Let's swing!

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Sextrend des Jahres: Swingerclubs
Foto: Mike Krueger

Report: Partys im Swingerclub

Der Sex-Trend des Jahres unter 20- bis 35-Jährigen sind Swingerclubs 2.0! Dort locken ganz neue Partys mit stilvollem Ambiente und attraktivem Publikum. JOY-Redakteurin Britta Holzmann wollte erfahren, was vor allem junge Paare daran reizt – und wagte sich mit ihrem Freund ins Lustschloss.

Das erste Mal im Swingerclub

Müssen wir dort auch Sex haben?“, fragt mich mein Freund sichtlich nervös am Frühstückstisch. Zugegeben, ein bisschen amüsiert es mich, dass er sich so viele wilde Gedanken macht. Heute Abend gehen wir zum ersten Mal in den Swingerclub – und schuld daran ist die höchst seriöse „Süddeutsche Zeitung“:

Unter der Überschrift „Alle mal anfassen – warum immer mehr junge Menschen in Swingerclubs gehen“ pries sie in einem fast seitengroßen Artikel die „Real Youngster Party“ des Münchner Clubs „Arkanum“ (lat. Geheimnis) an, mit „auffallend attraktiven Leuten zwischen 20 und 30“, die ihren Besuch als „Ausgleich, Abenteuer und All-inclusive-Angebot“ schätzen.

„Real Youngster Party“ des Münchner Clubs „Arkanum“

Für dieses neuartige „ Partyevent der Generation Porno“ steht mein Schatz zum ersten Mal in unserer fünfjährigen Beziehung länger im Bad und vor dem Kleiderschrank als ich: Er rasiert sich auffällig akribisch die Brust und Achseln, dann wechselt er alle 30 Sekunden sein Outfit – von der hellen Chino mit dunkler Krawatte (ohne Hemd!) bis zur schwarzen Boxershorts und Flipflops. So mutig ist er am Ende dann doch nicht und entscheidet sich für ein dunkelblaues Hemd und dunkle Jeans mit Lederschuhen. Auch mein Outfit bleibt mit Ledermini, High Heels, schwarzem Top und Smokey Eyes eher dezent.

Erwartungsvoll fahren wir ins Gewerbegebiet Eching. Das „Lustschloss Arkanum“ (www.lustschloss-arkanum.de) sieht von außen eher aus wie eine Autowerkstatt, oben wird gerade noch mal ordentlich durchgelüftet. Wir klingeln und ein netter Mann um die 30 öffnet uns die Tür. „Seid ihr zum ersten Mal hier? Dann kommt rein, ich zeige euch alles“, begrüßt er uns betont locker.

Erlebnisgastronomie und Stundenhotel

Auf drei Ebenen – und etwa 800 Quadratmetern – verteilt sich der Club. Im Keller sind die Gemeinschaftsduschen mit goldenen Armaturen und Toiletten, im Erdgeschoss baut eine stämmige Osteuropäerin in Kittelschürze gerade liebevoll ein üppiges Antipasti-Buffet auf. Natascha, um die 50, die Chefin des Clubs, führt uns nach oben zur Spielwiese.

Zwischen einer Art überdimensionalen „Hundehütte“ mit Gucklöchern, den sogenannten „Glory Holes“, und einem „Dark Room“ steht auch eine Sauna, die aber demnächst ausgebaut wird. „Unsere Gäste legen viel Wert auf ihr Äußeres. Die wollen sich nicht Make-up und Frisur ruinieren.“ An Massageliegen hinter Moskitonetzen geht es vorbei an einem rot-schwarzen Spiegelzimmer. Danach wird es aufwändiger mit einer „1001 Nacht“-Location und dem „Gemächte Gemach“ in rustikaler Burgatmosphäre samt schwerem Himmelbett. Am Ende des „Tunnels“ erwartet uns das Livekino mit riesigem Lederpouf vor der Leinwand und einer Liebesschaukel. Wir sind beeindruckt.

Das Publikum: Studenten und Akademiker

Unten klingelt es inzwischen im Sekundentakt und in den Umkleiden herrscht dichter Betrieb. Was wir dann zu Gesicht bekommen, verschlägt uns die Sprache: Schöne Frauen mit noch schöneren Körpern stolzieren in schicken Dessous auf Killer-High-Heels Richtung Bar. Daneben glatt rasierte, extrem gepflegte Männer um die 30, die ihr Sixpack zur Schau stellen. Die Mehrheit sind Studenten oder Akademiker. Die Altersgrenze liegt an diesem Abend bei 39 Jahren, Paare dürfen zusammen nicht älter als 75 sein.

