Klostermedizin - Heilen wie Hildegard von Bingen

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Hildegard von Bingen hat damals schon Großes für die Medizin geleistet.
Foto: Imago/ ARCO IMAGES

Klostermedizin ist heute aktueller denn je

Klöster waren für die Menschen des Mittelalters nicht nur ein Ort der religiösen Besinnung und der Einkehr. Meist waren sie auch die einzige Hoffnung auf medizinische Versorgung. Denn hinter den Klostermauern wurde das antike medizinische Wissen der alten Griechen, Römer und Araber bewahrt.

Heute wird diese Klostermedizin wiederentdeckt. Trotz moderner Medizin stehen alternative und sanfte, natürliche Heilverfahren hoch im Kurs. So hat zum Beispiel die Universität Würzburg eine Forschergruppe Klostermedizin gegründet. Die Wissenschaftler wollen die Grundlagenforschung zu medizinisch wirksamen Pflanzenstoffen wieder voranbringen.

Bei dieser Arbeit kommen sie an einer Frau nicht vorbei: Hildegard von Bingen. Erst vor Kurzem hat der Papst die Nonne aus dem 12. Jahrhundert mit einer der größten Ehrungen der katholischen Kirche gewürdigt. Er erhob Sie in den Rang einer „Kirchenlehrerin".

Doch neben ihrer Bedeutung für den Glauben hat Hildegard von Bingen auch Großes für die Medizin geleistet. Sie trug das Wissen ihrer Zeit über die Entstehung und Behandlung von Krankheiten zusammen. Hildegard von Bingen stellte als eine der Ersten Regeln für das auf, was wir heute „ganzheitliche Medizin“ nennen.

Bei der Behandlung von Krankheiten setzte sie auf ausgewogene Ernährung, die Wirkung von Heilpflanzen sowie auf Schröpfen, Fasten und Schwitzbäder. Vieles davon finden wir heute noch – oder inzwischen wieder – in der Medizin.

So bezeichnete Hildegard von Bingen Dinkel als „das beste Getreide“, er mache „frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen“. Obwohl die Nonne nichts von Vitaminen und Proteinen wissen konnte, geben ihr Ernährungsexperten heute recht: Dinkel ist das beste Getreide.

Er enthält die meisten Vitamine und Eiweiße, seine Ballaststoffe sättigen lange und regulieren die Verdauung. Und die Mineralstoffe in den Körnern helfen beim Aufbau von gesunden Nerven- und Gehirnzellen. Gut, dass es heute in jedem Reformhaus und gut sortierten Supermarkt Brot, Nudeln, Kekse und Müsli mit Dinkel gibt. Probieren Sie es doch mal aus.

Hildegard von Bingen hat uns aber noch viel mehr hinterlassen. Ihre Beschreibung von Heilpflanzen ist heute die Grundlage vieler Arznei- und Heilmittel. Über die Melisse etwa sagte die Nonne, dass sie die Kraft von 15 Kräutern in sich trage und das Herz glücklich mache. Bis heute ist Melissengeist (z. B. von Klosterfrau) ein bewährtes Mittel bei Erkältungen, Einschlafstörungen und nervösen Magen-Darm-Beschwerden oder bei Herz-Kreislauf-Schwäche.

Äußerlich wird er gern bei Muskelverspannungen angewendet. Die mittelalterliche Expertin erkannte auch schon früh die vitalisierende Wirkung pflanzlicher Bitterstoffe. Heute wird dieses Wissen genutzt, um etwa mit Artischocken oder Distel-Extrakten die Verdauung anzuregen. Entsprechende Mittel gibt es in der Apotheke.

Noch vieles gilt es aus Hildegard von Bingen Schatz der Klostermedizin wiederzuentdecken: die mit dem Ingwer verwandte Wurzel Galgant etwa oder die aus Südeuropa stammende Pflanze Ysop. Auch sie standen schon auf der Medikamenten-Liste der heilkundigen Nonne.

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