Körperhaltung: Wecken Sie Ihr Körperglück

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Wie häufig wir im Alltag eine Körperhaltung einnehmen, die unsere Stimmung negativ oder positiv beeinflusst, ist uns nicht bewusst.
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Bewegungen beeinflussen die Stimmung

Wissenschaftliche Studien zeigen, wie sehr wir unseren Gemütszustand mit Bewegungen, Mimik und Gestik beeinflussen können. Der Name dieses Phänomens lautet Embodiment (dt.: "Verkörperung"). Dahinter steht ein recht junges Forschungsfeld der Psychologie , das die Wechselwirkungen von Körper und Psyche untersucht. Vereinfacht kann man Embodiment so erklären: Wer traurig ist, lässt die Schultern hängen. Aber es macht auch traurig, die Schultern hängen zu lassen. Laut Prof. Dr. Wolfgang Tschacher von der Universität Bern könnte man auch sagen: Der Körper ist nicht nur Spiegel der Seele, sondern die Seele ist auch Spiegel des Körpers.

Wer sich gerade hält, geht leichter durch den Tag

Wie häufig wir im Alltag eine Körperhaltung einnehmen, die unsere Laune verschlechtert, ist uns oft gar nicht bewusst. Stellen Sie sich zum Beispiel einen Morgen in Bus oder Bahn vor: Einige Menschen unterhalten sich, manche dösen, die meisten aber tippen auf ihrem Handy herum. Und das ist die sicherste Methode, um schon morgens gute Stimmung einzubüßen, warnen Forscher der Universität Amsterdam. Denn wer etwa eine Nachricht mit seinem Handy schreibt, sitzt typischerweise mit gebeugtem Rücken, gesenktem Kopf, mit leicht verkniffenem Blick und zusammengezogenen Augenbrauen da. Eine Haltung und Mimik, die für Trauer, Mutlosigkeit und Ärger steht - und somit genau diesen Gefühlen den Weg ebnet. Wahrscheinliche Folge am Ende der Bus- oder Bahnfahrt: Man ist schneller genervt - etwa vom Regen, anstatt sich zu freuen, dass man den Schirm eingepackt hat.

"Das Körpergeschehen verursacht in diesem Fall das psychische Erleben", weiß Psychologin Dr. Maja Storch von der Universität Zürich, die sich seit vielen Jahren mit den praktischen Auswirkungen des Embodiments beschäftigt und gemeinsam mit Benita Cantieni, Prof. Dr. Gerald Hüther und Prof. Dr. Wolfgang Tschacher das Buch "Embodiment" geschrieben hat.

Warum ein Bleistift fröhlich machen kann

Umgekehrt kann man sich durch bestimmte Körperhaltungen auch in eine positive Stimmungsspirale versetzen. So erscheint die Welt gleich heiterer, wenn man lächelt - selbst wenn dieses Lächeln unecht ist und nur durch das Halten eines Stiftes mit den Zähnen entsteht. Allerdings könne man nicht alle negativen Gefühle sofort ausschalten, indem man sich einen Stift zwischen die Zähne klemmt. "Das wäre zu simpel gedacht", verdeutlicht Dr. Storch.

Ob positiv oder negativ - Emotionen, die einen triftigen Grund haben, sind nicht so einfach zu überrennen. Um bei dem Handy-Beispiel zu bleiben: Wer gerade glücklich verliebt ist und zärtliche SMS austauscht, den holt auch der gebeugte Kopf nicht so schnell von Wolke sieben herunter. Doch aus einer unnötig schlechten Laune herauszufinden ist gar nicht so schwer.

Gefühle und Bewegungen sind im Gehirn verknüpft

Denn im Gehirn sind die entsprechenden Körperhaltungen und Gesichtsausdrücke, etwa für die Emotion "heitere Gelassenheit", bereits verankert, so Hirnforscher Dr. Hüther. Wenn Sie sich heiter und gelassen fühlen möchten, können Sie also z. B. locker stehen, zurückgelehnt sitzen, mit schwingenden Armen gehen.

Probieren Sie aus, was zu Ihnen passt - es gilt, die Gehirnmuster zu aktivieren, die für Sie persönlich zu dem Gefühl "heiter und gelassen" gehören. Je besser Ihnen das gelingt, desto schneller und tiefgreifender kann sich Ihre Stimmung in die gewünschte Richtung ändern.

Gesten verbessern das Gedächtnis

Bewegungen können außerdem unser Gehirn unterstützen. So gestikulieren wir beim Reden nicht nur, um uns beim Gegenüber verständlicher zu machen, sondern auch, um besser denken zu können. Das beweist die Tatsache, dass selbst blind geborene Menschen das tun. Auch dem Gedächtnis scheinen Gesten auf die Sprünge zu helfen, wie Forscher der Universität von Chicago herausfanden: Wer gestikuliert, entlastet sein Arbeitsgedächtnis, lernt leichter.

Positive Emotionen gezielt aktivieren

Dass es tatsächlich so etwas wie Körperglück gibt, weiß die Schweizerin Benita Cantieni ( www.cantienica.com ). Sie hat Übungen entwickelt, die den Körper aufrichten und helfen, die Bindung zwischen Körper und Psyche zu verstehen - und zu nutzen. Die effektivsten Übungen haben wir für Sie zusammengestellt. Suchen Sie sich die aus, die am besten in Ihren Alltag passen, und machen Sie diese so oft wie möglich.