Mehr als 600 Leute haben sich angemeldet, nur etwa die Hälfte konnte Natascha einlassen, dann ist der Club voll. Paare zahlen 70 Euro, Singlemänner 100 Euro und Singlefrauen 20 Euro. Inzwischen hat auch Natascha ihren Rollkragenpulli gegen ein kleines Schwarzes getauscht. Zwölf Jahre hat die gebürtige Tirolerin in der russischen Modebranche gearbeitet, bevor sie 2006 das „Arkanum“ eröffnete.

Immer mehr junge Leute interessieren sich fürs Swingen

Seit Januar 2011 veranstaltet sie alle acht Wochen die beliebte „Real Youngster Party“. „Immer mehr junge Leute interessieren sich fürs Swingen. Und genießen den Komfort – bei mir muss niemand auf einer dreckigen Clubtoilette poppen.“ Generell sei diese Generation aufgeschlossener, werde viel früher neugierig und würde den Eventcharakter schätzen: „Ich biete Erlebnisgastronomie und Stundenhotel in einem an. Meine Gäste mögen gutes Essen, gute Musik und die Aussicht auf mehr.“

Neulinge, wie wir es sind, gibt es viele an diesem Abend. Auch Laila (23) und ihre Freundin Zoe (22) besuchen zum ersten Mal einen Swingerclub. Die beiden Studentinnen sind begeistert von der „geschmackvollen Location“. Und Zoe fügt hinzu: „Die Leute sind genau so locker, wie ich es mir ausgemalt habe. Es kommt mir vor wie ein riesiges Familientreffen, eine sehr entspannte Atmosphäre.“ Weil sie sich in ihren knappen schwarzen Kleidern noch zu angezogen fühlen, gehen die beiden nach unten, um sich mit schwarzen Korsagen, String und Strapsen der Mehrheit anzupassen.

Dresscode: Dessous oder Abendkleid

Während in anderen Clubs häufig der Dresscode „Unterwäsche“ gilt, ist die Toleranzgrenze im „Arkanum“ erstaunlich hoch. „Du kannst zu uns auch im Abendkleid kommen. Dafür wurde ich zwar von der Konkurrenz belächelt, aber bei uns klappt der Mix aus an- und ausgezogenem Publikum“, erklärt Natascha. Der Erfolg gibt der zweifachen Mutter recht – inzwischen kopieren immer mehr Swingerclubs ihr Konzept, um Einsteiger und vor allem das junge Partyvolk mit Events wie „The Next Generation“ oder „Young and Sexy“ anzulocken.

Auch wir sind inzwischen neugierig geworden und wagen uns in den „Dark Room“. Durch die Glory Holes erspähen wir überraschend ästhetische Erotik, etwa die Frau, die über einem Mann kniet, der ihr hingebungsvoll im Zeitlupentempo die Brüste massiert. Plötzlich ist mein Freund weg und neben mir steht ein Mann, der mich interessiert mustert. Obwohl mir Natascha vorher noch die oberste Hausregel – „ein Nein ist ein Nein“ – erklärt hat, suche ich doch lieber wortlos das Weite.

Schauen, kichern und knutschen

Im Kino läuft inzwischen ein Porno, der vor Kurzem im „Arkanum“ gedreht wurde. Luca (29) ist Stammgast und einer der vielen Laien, die mitgespielt haben. Nur mit einer engen Boxershorts von Hugo Boss bekleidet erklärt er uns stolz die „Handlung“, so als würde gerade eine Tierdoku laufen. In der letzten Reihe haben vereinzelt Pärchen Platz genommen, die verstohlen nach vorn schauen, kichern, knutschen und tuscheln. „Die Leute müssen erst warm werden, vor halb zwölf läuft hier oben wenig. Bei anderen Partys geht es wesentlich schneller zur Sache“, erklärt uns Natascha.

Auch Steffi (27) und ihr Freund Torsten (42) sind in erster Linie hier, um sich Appetit zu holen und zu feiern. „In acht von zehn Fällen gehen wir gar nicht nach oben“, sagt Steffi. „Dafür haben wir danach immer Sex zu Hause.“ Der brechend volle Discoraum bestätigt die Tendenz, dass die Youngsters in erster Linie feiern wollen: Zwei Mädels tanzen in Nebelschwaden eingehüllt an der Stange, eine Traube Männer hat sich vor ihnen versammelt. Die Meute reagiert fast geschockt, als mitten im Gewimmel plötzlich ein Mann seine Hose runterlässt, eine Frau sich vor ihn kniet und ihn genüsslich mit einem Blowjob verwöhnt. Solche Bilder bleiben aber die Ausnahme.

