Leben mit einer KrankheitLiebe & Diabetes: Ein Leben mit Diabetes zu zweit

Caro und Janis bloggen auf www.zuckerleben.de über ihr Leben als Paar mit Diabetes.
Caro (21) und Janis (22) führen ein gemeinsames Leben als Paar mit Diabetes.
Foto: www.zuckerleben.de

Wie fühlt sich ein Leben mit Diabetes an? Caro und Janis berichten exklusiv für Wunderweib.de aus ihrem Leben als mit Diabetes:

"Sprüche wie „Ist ja witzig, dass ihr BEIDE Diabetes habt!“ oder „Ich stell mir das zu zweit viel einfacher vor!“ hören wir oft. Das stimmt auch - teilweise.

Wir, das sind Caro (21) und Janis (22). Wir haben beide Typ 1 Diabetes seit unserer Kindheit, beziehungsweise Jugend. 

Typ 1 Diabetes ist eine Autoimmunkrankheit, die dafür sorgt, dass unsere Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produziert und entsteht nicht, wie viele denken, durch zu viele Süßigkeiten oder fettiges Essen. Mit Typ 1 Diabetes zu leben bedeutet mit solchen Vorurteilen umzugehen, mehrmals täglich den Blutzucker zu messen und Insulin zu spritzen. Es bedeutet zu wissen, wie sich Wut, Frust, Angst und Verzweiflung anfühlt - öfter, als uns lieb ist. Es bedeutet aber auch, zum Experten im Umgang mit seiner eigenen Erkrankung zu werden, Mut zu haben, seine eigenen Grenzen zu finden und zu überschreiten und in einer Community empfangen zu werden, die einem die eigene Stärke Tag für Tag vor Augen führt. 

Für Außenstehende mag es merkwürdig klingen- doch zu wissen, dass es viele andere gibt, die tagtäglich mit den gleichen Problemen und Freuden des „Diabeteslebens“ umzugehen versuchen ist irgendwie tröstlich. So werden wohl nur Diabetiker verstehen, weshalb ich es für ein romantisches Geschenk halte, wenn Janis mir ein neues Diabetestäschchen schenkt, in das wirklich alles reinpasst. Oder weshalb wir uns über eine neue Sorte Traubenzucker so sehr freuen, dass wir direkt den halben Bestand aufkaufen. Diese kleinen und großen Freuden zu teilen bedeutet auch, sich mit jemandem auf einer Ebene verbunden zu fühlen, die für viele wohl nur schwer greifbar ist. 

Deshalb sind Janis und ich auch unglaublich dankbar dafür, dass wir uns kennengelernt haben. Wie? GANZ romantisch! Über eine Facebookgruppe für Diabetiker.

Seitdem führen wir ein gemeinsames Leben als Paar mit Diabetes und lassen andere an unserem Leben, unseren Gedanken, unseren Hochs und Tiefs auf unserem Blog „Zuckerleben teilhaben. Das führte bereits zu tollen Freundschaften, neuen Gelegenheiten und der großartigen Chance, Aufklärung zu betreiben. 

Gemeinsam mit Diabetes zu leben hat tatsächlich viele Vorteile. Wir sind nie allein mit unserer Angst vor schweren Unterzuckerungen, Angst vor dem Resultat des nächsten Augenarzttermins oder der Angst vor einer Blutzuckerentgleisung, die uns erneut auf die Intensivstation befördern könnte. Natürlich haben wir dadurch auch irgendwie immer „doppelt“ Angst. Zu der Sorge um sich selbst kommt die Sorge um den Partner dazu. 

Doch sich gegenseitig eine Stütze zu sein, vor allem in Zeiten, in denen man sich fühlt als würde einem die Kontrolle über seine Erkrankung entgleiten, ist so viel mehr wert. Keiner von uns muss erklären, wie er sich grade fühlt, während er schmatzend einen Nutellawurstbrot-Apfelsaft-Müsli- Mix in sich hineinschaufelt, weil der Blutzucker grade ins Bodenlose gerauscht ist. Und keiner von uns beklagt sich, weil er die mit gefühlten 20 kg Diabeteskrempel beladene Tasche für den Wochenendtrip zum Auto schleppen muss. 

Apropros Diabeteskram: Platzmangel ist definitiv ein Thema, das in einem Haushalt mit gleich zwei besonders „süßen“ allgegenwärtig ist. Die Schubladenfächer sind vollgestopft mit praktisch verpackten Süßigkeiten gegen die nächste Unterzuckerung. Auf den Boxen unseres TV-Regals türmen sich Berge von Diabeteszubehör: Katheter, Reservoire, Batterien, Lanzetten, Pennadeln. Klingt verwirrend? Keine Sorge - irgendwann steigt man da (mehr oder weniger) durch. 

Wer an Diabetes erkrankt ist, braucht viele Utensilien, um die Krankheit im Griff zu behalten.
Wer an Diabetes erkrankt ist, braucht viele Utensilien, um die Krankheit im Griff zu behalten.
Foto: www.zuckerleben.de

Das Thema Diabetes ist komplex und selbst für die „alten Hasen“ unter uns oft einfach nicht zu verstehen, wenn der Blutzucker mal wieder macht was er will und scheinbar nichts so funktioniert wie es soll. Dann hilft nur eins: Ein Diabetesreset. Den Kopf frei bekommen, sich sammeln und dann wieder voll durchstarten. Die Blutzuckerwerte der letzten Tage und Wochen intensiv aufzuarbeiten, vielleicht wieder beginnen, ein Blutzuckertagebuch zu führen oder einen neuen Termin beim Diabetologen wahrzunehmen kann dann genauso dazugehören, wie sich über eine Veränderung in Form von einer neuen Therapiemethode oder auch einer neuen Schulung Gedanken zu machen.

Für Außenstehende ist oft schwer zu begreifen, was alles hinter der Diagnose Diabetes steht. Vor allem Eltern kleiner Kinder mit Diabetes werden immer wieder mit Vorwürfen belastet, die Kinder selbst sehen ich viel zu häufig mit Mobbing und Ausgrenzung konfrontiert. Dabei sind grade diese Kinder und ihre Familien Helden des Alltags. Sie nehmen ihre neue Situation so gut es geht an, überwinden aufopferungsvoll jede noch so kleine und große Schwierigkeit und wollen dabei vor allem eins: Ein Leben leben, das so nah an die Normalität kommt wie eben möglich. 

Und das schaffen sie!

Täglich beweisen tausende Diabetiker, dass auch mit Diabetes alles möglich ist. Sie sind Rennradprofis, Kickboxweltmeister, Ärzte, Lehrer, Ingenieure, Soldaten und vor allem eins: Unglaublich starke Menschen."

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