„Kriegen Sie das mit Ihren Kindern endlich geregelt!“ Die Geschichte einer verzweifelten Mutter

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Wenn das Kind krank wird, haben Mütter oft Probleme im Job.
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Oder: Was Mütter sich dringend von ihren Arbeitgebern wünschen

Es ist nur ein paar Tage her, da saß Sarah* heulend in meiner Küche. Sie war komplett verzweifelt . Ihre 3-jährige Tochter war krank – mal wieder. Ohrenschmerzen, Heulerei ohne Ende, natürlich konnte sie sie nicht alleine lassen. Ihr Arbeitgeber hatte ihr an diesem Tag unverhohlen mit einer Kündigung gedroht. Vor den Kollegen.

„Kriegen Sie das mit Ihren Kindern doch bitte endlich geregelt, das kann doch nicht sein, das Sie alle zwei Wochen ausfallen, weil eines der Kinder kränkelt. Da muss sich halt mal die Oma kümmern oder Freunde!“

Leider hat Sarah sich vor vielen Jahren dazu entschieden, fernab von ihrer Familie zu leben – für den vermeintlichen Traumjob, der auf dem Land eben nicht zu haben war. Ihre Freunde müssen selbst arbeiten. Mit Tagesmüttern hat Sarah keine guten Erfahrungen gemacht und so ganz spontan sind solche Ersatz-Betreuer auch nicht immer zu haben – schon gar nicht für ein krankes Kind. Sarah und ihr Mann sind komplett auf sich allein gestellt.

Wenn die Kinder krank werden und nicht in die Kita dürfen, muss einer von ihnen sich kümmern. Die beiden haben zwei Töchter, 3 und 5 Jahre sind sie alt. Sarah würde liebend gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, aber um das Familienleben zu finanzieren, müssen sie und ihr Mann Stefan beide arbeiten. Stefan arbeitet Vollzeit, Sarah „nur“ 35 Stunden die Woche. Das würde alles ganz gut hinhauen. Doch Sarahs Kinder sind oft krank.

Anfangs war ihr Chef noch sehr verständnisvoll. „Na klar sind Kinder mal krank, kümmern Sie sich ruhig, machen Sie einfach Home-Office.“ Doch mit jeder Krankheitswoche mehr wurden er und die Kollegen ungeduldiger.

Home-Office reichte nicht, die Kollegen mussten Kundentermine übernehmen. Sarah war gestresst, fahrig, mit den Nerven am Ende. Ohrenschmerzen, Schnupfen, Fieber, Übelkeit, die Krankheiten nahmen kein Ende. „Dann nehmen Sie das Kind eben mit ins Büro“, war das letzte Angebot vom Chef. Also hing das kranke Kind matt auf dem Schoß der Mama, schaute auf dem Handy Filme, während ihre Mama versuchte, ihren Job zu machen. Auch keine gute Lösung, zumal jetzt auch die Kollegen endgültig von dem jammernden Kind und der kraftlosen Kollegin genervt waren.

Sarah ist eine von vielen Mamas in Deutschland, die daran verzweifeln, dass ihre Arbeitgeber es ihnen so verdammt schwer machen, Kinder und Beruf zu vereinbaren.

Kinder sind eben keine Maschinen. Sie sind unberechenbar, sie werden oft krank und es braucht sehr viel Zeit und Energie, sie aufzuziehen. Trotzdem wollen Mütter arbeiten, selbst Geld verdienen, ihren Mann im Job stehen und für ihre Familie sorgen. Sie sind gerne bereit, alles zu geben, damit Job und Familie funktionieren. Doch dafür brauchen sie ein bisschen Hilfe.

Warum tun sich noch immer so viele Firmen so schwer damit, Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen Mütter endlich Kind und Job angemessen gerecht werden können?

9 Dinge, die Mütter im Job brauchen, damit sie Kind und Beruf optimal vereinbaren können und es nicht irgendwann bereuen, Mutter geworden zu sein :

♦ Flexible Arbeitszeiten, die nach Bedarf an den Betreuungsplan für die Kinder angepasst werden können

♦ Die Möglichkeit zu Home-Office, falls nötig + entsprechende technische Ausstattung

♦ Kinderbetreuung am Arbeitsplatz entsprechend der notwendigen Arbeitszeiten, damit sie nicht ständig vom Schreibtisch zur Kitatür hetzen müssen und folglich an zerfetztem Nervenkostüm leiden

♦ Ein Eltern-Kind-Büro mit Betten und Spielecke, damit auch kranke Kinder zur Not mitgebracht werden können, ohne dass die Kollegen dadurch belastet werden

♦ Ein anständiges Gehalt, damit sie von ihrem Mann finanziell unabhängig sind und im Rentenalter nicht in die Armut rutschen

♦ Vermögenswirksame Leistungen, damit sie ihren Kindern ein sicheres Zuhause und eine gute Ausbildung bieten können

♦ Kostenlose Gesundheits-Angebote, wie Sport- und Entspannungskurse

♦ Nach neuestem Stand der Forschung ergonomisch eingerichtete Arbeitsplätze, um den belasteten Mama-Körper zu schonen

♦ Unbefristete Arbeitsverträge, damit sie sich nicht ständig um die Zukunft sorgen müssen

Witzig, wird sich so mancher Arbeitgeber jetzt denken. Wenn ich mit Müttern dermaßen viel Stress habe, dann stelle ich eben nur noch Nicht-Mütter und Männer ein.

ABER DAS IST EINFACH ZU KURZ GEDACHT!

Denn wenn wir Frauen keine Kinder mehr kriegen, dann war es das mit unserer Gesellschaft. Dann gibt es irgendwann keine Nicht-Mütter und Männer mehr, weil es keinen Nachwuchs mehr gibt!

Es gibt schon viel zu viele junge Frauen, die keine Kinder mehr wollen , weil ihnen völlig klar ist, was für horrende Belastungen da auf sie zukommen.

Alles Leben beginnt mit den Müttern! Ohne Kinder keine Zukunft. Die gesamte Gesellschaft und insbesondere all die profitorientierten Wirtschaftsunternehmen sollten das endlich kapieren und entsprechend handeln.

Ein großes DANKE an dieser Stelle an all die Unternehmen, die bereits viele der genannten Maßnahmen adaptiert haben und so das Leben für Familien in Deutschland deutlich angenehmer gestalten!

* Name von der Redaktion geändert

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