„Ich hatte oben gerade Sex mit drei Männern!“

Sichtlich erschöpft, aber glücklich läuft uns Zoe von vorhin über den Weg: „Ich hatte oben gerade Sex mit drei Männern!“ Ihrer Freundin Laila verschlägt es die Sprache – sie lässt es lieber langsamer angehen: Den ganzen Abend über schmust sie schon wie ein verliebter Teenie mit dem selben Mann herum.

Während Zoe völlig euphorisch ist und auf jeden Fall wiederkommen will, gibt sich Laila zurückhaltend: „Ich finde es hier eher befremdlich. Du sitzt beim Essen und plötzlich läuft eine Horde Männer in Boxershorts rein und du fragst dich – sind wir eigentlich im Zeltlager? Und die ganzen Frauen sehen aus, als wären sie im Tourbus von irgendeinem Stripclub angereist.“ Ihr Flirt gibt ihr recht: „Ich dachte, das Zuschauen sei anregender. Ich war vorhin oben und als der Typ sein Publikum bemerkte, hat er losgerammelt wie im Hardcore-Porno. Erotisch war das nicht.“

Paare verabreden sich zum Swingen

Obwohl es eine gemischte Party ist, fällt die hohe Pärchendichte auf. Laut einer Studie der Swingerplattform Eps-community.de von 2011 swingt etwa jedes zehnte Paar zwischen 21 und 30 Jahren in Deutschland, Tendenz steigend. Dafür verabreden sich die Paare oft schon Wochen zuvor in Foren wie Secret.de oder Joyclub.de (hat übrigens nichts mit unserer Zeitschrift zu tun).

Auch die Verheirateten Nina (27) und Conny (30) haben sich online mit einem anderen Ehepaar kurzgeschlossen und sind dafür über 100 Kilometer angereist. Den Heiratsantrag gabs vor einem Jahr auf so einer Party. Die beiden leben aus, was viele Paare gerne ausprobieren würden, sich aber nicht trauen: „Wir sind seit neun Jahren zusammen und Conny ist mein erster fester Freund“, erzählt Nina.

Sexdates abseits vom Swingerclub

„Der Reiz, mal etwas anderes auszuprobieren, war bei mir schon lange da.“ Vor drei Jahren hat Conny sie mit der Swingeridee überrascht. „Ich war perplex, weil er immer sehr eifersüchtig war. Ich konnte ihm nie ehrlich sagen, dass ich mal etwas Neues ausprobieren wollte.“ Seitdem sie das zu zweit tun, sei die Beziehung sogar gewachsen: „Conny ist viel entspannter. Denn jetzt, wo ich theoretisch die Möglichkeit habe, ist mein Interesse gar nicht mehr so groß“, meint Nina.

Liierte Paare, die im Club getrennte Wege gehen, sind unter jungen Leuten eher selten. Grundschullehrer Jo, 42, und Freundin Saskia, 32, hingegen führen seit zehn Jahren eine offene Beziehung . Jo fasst es pragmatisch zusammen: „Zu Hause habe ich meinen Maserati. Und hier leihe ich mir mal einen Ferrari aus und fahr mit dem ein bisschen.“ Sein Ferrari war heute Abend eine zierliche blonde Frau, die er in einer Ecke des Discobereichs vernascht hat, während sich Saskia mit deren Freund zeitgleich oben vergnügte. „Wir machen auch abseits vom Swingerclub Sexdates aus“, lacht Saskia vieldeutig.

Gegen drei Uhr leert sich der Club

Wir wagen uns noch einmal nach oben. Eine Frau schreit sich gerade ekstatisch zum Orgasmus . Neugierig luren wir durch die Löcher und erspähen im schummrigen Licht drei nackte Menschen, ineinander verknotet. Ein letzter Aufschrei, dann verstummt die Frau und das Knäuel löst sich auf. Gegen drei Uhr leert sich der Club. Wir nehmen an der Bar noch einen Absacker.

Matthias, ein promovierter Physiker, spricht uns an: „Die Frauen sind so attraktiv und wählerisch, dass ich heute nur einmal Sex hatte. Insgeheim habe ich mir mehr erhofft.“ Spontan lädt er uns in seine schicke Münchener Altbauwohnung ein. Er ist Hobbyfotograf und zeigt uns seine eindrucksvollen Porträts am PC. Wir trinken teuren Whisky und diskutieren über Fernreisen und Kunst. In den Morgenstunden verabschieden wir uns, tauschen Nummern und fragen uns, welcher Teil des Abends surrealer war.

