Leonard Lansink: Raue Schale, weicher Kern

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Interview

Leonard Lansink …? Natürlich kennen Sie ihn, Sie haben ihn schon oft gesehen! Richtig, er ist „Wilsberg“, der Münsteraner Hobby-Detektiv, dessen wortkarge, sperrige Art Millionen Fans lieben. Bald können wir den 54- Jährigen in einem neuen TV-Film erleben – als einen Mann, wie ihn viele von uns auch zu Hause haben: kriegt den Mund nicht auf und fühlt sich am wohlsten mit einem Bier in der Hand beim Grillen. Der Fred im Film hat zwar eine raue Schale, aber auch einen weichen Kern. Uns gab Lansink eines seiner seltenen Interviews.Zu „Zwei Herren im besten Alter“, Sentetermin 3.3., 20.15 Uhr im Ersten:

Herr Lansink, hatten Sie etwa je ein anderes als das beste Alter?Leonard Lansink: Nein, ich war nie richtig jung und deshalb immer schon alt.

Das „beste Alter“ muss doch nicht heißen, dass man alt ist!Leonard Lansink: Da haben Sie natürlich recht – eigentlich ist jedes Alter das jeweils beste.

Wie fühlen Sie sich denn jetzt?Leonard Lansink: Wie eh und je.Viele Männer um die 50 geraten in eine Lebenskrise.Hat Sie schon die Midlife-Krise erwischt?Leonard Lansink: Nicht so richtig. Die habe ich verschlafen glaube ich.Die Figur des „Fred“ in Ihrem neuen TV-Film beginnt ja einen ganz neuen Lebensabschnitt. Haben Sie auch schon daran gedacht, Ihr Leben komplett auf den Kopf zu stellen?Leonard Lansink: Nein, ich habe ja so ein abwechslungsreiches Dasein. Bei mir ist alles prima.

„Fred“ ist als Lebenspartner eher spröde. Er trägt sein Herz nicht gerade auf der Zunge, benimmt sich nach dem Motto: Sie weiß doch, dass ich sie liebe. Sie selbst mach den Eindruck, als ob Sie auch nicht gern viel reden. Was muss man tun, um Ihre charmante Seite zu erleben?Leonard Lansink: Ach, das ist gar nicht so schwer. Freundlichen Menschen gegenüber bin ich auch freundlich. Das funktioniert eigentlich immer – nur morgens nicht. Dann bin ich unausstehlich. Es dauert länger und einige Tassen Kaffee, bis ich wach genug bin, um freundlich zu sein.

Sie selbst haben in einem früheren Interview gesagt: „Als Waisenkind hat man mit Familie nicht viel am Hut.“ Stehen Sie dazu auch heute noch?Leonard Lansink: Letztendlich schon. Allerdings würde ich das heute nicht mehr auf meine Kindheit zurückführen. Es war eher die berufliche Unsicherheit, die in meinem Leben damals herrschte.

Und wie ist es heute?Leonard Lansink: Ach, heute denke ich, Väter sollten jung genug sein, um ihre Kinder auch noch hochheben zu können.Sie selbst sind bei Ihren Großeltern aufgewachsen, weil Ihre Mutter Sie im Krankenhaus einfach zurückgelassen hat. Sie haben Ihre Mutter später einmal aufgesucht...Leonard Lansink: Ja, das war keine erfreuliche Begegnung. Aber immerhin: Ich habe sie gefunden.

Damals waren Sie 30. Seitdem hat sich natürlich auch in ihrem Leben einiges verändert. Sie hatten Krebs, haben dadurch gesehen, wie schnell das Leben zuende sein kann. Haben Sie danach noch einmal versucht, ein Verhältnis zu ihrer Mutter aufzubauen?Leonard Lansink: Nein. Sie ist eine fremde Frau für mich. Blut ist eben kein besonders dicker Saft . Eine Beziehung entsteht durch die gemeinsame Geschichte, die man hat. Und die hatten wir nicht.

Trotzdem: Viele, die plötzlich lebensbedrohlich krank werden, wollen mit einigen Dingen ihren Frieden schließen.Leonard Lansink: Aber dann lieber mit den Leuten aus meiner Umgebung. Sicher nicht mit Menschen aus meiner Vergangenheit.

Was empfinden Sie heute für Ihre Mutter?Leonard Lansink: Ich bin glücklich, dass es mich gibt. Dafür bin ich ihr dankbar. Aber das ist auch alles.An wen aus Ihrer Kindheit denken Sie mit Liebe zurück?Leonard Lansink: An meine Großeltern, die mich durchgebracht haben. Sie waren sehr nett zu mir.

Sie sind seit langem Krebs-frei, gelten als geheilt.Leonard Lansink: Statistisch bin ich auf der guten Seite.

Wie hat die Krankheit sie verändert?Leonard Lansink: Ich bin nachdenklicher geworden und lasse mir nicht mehr die Zeit stehlen. Ich habe gelernt, den Wert des Daseins höher zu schätzen.

Haben Sie angefangen, ein höheres Tempo einzuschlagen: mehr reisen, mehr feiern...Leonard Lansink: Nein, das nicht. Aber ich bin freundlicher zu den Menschen, die es verdient haben und ruppiger zu denen, die mir auf die Nerven gehen. Es hat den Charakter in beide Richtungen erweitert.

Sie waren nie verheiratet.Leonard Lansink: Ich finde heiraten nicht so wichtig. Es kommt in meiner Prioritätenliste nicht vor.

Was steht denn drauf?Leonard Lansink: Leben, Vergnügen, gut zusammensein, ein netterer Mensch werden.

Das klingt ja fast buddhistisch .Leonard Lansink: Ich bin kein Buddhist.

Gibt es etwas, woran Sie glauben?Leonard Lansink: Nein. Ich war katholisch, war auch auf dem bischöflichen Gymnasium. Aber das reichte, um anschließend die Tür hinter sich zuzumachen.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie in die Zukunft?Leonard Lansink: Ich bin im Moment in einer wirklich zufriedenstellenden Situation. Ich wäre glücklich, wenn es so bleibt – oder noch besser wird.

Was fehlt denn noch?Leonard Lansink: Bei allen Schauspielern fehlt die Sicherheit. Aber damit muss man eben. Das gehört zum Beruf und ich lerne langsam, damit zu leben.

Sind Sie eigentlich ein Kämpfertyp.Leonard Lansink: Schon. Ich bin sehr zäh. Das ist eine meiner besseren Eigenschaften.

Und was ist die schlechteste?Leonard Lansink: Also ich bin ja Steinbock – und auf den Sternzeichen-Zuckerstückchen steht immer „pessimistisch und hartherzig“. Nur gut, dass ich nicht an Horoskope glaube. Das habe ich mir aber gemerkt, weil das nun überhaupt nicht zutrifft. Außerdem: Jesus war auch Steinbock. Das muss man ja auch mal sagen.

Träumen Sie von etwas?Leonard Lansink: Jedenfalls nicht von einer Yacht, einem Auto, einem Haus. Eigentlich lebe ich so gut, wie es ist.

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