Knochenschwund lässt sich stoppen!

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Knochenschwund bleibt oft lange Zeit unbekannt.
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Osteoporose

Osteoporose trifft längst nicht nur alte Menschen. Jede dritte Frau über 50 muss damit rechnen. Das Tückische: Die Krankheit bleibt häufig lange Zeit unbemerkt.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten im Keller eine schwere Kiste anheben. Wie immer soll es schnell gehen, wie immer denken Sie nicht an Ihren Rücken - und schon ist es passiert: Ein scharfer Schmerz schießt Ihnen ins Kreuz und legt Sie für Tage lahm. Ein ganz gewöhnlicher Hexenschuss, denken Sie? Womöglich steckt Osteoporose dahinter: Bei Knochenschwund kann schon eine falsche Bewegung zu Wirbelbrüchen führen. Das tut so höllisch weh wie Hexenschuss, ist aber viel schlimmer. Wird die Fraktur nicht behandelt, kommt es zu chronischen Schmerzen, Rückgratverkrümmung und Atemproblemen.

Häufig ist unser Lebensstil schuld

Eine Krankheit, die still und leise zuschlägt und lange Zeit unbemerkt bleibt: Osteoporose wird von Medizinern auch der schleichende Knochendieb genannt. Früher glaubte man, nur Greise seien davon betroffen, doch mittlerweile weiß man, dass der Knochenschwund schon sehr viel früher einsetzt. Häufig wird er erst erkannt, wenn er in höherem Alter Probleme macht. Experten gehen deshalb davon aus, dass es bei Osteoporose eine hohe Dunkelziffer gibt. Offiziell sind hierzulande rund sieben Millionen Menschen betroffen, davon 80 Prozent Frauen. Unsere Knochendichte hängt maßgeblich mit den Hormonen zusammen: Wenn mit den Wechseljahren der Östrogenspiegel sinkt, nimmt sie rapide ab. Mit 70 haben Frauen durchschnittlich 40 Prozent ihrer Knochenmasse verloren, bei Männern sind es nur 12 Prozent.

Zum Verständnis: Das ist der normale Alterungsprozess. Bei Osteoporose schwinden die Knochen noch schneller und werden so porös, dass es zu Brüchen und Verwachsungen kommt. Die wichtigsten Ursachen: ein ungesunder Lebensstil - vor allem Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung - und Vererbung. Auch starkes Untergewicht, rigorose Diäten, Extremsport und Ess-Störungen können zu Osteoporose führen. Nur in wenigen Fällen sind Medikamente wie etwa Kortison oder bestimmte Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion, Morbus Crohn oder der Diabetes dafür verantwortlich.

Gegen familiäre Vorbelastung lässt sich nichts machen, doch unseren Lebensstil haben wir selbst in der Hand.

Wir können unsere Knochen gezielt stärken und damit Osteoporose vorbeugen: vor allem mit gesunder Ernährung. Viel Kalzium heißt die Devise, 1000 bis 1500 Milligramm am Tag sollten es sein.

Der Mineralstoff steckt in Milchprodukten, Mineralwasser , Käse, grünem Gemüse und Obst . Einschränken sollten Sie dagegen Zucker, Phosphate (z. B. in Fleisch und Wurst, allen Fertiggerichten und Softdrinks) und Fett: Je mehr wir davon essen, desto schlechter kann unser Körper Kalzium verwerten.

Enorm wichtig für die Knochengesundheit ist auch Vitamin D , das sich nur schwer über die Nahrung zuführen lässt. Es ist in geringen Mengen in fettem Fisch enthalten, doch den größten Teil muss unser Organismus durch Sonnenbestrahlung selbst produzieren. Deshalb haben viele Menschen vor allem im Winter zu wenig Vitamin D im Blut. Nahrungsergänzungsmittel (z. B. "Vigantoletten", rezeptfrei, Apotheke) können den Speicher wieder auffüllen.

Zweite zentrale Maßnahme zur Vorbeugung von Knochenschwund ist Sport: Wie unsere Muskeln brauchen auch die Knochen regelmäßige Bewegung, damit der Stoffwechsel in Schwung kommt und alle Zellen mit ausreichend Nährstoffen versorgt. Minimum sind täglich 30 Minuten Spazierengehen oder Radeln, ideal sind mehrere flotte Trainingseinheiten pro Woche, etwa Joggen, Walking oder Tanzen.

Und wenn die Knochendichte trotzdem rapide abnimmt? Keine Panik, Knochenschwund lässt sich gut behandeln. In leichten Fällen wird zunächst versucht, den Knochenabbau mit Tabletten, den sogenannten Bisphosphonaten, zu stoppen. Ein Wirkstoff namens Strontiumranelat, täglich als Pulver eingenommen, soll die Knochen wieder festigen. Seit Kurzem ist auch ein Antikörper im Einsatz, die derzeit modernste Form von Medikamenten: Er legt denjenigen Botenstoff im Organismus lahm, der den Knochenabbau steuert. Dieser Antikörper, auch Rank-Ligand-Inhibitor genannt, muss nur zweimal im Jahr unter die Haut gespritzt werden.

Gut zu wissen

Ob Osteoporose vorliegt, lässt sich nur über eine Knochendichte-Messung klären. Die zuverlässigsten Testergebnisse liefert die Zwei-Spektren-Röntgenabsorptiometrie (DXA), die den Kalkgehalt in Lendenwirbel oder Schenkelhals bei sehr geringer Strahlung misst. Diese Untersuchung wird Frauen ab 45 empfohlen, wenn eine der folgende Bedingungen zutrifft: sie einen Knochenbruch erleiden, ihre Eltern oder Großeltern Oberschenkelhalsbrüche hatten, ihr Body-Mass-Index kleiner als 20 ist. Ab 70 sollte sich jede Frau röntgen lassen.

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