Können Männer und Frauen "nur" befreundet sein?

mangelsdorf gold

1. Teil: Frauen-Kolumne

Jeden Montag diskutieren die beiden Frauen ein neues Problem rund um Herzensangelegenheiten: Cornelia Mangelsdorf (43) Chefredakteurin der "WOCHE HEUTE", und Clara Ott (29), Online-Redakteurin WUNDERWEIB.

Wie befreundet können Männer und Frauen sein? Ich kenne einige Männer. Tolle Männer. Ja, viele davon sind eigentlich ganz wunderbare Wesen. Aber ich will nichts von ihnen - außer Freundschaft. (Was sehr wertvoll ist, wertoller, als so manche Küsse). Was ich mich jedoch oft frage: Woran merke ich eigentlich, wann ein Mann sich rein platonisch mit mir auf einen Kaffee trifft? Und wann überschreitet man freundschaftliche Nähe und erhält Komplimente, die auch als Flirt gelten könnten?

Und darf ich es geflissentlich ignorieren, wenn ich spüre, dass er sich mit mir trifft und mehr erhofft als eine freundschaftliche Umarmung zum Abschied? Meine Taktik lautete bisher, dass ich meinem Freund-Freund von anderen Männern berichte. Ihn um Rat frage. Und ihn so emotional von mir fern halte. Ja, ich weiß, das ist gemein. Oder ist das schon taktlos und egoistisch von mir? Und wieso eigentlich können Frauen und Männer offenbar nie wirklich "nur" befreundet sein, ohne, dass irgendwann einer die Frage in den Raum wirft: "Wieso sind wir eigentlich nicht zusammen?" Oder sich einer fragt, ob der andere mehr will.

Oder ich plötzlich mehr von ihm will...?

Clara

Liebe Clara,

Frauen, die sich mit Männerfreundschaften schmücken können, haben Glück: Denn diese sind so rar und so kostbar wie Wasser in der Wüste. Mein Freund, mein guter Freund – ist ein Mann. Wie herrlich! Bei mir hat diese Kombi recht lang funktioniert – bis der Mann meines Herzens mich anflog – und seine alleinigen Besitzansprüche anmeldete.

Seitdem kommt kein Kerl mehr so einfach in meine Nähe (und sei seine Absicht auch noch so platonisch!). Auf einmal wurde es schwierig, mit Matthias / Clemens / Benno auch nur “kumpelig” befreundet zu sein. Ach, war das schön mit meinen Jungs: Mit Matthias habe ich lange Singlejahre gemeistert – redend auf der Couch, feiernd auf Konzerten, lachend und weinend an seinem Küchentisch. Clemens, der alte Schöngeist, kam zum Kochen (besser gesagt: zum Essen). Und Benno? Upps – der blieb nicht lang ein platonischer Freund. Er kam mir näher als gedacht. Schön wars! Um mit Edith Piaf zu sprechen: Ich bereue nichts.

Männer sind wunderbare Frauenfreunde.

Und tun so was von gut! Weil sie auch bei sensiblen Fragen garantiert liebe Antworten geben (“klar hast du etwas zugelegt – aber nur an den richtigen Stellen”).

Bleiben wir also bitte unbeschwert – und offen für die Kumpelkerle. Männerfreundschaften sollte man hegen und pflegen (und das sage ich heute abend gleich dem Mann meines Herzens).

Ein Freund, ein guter Freund: Gibt’s was Besseres als den großen Bruder aus der Wahlverwandtschaft?

Im Übrigen: Auch meine Freundinnen haben was von meinen Männerfreunden. Ulla zum Beispiel: Als ich mich fest verbandelte, hatte mein Freund Matthias plötzlich zwei Arme frei. Die habe ich dann mit Ulla verkuppelt.

Cornelia

Liebe Cornelia,

Männerfreundschaften soll man also hegen und pflegen, anstatt Sie auf Herz und sexuelle Emotionen zu prüfen? Alles klar. Ich werde künftig die Freundschaften zwischen meinen männlichen Freunden und mir akzeptieren. Und wenn ich merke, dass ER mehr von MIR will, als ich zu geben bereit bin: Ehrlich sein. Grenzen aufzeigen.

Obwohl es zugegebenermaßen manchmal schwer zu begreifen ist, dass ER, der humorvolle, smarte, lebensfrohe, kreative und ehrliche Freund mit mir "nur" einen Milchkaffee trinken will. Und nicht mit mir Frühstücken, am nächsten Morgen.

Am schwierigsten an platonischen Beziehungen ist vermutlich: Der Mut zu Ehrlichkeit. Klar zu sagen, dass nichts gehen wird. Es geht nicht um Liebe. Oder um Sex. Es geht um etwas, was durchaus sehr viel mehr wert sein kann. Mehr wert ist! Vertrauen! Geborgenheit! Eine amüsante Zeit miteinander. Um Nähe - ohne Sex. Und da Ehrlichkeit zwischen Freunden eine Selbstverständlichkeit sein sollte, eigentlich viel, viel einfacher, als jemandem ein Liebesgeständnis zu machen...

Clara

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