Kolumne: Eltern als Speicherchips?

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"Papa, kannst du mich daran erinnern, dass ..."
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Nein, Eltern sind auch nur Menschen.

Heutzutage muss sich ja kaum noch jemand etwas selber merken. Geburtstage und Zahnarzttermine stehen im Organizer. Der Computer speichert Daten und Fakten. Den Rest muss das Internet im Kopf behalten. Oder die Eltern.

Weil Kinder selbstverständlich die modernen Erinnerungsspeicher nutzen, denken sie, die ganze Welt sei so beschaffen. Ich glaube, sie halten Eltern für eine Art Speicherchip auf zwei Beinen, mit dem man auch kuscheln kann.

"Papa, kannst du mich daran erinnern, dass ..." beginnen sie ihre Aufträge.

Turnbeutel mitnehmen, Leihbuch zurückgeben, Ü−Ei einkaufen, rechtzeitig zur Verabredung gehen, Rechenaufgaben machen, Fahrrad aufpumpen und was sie sonst so umtreibt.

Nun könnte man meinen, dass im Elterngedächtnis genug Platz für kleine Merkaufgaben ist, weil der Computer auch ihnen genug abnimmt. Nur sind es bei drei Kindern, zwei Berufsleben und dem ganzen Rest des Alltags eine Menge Dinge, die man im Sinn behalten muss. Da kommt schon einmal etwas durcheinander.

Dann liegt im Turnbeutel das Leihbuch, das wir seit Wochen suchen und das ein Vielfaches seines Werts an Strafgebühr kostet. Der Zahnarzt wartet vergeblich auf den Patienten. Dafür bekommt der Klassenkamerad Besuch zum Geburtstag, der erst in zwei Wochen ist. Spätestens dann merken die Kinder, dass Eltern auch nur Menschen sind. Keine Chips.

Andreas Juhnke

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