Kneipp - altes Heilwissen ganz modern

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Der berühmte Wasserdoktor Kneipp verordnete schon vor 125 Jahren Bewegung, gesunde Ernährung und Entspannung.
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Kneipp Therapie

Haben Sie auch schon von Dr. Kneipp gehört? Was es mit dem berühmten Pfarrer auf sich hat und wie Sie sich vor einer herbstlichen Erkältung schützen können.

Es gibt ein uraltes, vergilbtes Foto von Pfarrer Kneipp, da sitzt er auf einem Stuhl im Schnee - barfuß. Wahrscheinlich war er kurz zuvor mal wieder ein paar Runden durchs eiskalte Gras gestapft, nichts half seiner Meinung nach besser gegen Leistungstiefs und schlechte Laune. Im heutigen Bad Wörishofen, wo der Wasserdoktor im 19. Jahrhundert mehr als 40 Jahre wirkte, gibt es im Kurpark einen Barfußpfad: Wer die 1,6 Kilometer lange Strecke über Stock und Stein (und durch knietiefe Schlammlöcher) ohne Schummeln bewältigt, ahnt, was Kneipp gemeint hat. Das Brennen in den Fußsohlen wirkt bis in die Haarspitzen, man ist durch und durch warm, hellwach und sehr zufrieden. Wo immer es vorher geziept hat, jetzt ist es weg.

Kalte Güsse und Freiluft-Tretbecken - das kennt wahrscheinlich jeder von Pfarrer Kneipp. Doch nur die wenigsten dürften wissen, dass der weise Gottesmann seiner Zeit weit voraus war. Er behandelte schon vor 125 Jahren nie allein die Symptome, sondern nahm immer den ganzen Menschen in den Blick und verordnete seinen Patienten stets auch eine gesunde Lebensweise. Viel Bewegung, ausreichend Entspannung sowie naturbelassene Ernährung gehörten dazu - was Sebastian Kneipp damals seine "Säulen der Gesundheit" nannte, ist heute sozusagen der letzte Schrei der modernen Medizin und gilt als beste Vorsorge für ein hohes Alter.

Kneipps "Lebensordnung" passt in unsere Stresszeit

Viele Rezepte der altbewährten und hochaktuellen Heilmethode lassen sich im Alltag leicht umsetzen. Die erste wichtige Regel lautet: Abhärtung. Durch die Kneipp'schen Kaltwassergüsse bekommt der Körper einen kräftigen Reiz, der seine Selbstheilungskräfte anregt und das Immunsystem stärkt. Das ist nicht nur eine prima Vorbeugung, sondern hilft auch akut gegen Beschwerden aller Art - von Migräne bis Rheuma. Denn durch die Kälte kommt der Stoffwechsel auf Trab, und Schmerzen werden weggeschwemmt.

Zweite Regel: bei der Ernährung Maß halten. Essen soll Spaß machen, aber kein Übergewicht. Verbote gibt es beiKneippnicht, je frischer und weniger verarbeitet die Lebensmittel, desto gesünder.

Dritte Regel: täglich ausreichend Bewegung. Es muss kein ausgewiesener Sport sein; alles, was den Kreislauf in Schwung bringt, zählt.

Die vierte Regel, die Kneipp "Lebensordnung" nannte, ist geradezu gemacht für unsere Stresszeit. Es geht um die innere Balance, um ausreichend Schlaf, Abschaltenkönnen und Erholung, die Reduzierung von Überforderung und Aufregung. Das ist im 21. Jahrhundert am schwersten umzusetzen. Pfarrer Kneipp hätte wahrscheinlich ausgedehnte Handy- und Computerpausen verordnet und Stress-Patienten erst mal ohne Schuhe und Strümpfe auf eine feuchte Wiese geschickt.

Für zu Hause: Kalte Erfrischung von Pfarrer Kneipp

Für Wasseranwendungen braucht man nur einen Schlauch - einfach den Duschkopf abschrauben. Der Gesichtsguss hilft bei geistiger und körperlicher Ermüdung, bei Spannungskopfschmerzen und Migräne: An der rechten Schläfe beginnen und das Gesicht dreimal umkreisen, dann dreimal in Längsstrichen.

Der Knieguss hilft gegen Arthrose-Schmerzen, Krampfadern und senkt erhöhten Blutdruck. Den Strahl vom kleinen Zeh ganz langsam außen bis übers Knie führen, dort eine Weile kreisen und über die Kniekehle an der Innenseite wieder nach unten wandern. Bein wechseln. Danach Wasser nur abstreifen und dicke Socken anziehen.

Der kalte Schenkelguss hilft bei Einschlafstörungen, Nervosität und Überlastung. Vom Fuß den Schlauch langsam nach hinten und weiter nach oben bis zum Po führen. Einige Sekunden verweilen und wieder hinunterwandern. Ohne Unterbrechung zum anderen Fuß wechseln. Anschließend die Vorderseiten der Beine von unten nach oben und zurück begießen. Warm anziehen und 30 Minuten ruhen.

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