Lexy Hell über Tattoos, Model-Jobs und feuchte Träume

lexy hell tattoos model

Foto: Hanja Li - inspiration online

Ein ungewöhnlich schönes Leben

Lexy Hell war einmal ein schüchternes Mädchen aus der Steiermark. Heute ist sie ein erfolgreiches Tattoo-Model. Einige Jahre musste sie als Bardame in einem Swingerclub arbeiten. Ein intimes Interview zu Liebe und Tattoo-Kunstwerken.

"Tatsächlich und leider gibt es auch heute – und ja, auch in Berlin – immer noch Menschen, die bei Tätowierungen seltsame Assoziationen haben. Sie denken: asozial, Schmarotzer, Schlampe, kriminell oder etwas einfallsloser einfach nur: Junkie. Inzwischen versuche ich mit Vorurteilen dieser Art humorvoll umzugehen oder sie zumindest zu ignorieren ..." *

* Auszug aus Lexys Buch "Mein wildes Leben zwischen Laufsteg und Swingerclub"

Lexy Hell wurde 1986 in der Steiermark in Österreich geboren, wo sie eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau machte. Mit 16 ließ sie sich heimlich ihr erstes Tattoo stechen. Später wagte sie in Berlin einen Neustart und machte erfolgreich ihren Traum vom Leben als Tattoo-Model wahr. Sie ist das Gesicht von vielen Werbekampagnen, war zum Beispiel auf Werbeplakaten der Biermarke Astra zu sehen und präsentiert die Mode von namhaften Designern auf internationalen Laufstegen. Neben dem Modeln hatte Lexy allerdings auch schon andere, ungewöhnliche Jobs. Um sich über Wasser zu halten, jobbte sie unter anderem als Bardame in einem Swingerclub. Jetzt hat sie ihre Erlebnisse in dem Buch "Mein wildes Leben zwischen Laufsteg und Swingerclub" aufgeschrieben.

Wunderweib-Redakteurin Mirca Waldhecker hat Lexy Hell in Berlin getroffen und zu ihren Tattoos, Swingerclubs und Traummännern ausgefragt.

Lexy Hell und Mirca Waldhecker in Berlin. | Foto: Ferdinand Panse

"Von nun an, so nahm ich mir an diesem Tag vor, werden alle Herausforderungen im Leben allein gemeistert. Ich wollte mich fernhalten von Freundinnen, die sich meinen Freund trotz starker Beinbehaarung schnappten, von Männern, die mich hinter dem Lenkrad blutig bumsten, von einer Familie, die nichts mit mir gemeinsam zu haben schien, außer eines schrecklich faden Nachnamens. Ich wollte von jetzt an alles allein entscheiden und allein schaffen. Und endlich meinen Traum ins Rollen bringen. Es war Zeit für mein erstes Tattoo..."

* Auszug "Mein wildes Leben zwischen Laufsteg und Swingerclub"

Wunderweib: Lexy, welche Stelle deines Körpers magst du warum am liebsten?

Lexy Hell: Es gibt nur wenige Stellen, mit denen ich wirklich zufrieden bin, ich glaub', so ist es bei jeder Frau, man ist immer viel zu kritisch mit sich selbst. Aber ich mag meine Hände und Handgelenke, haha, die sind schön zart sagt mir immer meine Freundin, die für mich ganz tolle Kleider näht. Und meine großen, blauen Augen.

Welches ist dein liebstes Tattoo und welches würdest du gern verschwinden lassen?

Lexy Hell: Mein Lieblingstattoo sind meine beiden Herzen auf den Handrücken, weil ich damit viel verbinde. Einmal rechts die Koordinaten meiner Heimat und das böse Herz mit den Hörnern - steht für meine schlechte Kindheit und dass ich viel durchmachen musste - und links das Herz mit Flügeln steht für Berlin, ein positiver neuer Start, meine neue Heimat. Und Berlin hat mir bis jetzt wirklich Glück gebracht. Außerdem mag ich den Stil. Schön bunt, knallig, ein wenig kitschig und dicke Linien. Da ich alle meine Tattoos ok finde, würde ich keines verschwinden lassen wollen, jedes hat seine Berechtigung und man sollte dazu stehen ;)

Foto: Hanja Li - inspiration online

Was macht für dich einen Mann faszinierend?