„An guten Abenden habe ich drei- bis viermal Sex.“

Luca, 29 Jahre, Investmentbanker und Stammgast im „Arkanum“

„Mein erstes Swingererlebnis war vor acht Jahren. Ich lernte zwei Mädels auf einer Party kennen, die mich spontan in einen Swingerclub entführten. Wir hatten dort einen Dreier und seitdem habe ich Blut geleckt. Ich gehe alle drei bis vier Wochen.

Natürlich könnte ich mir auch in der Disco eine aufreißen, aber hier ist alles viel einfacher – man muss hier nicht eine halbe Stunde quatschen, sondern kommt sofort zum Punkt und kann mit mehreren Frauen Sex haben. An einem guten Abend habe ich drei- bis viermal Sex.“

„Wir machen alles nur nach Absprache – und immer zusammen. Für uns ist es ein Hobby!“

Fabio, 37 Jahre, selbstständig, und Raffaela, 27 Jahre, Croupière, gehen jede Woche swingen

„Raffaela ist seit neun Jahren in der Szene, aber wir als Paar gehen erst seit einem halben Jahr regelmäßig swingen. Ich war 17 Jahre verheiratet, Liebe und Sex waren für mich nie trennbar. Aber ich wusste ja von Raffaelas Neigung, also wollte ich es irgendwann auch mal ausprobieren. Gleich am ersten Abend sind wir mit einem Paar nach oben gegangen. Wir haben sogar die Partner getauscht und rumgemacht. Das war so erregend, dass es uns noch wochenlang zu Hause beschäftigt hat.

Abschalten vom Alltagsstress

Wir sehen es als Abenteuer, als Bereicherung für unsere Beziehung . Einfach mal abschalten vom Alltagsstress. Grundsätzlich haben wir aber vereinbart, dass wir nie Geschlechtsverkehr beim Tausch haben. Raffaela hätte zwar kein Problem damit, aber ich möchte gar nicht mit einer anderen Frau schlafen. Alleingänge sind auch tabu, sonst brauchen wir ja keine Beziehung führen. Wir behaupten sogar, unsere Beziehung ist ehrlicher als die meisten anderen – jeder steht zu seinen Bedürfnissen, wir machen alles nach Absprache und immer zusammen.

Die lockere Atmosphäre im ,Arkanum‘ gefällt uns – in anderen Clubs geht es viel derber zur Sache und dort hat man dann auch das Gefühl, Sex haben zu müssen. Das Publikum hier ist sehr respektvoll, keiner grabscht einfach drauflos, es ist sogar angenehmer als in einem normalen Club. Für uns ist es wie ein ganz normales Hobby. Sobald wir hier sind, bewegen wir uns in einer anderen Welt. Die Zeit ist begrenzt und danach gehen wir nach Hause und führen wieder unser ganz normales Leben.“

„Für uns ist es ein Ego-Booster“

Steffi, 27 Jahre, Arzthelferin, und Torsten, 42 Jahre, Technischer Leiter

„Die Leute haben einen falschen Eindruck von Swingerclubs. Es geht nicht nur um Partnertausch oder Gruppensex. Da Steffi bi ist, suchen wir immer ein Paar mit einer bisexuellen Frau. Während sich die Frauen vergnügen, schauen wir Männer zu und als Krönung hat jeder danach mit seiner Partnerin Sex.

Du kannst hier tanzen, wie du willst, dich bewegen, wie du willst, und anziehen, was du willst. Unsere Outfits sind immer eine Art Verkleidung. Wir tauchen in eine andere Welt ein und werden andere Personen.

In normale Clubs gehen wir nicht mehr – sobald du dort etwas aufreizender gekleidet bist oder tanzt, wirst du schief angeglotzt. Hier können wir Frauen ein Kompliment machen, ohne dass sie uns gleich eine knallen. Umgekehrt genießen wir es natürlich auch, wenn wir Bestätigung von anderen bekommen.“

„Die Konkurrenz ist groß – als Durchschnittstyp hat man es verdammt schwer.“

Markus, 28 Jahre, Student

„Ich bin zum ersten Mal hier, weil ich neugierig bin und mein Kumpel regelmäßig swingt. Sex heute Abend wäre natürlich das Sahnehäubchen, aber ich bin nicht enttäuscht, wenn es nicht passiert. Ehrlich gesagt überfordert mich meine Konkurrenz gerade ziemlich, weil die Männer sehr attraktiv sind, und da fragt man sich unweigerlich, ob man als Normalo überhaupt zum Zug kommt. Daher bin ich auch unschlüssig, ob ich noch mal zu so einer Party gehe.“

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