeitszeiten! Denn gerade Nacht- und Wochenendschichten vertragen sich nicht besonders gut mit dem Elterndasein.

Im Januar fand Nadine-Bianca Dihlmann dann endlich eine Stelle in einer renommierten Hotelkette in Garching. Dort bekam sie nicht nur einen 39-Stunden-Vertrag, ihr wurden mündlich außerdem akzeptable Arbeitszeiten, in der Woche von 7.45 Uhr bis 16.15 Uhr, zugesichert.

Besser hätte es für die 28-Jährige nicht kommen können, denn so konnte sie ihre kleine Tochter von 7 bis 17 Uhr in eine städtische Kita bringen. „Das war so ein Lichtblick. Endlich konnte ich wieder für mein Kind aufkommen, ohne zum Amt zu rennen.“

Kita-Streik zwingt Mutter zu Hause zu bleiben

Doch kaum hatte sie ihre neue Stelle angetreten, kam Mitte März der erste Kita-Warnstreik. 2 weitere Warnstreiktage folgten und am 11. Mai begann der unbefristete Erzwingungsstreik. „Eigentlich habe ich Verständnis für die Erzieher, die ihre Arbeit besser entlohnt wissen möchten. Schließlich tragen sie die Verantwortung für das Wichtigste, was wir alle haben – unsere Kinder.“

Jetzt stand Nadine-Bianca Dihlmann erneut vor einem Problem: Wohin mit meinem Kind? Oma und Opa fielen als Ersatz aus, da sie selbst noch arbeiten. Da ihre 3-jährige Tochter noch als Krippenkind gilt, durfte sie auch nicht in die Notfallbetreuung. Und auch ein Babysitter kam nicht in Frage, da sich die alleinerziehende Mutter diesen nicht leisten kann.

Einzige Alternative: Die Mutter musste gezwungenermaßen zu Hause bleiben. Die ausgefallenen Arbeitstage holte sie am Wochenende nach, während eine Freundin auf ihre Tochter aufpasste.

Diesem Stress konnte die 28-Jährige jedoch nicht lange Stand halten. Als am 18. Mai die zweite Streikwoche begann, gab ihr Körper nach und sie musste mit Magenschmerzen und Kreislaufproblemen zum Arzt gehen. Einen Tag später lag ihre Kündigung im Briefkasten.

„Einen Grund haben sie nicht genannt.“ Dabei sei Ende April beim Schlussgespräch der Probezeit noch alles in Ordnung gewesen. Doch kurz darauf habe ihre Chefin angefangen, an ihren Arbeitszeiten herumzumäkeln. „Die denken, ich mache blau, dabei bin ich wirklich krank.“

Ihr Brief an den Oberbürgermeister ist ein Hilfeschrei, denn all ihr Verständnis ist jetzt der Verzweiflung gewichen. Die alleinerziehende Mutter weiß nicht, wie es weitergehen soll. „Finden Sie es denn fair, dass andere für diesen Streik ihre Existenz verlieren?“

Gern würde Nadine-Bianca Dihlmann noch einmal mit ihrem Arbeitgeber sprechen und wieder im Hotel anfangen, aber wo soll sie in der Zwischenzeit ihr Kind unterbringen?

Auch andere Eltern machen sich mittlerweile Sorgen, ihnen könnte das Gleiche passieren. Auf Facebook lassen sie ihrer Wut in Kommentaren freien Lauf. Und wer kann es ihnen schon verdenken?

Zwischenstand zum Kita-Streik:

Da es nach fast 3 Wochen immer noch keine Annäherung zwischen ver.di und der Vereinigung kommunaler Arbeitgeber (VKA) gibt, kommt es heute in Frankfurt/ Main und in Hamburg zu erneuten Demonstrationen. In Frankfurt/Main wollen 15.000 Erzieher und Sozialarbeiter auf die Straße gehen, in Hamburg etwa 10.000.

Quellen: www.merkur.de und www.zeit.de

Kategorien: