Mama-BlogLeben als Mutter: Gefangen im Familienalltag

Die Anforderungen für Mütter im Familienalltag sind sehr hoch - und viele Mütter fühlen sich überfordert.
Die Anforderungen für Mütter im Familienalltag sind sehr hoch - und viele Mütter fühlen sich überfordert.
Foto: iStock

Manchmal fühlt sich Mama-Bloggerin Anja in ihrem Familienalltag wie in einem Gefängnis eigeschlossen. Hier schildert sie, wie sie versucht, aus diesem Mama-Gefängnis auszubrechen.

"Manchmal komme ich mir vor wie in einem Gefängnis. Jetzt nicht so richtig mit verschlossenen Türen und so. Aber im Prinzip trifft es die Situation ganz gut.

Mein Mann ist länger auf Arbeit oder abends weg, meine Kinder haben sich mal eben so zum Spielen verabredet und müssen gefahren werden und zu Hause wartet eine Liste mit Leuten, die auf meinen Rückruf warten oder sonst irgendetwas von mir wollen.

Und jeder geht mal ganz einfach davon aus, dass ich ja sowieso nichts vorhabe und deswegen auf jeden Fall einspringen kann. Was natürlich zwangsläufig dazu führt, dass ich meine Termine und auch mein Leben wie selbstverständlich an den Bedürfnissen der anderen ausrichte. Und so unfrei bin als würde ich wirklich im Gefängnis sitzen.

Damit bin ich bisher auch einigermaßen klar gekommen. Aber seit mir bewusst geworden ist, was ich da eigentlich tue, will ich das ändern. Denn schließlich bin ich immer noch ein freier Mensch und habe ein Recht auf ein eigenes Leben.

Und so versuche ich mich Schritt für Schritt und ganz langsam aus diesem selbstgebauten Gefängnis zu befreien. Aber das kostet unendlich viel Kraft. Und wie oft ich deswegen schon mit meiner Familie in Diskussionen geraten bin, kann ich gar nicht mehr zählen.

"Was ist noch von mir übrig, wenn die Kinder groß sind?"

Trotzdem bin ich überzeugt, dass es sich lohnt. Denn irgendwann werden meine Mädels erwachsen sein und die Frage, die ich mir stelle ist: Was ist dann noch von mir übrig? Weiß ich dann noch, wer ich eigentlich bin und was ich eigentlich möchte? Oder ende ich eher völlig frustriert und mit dem Gefühl allein zu sein, weil ich gar nichts mehr mit mir anzufangen weiß?

 

Das wäre dann ein wirkliches Gefängnis, aus dem ich auch nicht mehr so schnell rauskomme. Also verwende ich lieber jetzt meine Kraft und Energie darauf mir ein eigenes Leben zu erlauben. Auch wenn das bedeutet, dass meine Familie mal zurückstecken muss. Und auch wenn das von einigen Menschen als egoistisch wahrgenommen wird.

Aber wer sagt denn, dass ich mich aufgeben muss nur weil ich Mutter bin?

Und soll ich Dir was sagen? So langsam, ganz ganz langsam fühle ich mich damit sogar wohl. Es wird von Mal zu Mal weniger anstrengend auch mal Raum für mich zu fordern. Und es kommen mehr und mehr Menschen in mein Leben, die genauso denken wie ich. Das hilft ungemein dabei, diesen Weg weiter zu gehen.

Und das Allerschönste daran ist die Bestätigung, die ich von meiner Familie erhalte. Erst letztens hat mir meine Große gesagt, wie toll sie es findet, dass sie so eine mutige Mama hat. Eine Mama, die auch mal alleine weggeht und einfach so für ein paar Tage verreist. Und die auch mal Nein sagt, wenn ihre Kinder irgendwo hingebracht werden wollen. Auch wenn das öfter Ärger und Diskussionen auslöst.

Das zeigt mir, dass das was ich tue genau richtig ist. Denn was ist schöner als Kinder, die stolz auf ihre Mama sind? Und ich weiß, dass ich ihnen damit genau die richtige Einstellung mit auf ihren Lebensweg gebe. Nämlich, dass Mamasein nicht unbedingt bedeutet nicht mehr sie selbst zu sein.

Denn echt sein ist besser als perfekt."

Deine Anja

Anja Riemer-Grobe bloggt für Wunderweib.de über Familie und Mutter sein.
Anja Riemer-Grobe bloggt für Wunderweib.de über Familie und Mutter sein.
 

P.S.: Fühlst Du Dich auch manchmal gefangen in deinem Familienalltag? Und was tust Du dagegen? Schreibe mir doch einen Kommentar und erzähle mir davon. Und wenn Du willst, dann komm doch in meine Mamafreude-Facebookgruppe. Dort sind wir schon eine tolle Gemeinschaft von Müttern, die sich einfach mal offen und ehrlich zu ihrem Familienleben austauschen wollen. Komm doch gern dazu! Ich würde mich freuen!

Über Anja:

Anja Riemer-Grobe ist konsequent-liebevolle Mädchenmama, Elternbegleiterin und Befürworterin eines wertschätzenden Miteinanders. Sie schreibt auf ihrem Blog unter www.anja-riemer.de über die Themen Familie, Beziehung und Bindung und hilft anderen Eltern dabei sich selbst zu helfen, indem sie ihren ganz eigenen Familienlebensraum entwickeln. Ohne Druck und Stress von außen, dafür mit viel Liebe und Wertschätzung auf Basis von echten Beziehungen.

 

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