Übungen für die gute Stimmung

1. Rücken strecken kräftigt das Ego

SO GEHT'S

Mit leicht nach außen gerichteten Fußspitzen in einen Türrahmen oder rücklings vor eine Säule stellen. Mit beiden Händen nach hinten Türrahmen bzw. Säule fassen. Bauchdecke Richtung Wirbelsäule ziehen, das Becken aufrichten. Oberkörper vorsichtig nach vorn fallen lassen, bis die Arme gestreckt sind. 40 Sekunden halten, 5-mal.

DAS BRINGT'S

Streckt die Wirbelsäule, aktiviert gut 200 Rückenmuskeln. Das gibt das Gefühl, im Körper zu Hause zu sein. Macht selbstbewusst.

2. Aufrichten gibt Zuversicht

Besonders Frauen gehen häufig mit einer eher unsicheren inneren Haltung durchs Leben. Das zeigt sich auch körperlich: Das Gewicht wird auf ein Bein verlagert, die Hüfte steht schief, die Schultern sind leicht hochgezogen. Höchste Zeit, sich aufzurichten!

SO GEHT'S

Füße hüftbreit auseinander, Zehen leicht nach außen. Die Knie sind nicht durchgedrückt, die Kniescheiben zeigen geradeaus. Den Beckenboden aktivieren, indem Sie den Bauch anspannen, die Bauchdecke sanft in Richtung Wirbelsäule ziehen. Das Becken aufrichten, indem Sie es leicht zum Nabel führen.

DAS BRINGT'S

Bauch- und Rückenmuskeln werden miteinander vernetzt. Das Zusammenziehen der unteren Beckenöffnung aktiviert die Hüftmuskulatur. Sie stehen aufgerichtet, wirken und fühlen sich größer. Sie vertrauen auf Ihre Fähigkeiten, gehen zuversichtlicher durch den Alltag.

3. Kinn hoch macht gelassen

SO GEHT'S

Aufrecht hinsetzen. Die Schultern sind entspannt. Jetzt den "Kronenpunkt", die höchste Stelle des Scheitels, zur Decke dehnen - so als würde ein unsichtbares Band Sie gen Himmel ziehen. Scham- und Steißbein hingegen zur Erde hin ausrichten. Das Kinn bildet mit dem Hals einen 90-Grad-Winkel. Den Mund nicht ganz schließen, die Zungenwurzel an den Gaumen legen. Nun stellen Sie sich vor, dass Sie rechts am Kinn einatmen und an der Schläfe links oben wieder aus. Danach atmen Sie links am Kinn ein und an der rechten Stirnseite aus. Die Übung 3-mal wiederholen.

DAS BRINGT'S

Die Schädelmuskulatur vernetzt sich. Es entsteht ein angenehmes Gefühl, als würde der Kopf schweben. Das fördert die innere Balance.

4. Ein Bleistift bringt Glück

SO GEHT'S

Mit den vorderen Zähnen locker auf einen Stift beißen. Automatisch verziehen sich die Lippen zu einem Lächeln. Für etwa eine Minute in der Position bleiben, ohne zu verkrampfen. Kinn und Hals entspannt und aufrecht halten.

DAS BRINGT'S

Diese einfache Übung aktiviert den Lachmuskel "Musculus zygomaticus major". Er sendet über Nervenbahnen die Alles-ist-gut-Botschaft an das Gehirn. Die Folge: Die Stimmung steigt tatsächlich.

5. Luft schaffen für gute Gedanken

SO GEHT'S

Blasen Sie zwei Luftballons etwa mittelgroß auf. Nehmen Sie einen in jede Hand. Jetzt die Arme so anwinkeln, dass die Ellenbogen nach unten und die Hände nach oben zeigen. Führen Sie den Ballon in der rechten Hand mit einer geschmeidigen Bewegung zur rechten Schulter. Danach den Ballon in der linken Hand auf die gleiche Weise zur linken Schulter bewegen. Immer im Wechsel, je Arm 10-mal.

DAS BRINGT'S

Die Übung öffnet den Brustkorb, dehnt Brust- und Schlüsselbein. So entsteht mehr Platz zum tiefen, befreiten Atmen. Das schafft neuen Raum für gute Emotionen und Gedanken.

6. Innere Lockerung schenkt Charisma

SO GEHT'S

Legen Sie den Kopf (nicht den Nacken!) auf einen aufgeblasenen Luftballon. Stellen Sie sich vor, eine unsichtbare sanfte Kraft zieht gleichzeitig an Ihrem Schädeldach und an Ihrem Scham- und Steißbein, streckt so den ganzen Körper. In Gedanken atmen Sie an der Kinnspitze ein und bei den Kiefergelenken wieder aus. 3-mal. Dann atmen Sie am "Amorbogen" (Punkt zwischen Lippenherz und Nasenspitze) ein, an den Schläfen aus. 3-mal. Zum Schluss 3-mal über der Nasenwurzel (das "dritte Auge") ein- und an den Schläfen ausatmen.

DAS BRINGT'S

Der Hals wird sanft gedehnt, die Gesichtsmuskeln entspannen. Das sorgt für eine tolle Ausstrahlung.

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