Lexy Hell: Ausstrahlung, ein guter Charakter, Fehler und Macken! Das macht einen Mann erst interessant. Perfektion und so Schönlinge sind langweilig. Ich mag markante Gesichter, am liebsten mit dunklen Haaren und grünen Augen :) Männer, die mit beiden Beinen im Leben stehen und wissen was sie wollen. Keine Aufreißer und die zu sehr von sich überzeugt sind. Dann lieber etwas zurückhaltender.

Hunderte Tattoos + Brautkleid, das würde eine Herausforderung für jeden Designer werden - welchem Designer würdest du diese Aufgabe anvertrauen?

Lexy Hell: Ich finde diese Kombination großartig und es passt wunderbar! Wenn es bei mir mal so weit sein wird, dann wird eine ganz liebe, befreundete Designerin das machen, Valena Fürstenberg von Pony Mädchen. Und die Kleider von Elie Saab sind der absolute Traum!

Und wo würdest du heiraten wollen?

Lexy Hell: Ich habe schon immer gesagt: Ich will irgendwann am Strand heiraten . Hawaii, Seychellen, Malediven. Barfuß und nur mit den Trauzeugen, ganz klein und intim, kein großes Tamtam.

Foto: Hanja Li - inspiration online

"Ich erinnere mich, dass »Cruisen« von Massive Töne lief, während Paul an mir rumfummelte. Zum ersten Mal sah ich einen echten Penis aus nächster Nähe, dessen Anblick mich völlig verstörte. Noch viel verstörter wurde ich, als Paul mich dann auch noch mit einem dezenten, aber direkten Griff an meinen Kopf aufforderte, dieses Ding in den Mund zu nehmen. Ich weigerte mich mit einem Kopfschütteln und sah Paul dabei zu, wie er sich den Penis selbst steif rieb. Als es dann tatsächlich losging, war ich völlig unterkühlt und damit alles andere als in Stimmung. Ich ließ alles einfach nur geschehen ..." *

* Auszug "Mein wildes Leben zwischen Laufsteg und Swingerclub"

Dein erstes Mal war eine Katastrophe - was gehört für dich heute zu großartigem Sex dazu?

Lexy Hell: Oh ja, wie bei den meisten Mädels, denke ich :). Das ist schwierig zu sagen, kommt auf den Moment an, aber auf jeden Fall Vertrauen, dass man sich fallen lassen kann und auch Abwechslung, sonst schläft das Sexleben irgendwann ein, einfach vieles ausprobieren, ob Stellungen, verschiedene Orte, was auch immer einem Spaß macht und offen darüber sprechen und auf den Partner eingehen.

"Mein Fahrtziel zeichnet sich durch die Abwesenheit von Tageslicht und die Anwesenheit vieler nackter Menschen aus. Ich habe Frühschicht im Swingerclub. Heute muss ich von acht bis sechzehn Uhr wieder hinter dem Tresen stehen. Zwischen Peitschen, Sperma und Pornos, die rund um die Uhr auf dem Fernseher in der Ecke laufen ..." *

* Auszug "Mein wildes Leben zwischen Laufsteg und Swingerclub"

Du hast lange als Bardame in einem Swingerclub gearbeitet - meinst du, dass ein Besuch dort einem Paar helfen kann, eine langweilige Beziehung zu retten?

Lexy Hell: Ich denke nicht. Da die meisten Paare viel zu eifersüchtig sind, um den Partner zu teilen oder sich auch nur beobachten zu lassen und schnell überreagieren wenn ein Partner meint, der andere habe jetzt ja geflirtet. Ich habe in den drei Jahren, in denen ich da gearbeitet habe, keine echtes Paar getroffen, dass problemfrei swingen war (die meisten Swingerpaare sind im echten Leben kein Paar!). Ich glaub', es ist besser, man macht einen schönen Urlaub zusammen oder mietet sich ein tolles Hotelzimmer oder lässt sich was anderes Romantisches einfallen, aber ein Swingerclub kann definitiv keine Beziehung beziehungsweise den Sex retten!

Wie stellst du dir deine Zukunft vor?

Lexy Hell: Mit Mann, Haus und Kindern. Und ich möchte noch viel reisen, viel von der Welt sehen.

Bist du denn gerade in festen Händen?

Lexy Hell: Nein. Es ist nicht so einfach, einen Mann mit ernsten Absichten zu finden.

Die ganze Geschichte von Lexy Hell gibt es in diesem Buch zu lesen:

Lexy Hell mit Christiane Hagn | Eden Books | Mein wildes Leben zwischen Laufsteg und Swingerclub | IS BN 978-3-944296-52-4

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