Liebe: Bin ich reif für eine Vernunftehe?

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Statt Liebe: Wann ist eine Vernunftehe eine gute Lösung für mich?
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Wann Sie der vernünftigen Liebe eine Chance geben sollten

Romantik und Leidenschaft sind wunderbar. Aber leider hat nicht jeder Mensch auf dieser Erde das Glück, seinem Traumpartner zu begegnen. Wir suchen und suchen und bleiben doch viel zu oft alleine.

"Wenn wir mit 30 noch Single sind, dann heiraten wir beide"

So viele Leute haben diesen Satz schon mal angetrunken irgendwo im Spaß zu einem guten Freund gesagt. Aber in echt jetzt? Eigentlich will das doch keiner durchziehen.

Dabei war es vor einigen Jahrzehnten noch ganz normal, dass Menschen sich aus wirtschaftlichen Gründen zusammentaten. Heute ist eine solche Vernunftehe eher verpönt. Alle wollen die große Liebe und Funken. Dabei kann sich auch aus einer mit Vernunft gestarteten Beziehung eine wunderschöne Liebesgeschichte entwickeln. Die Funken, die kommen dann vielleicht später und bleiben dafür länger.

Wenn die Baby-Uhr beginnt, zu ticken ...

Wann es sich lohnt, über eine Vernunftehe nachzudenken und einem Mann oder einer Frau eine Chance zu geben, obwohl wir nicht verliebt sind und bei ihrem Anblick keine Schmetterlinge im Bauch haben, und wie wir so ein Wagnis am besten hinkriegen, erklärt uns Parship-Single-Coach Eric Hegmann .

Wann sollte ich ernsthaft über eine Vernunftehe nachdenken?

Eric Hegmann: Ehe und Familiengründung kommt statistisch für die meisten Deutschen erst ab 30 ernsthaft in Frage. Und genau dann ändern sich auch bei der Partnerwahl die Prioritäten: es geht um Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, ausreichend Zeit und Geld für eine Familie und sogar um Altersvorsorge. Insofern ist dann gut, neben dem Herz auch ganz viel Verstand entscheiden zu lassen und sich nicht allein vom Verliebtsein tragen und führen zu lassen.

Wie finde ich einen Partner für eine Vernunftehe?

Es hilft, und das soll nicht moralisch klingen, mit dem Sex zu warten, bis man sich kennen gelernt hat. Warum? Das liegt vor allem am Kuschelhormon Oxytocin, das für eine sehr starke Bindung sorgt. Das ist der Grund warum schon so viele Singles nach einem One Night Stand das Gefühl hatten, sie wären neben dem Partner fürs Leben aufgewacht. Wir verlieben uns ja in die Stärken (oder die vermeintlichen Stärken) eines Menschen, wenn der uns sympathisch ist. Die Schwächen erleben wir dann in der Beziehung oder beim Zusammenleben und dann entscheidet sich, ob wir mit denen zurecht kommen. In der Theorie heißt das: etwas länger warten mit dem Sex, damit das Gefühl nicht statt des Verstandes entscheidet.

Worauf sollten wir bei einer Vernunft-Beziehung achten?

Es heißt ja, die Liebe schenkt und die Vernunft handelt aus. Für eine Beziehung ist langfristig wichtig, dass die Partner ihre Interessen ver- und aushandeln können - sonst sind Kompromisse schwierig. Dabei bitte bedenken: Den Einen für immer für Alles gibt es nicht. Das ist schlicht zu viel verlangt. Darum müssen wir für uns entscheiden, mit welchen Stärken und Schwächen bei unserem Partner wir dauerhaft zurechtkommen können. Um diese kennenzulernen, braucht es Zeit, die wir uns unbedingt nehmen sollten.

Aus Vertrauen wird später Liebe

Wie schaffen wir es, aus Vernunft Liebe zu machen?

Die Liebe auf den ersten Blick gibt es ja nicht wirklich, das ist fast immer sexuelle Anziehungskraft. Wenn Sie Studien wie von John Gottman herziehen, der wie kein anderer Paare über Jahrzehnte beobachtet und befragt hat, haben sich bei den meisten glücklichen Langzeit-Paaren erst beim zweiten oder dritten Treffen romantische Gefühle ergeben. Insofern ist es eher die Regel, das aus Sympathie und Vertrauen später Liebe wird. Nehmen Sie als Beispiel die vielen Beziehungen, die am Arbeitsplatz entstehen. Da lernen sich die Partner über einen langen Zeitraum in unterschiedlichen Situationen kennen und entwickeln Gefühle füreinander.

Wird umgekehrt aus Liebes-Ehen immer eine Vernunft-Ehe?

Viele Langzeitpaare sagen, dass die anfängliche Leidenschaft der Harmonie weicht. Das ist ein natürlicher Prozess, denn die dafür zuständigen Hormone und Botenstoffe wirken gegensätzlich. Das heißt aber keinesfalls, dass Leidenschaft nicht auch nach vielen Jahrzehnten Ehe möglich ist . Sie passiert aber nicht einfach nur, sie muss aktiv gepflegt werden. Liebe und Verstand sind kein Widerspruch, wenn Liebe nicht mit Sex und Leidenschaft gleichgesetzt werden. Aber ja: mit zunehmender Vertrautheit verliert die Beziehung immer etwas der Ungewissheit und Spannung, die Leidenschaft ausmacht. Dafür gewinnt das Paar etwas anderes: eine starke Bindung, die nicht von Äußerlichkeiten abhängig ist.

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