Klare Sicht für Verliebte

klare sicht fuer verliebte

Psychologie

Die Liebe. Steckenpferd von Dichtern und Denkern, beliebtes Thema in Literatur und Wissenschaft. Weil sie so faszinierend und wunderbar ist, aber manchmal ihre eigenen Wege geht und deshalb so schwer zu ergründen scheint. Die Regeln der Liebe zu verstehen, hat eine bedeutende Relevanz für unser Dasein. Denn nur so schaffen wir uns die Basis für eine funktionierende Beziehung. Aber eben weil intime Zwischenmenschlichkeit ein so komplexes Konstrukt ist, das allem voran auf den drei Säulen Vertrauen, Ehrlichkeit und Kommunikation aufbaut, kursieren hier zahlreiche Weisheiten und Meinungen, die nur noch mehr Verwirrung stiften. Mythen, die uns oberschlaue Ratgeber und so manche Zeitschrift regelmäßig auftischen, die glaubhaft klingen, aber am Ende des Tages schlicht falsch sind.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Da wäre zum Beispiel die Empfehlung, vor einer Eheschließung den Partner auf Herz und Nieren zu prüfen. Zusammen ziehen also. Klar, so kommen Sie seinen Macken erst richtig auf die Spur, lernen ihn in Situationen kennen, die seine Schattenseiten zu Tage fördern. Vielleicht nervt Sie schon bald sein Anblick in Pantoffeln und Jogginghose oder seine Eigenschaft, den Feierabend am liebsten in Gesellschaft von Bier, Chips und Fußball zu verbringen, während Sie das Dienstmädchen spielen.

Selbst wenn das Zusammenleben wunderbar funktioniert, Sie gemeinsam mit Ihrem Partner eine Basis gefunden haben, auf der Sie zu harmonieren scheinen, lauern doch nicht zu unterschätzende Tücken. Zu große Nähe zum Beispiel, die einlullt und Gespräche über mögliche Perspektiven des Einzelnen und der Partnerschaft im daily terror schleichend versanden lässt. Vielleicht erhofft sich der eine aus der Beziehung den Bund fürs Leben, während für den anderen das gemeinsame Nest in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen resultiert.Zusammenleben bedeutet auch, nicht eindeutig Ja oder Nein sagen zu müssen, die verbindliche Entscheidung für den Partner mit all seinen Schwächen unendlich lange hinauszögern zu können. Wenn am Ende dann doch eine Heirat steht, ist zumindest rein statistisch eine Scheidung wahrscheinlicher, als bei Paaren, die vorher nicht zusammen gelebt haben.

Die Ehe ändert einiges

Wussten Sie außerdem, dass sich Liebende, die WG-artig zusammenleben, weniger großzügig verhalten als Eheleute? Auch das könnte nach einer Heirat zu Problemen führen, falls für den einen eine gemeinsame Haushaltskasse selbstverständlich ist, der andere weiterhin auf strikte Trennung der Finanzen pocht.Zu guter Letzt sollte man sich ernsthaft fragen, ob es überhaupt möglich ist, mittels Probewohnen herauszufinden, wie sich der Partner später in einer Ehe verhält. Denn um einen Menschen durch und durch kennenzulernen, bedarf es vieler Jahre, vielleicht gelingt es nie vollständig. Tatsache ist, dass der Bund fürs Leben eine Änderung der Verhaltensmuster mit sich bringt. Zum einen bedeutet die Ehe in jedem Fall eine größere Verpflichtung, wobei eine lebenslange Garantie wohl niemals möglich und auch wenig sinnvoll ist. Es gibt jede Menge Paare, die vor dem Ja-Wort glücklich zusammenleben, nach der Heirat jedoch erschreckend schnell den Scheidungsrichter aufsuchen. Die Erklärung dafür ist ganz einfach. Durch eine Ehe werden die in der Kindheit gelernten Muster vom Rollenverhalten des Ehemanns bzw. der Ehefrau aktiviert. Heißt, man verhält sich in der Ehe instinktiv so, wie es einem die Eltern einst vorgelebt haben.

Darauf kommt es an

Wichtig für eine funktionierende Partnerschaft ist zuallererst das Erlernen von Beziehungs-Know-How, die Entwicklung von Kommunikationsfähigkeit und einer gesunden Streitkultur. Nur so funktioniert eine Partnerschaft, ganz gleich ob unter einem Dach oder in getrennten Wohnungen, ob mit oder ohne Trauschein.