Liebe Hausfrau, Herzlichen Glückwunsch zur Beförderung!

susannerueckert
"Wenn wir streiken, geht das Land doch in die Knie"
Foto: tina

Szenen aus dem Leben

Wie, Sie haben es noch gar nicht mitgekriegt? Hatten zwischen Kücheaufräumen, Laubfegen und Sockensuchen noch gar keine Gelegenheit, mal einen Blick in die Zeitung zu werfen? Hausfrauen heißen nicht mehr Hausfrauen, steht da schwarz auf weiß. Von jetzt an dürfen wir uns "Haushaltsführende" nennen.

Na, das ist doch mal ein Wort! Vorbei die Zeiten, in denen wir Kalkränder als persönliche Beleidigung und einen Regenschauer nach dem Fensterputzen als Schicksalsschlag betrachtet haben. Ab heute wird nur noch geführt - und zwar nicht bloß das Konto oder den Hund zum Gassigehen.

Leider steht nicht da, wen genau wir führen dürfen.

Keine Rede davon, dass jeder Hausfrau, pardon Haushaltsführenden, künftig jemand zugeteilt wird, der ihr den Rücken freihält. Keine Gesetzesänderung, die den Arbeitstag von den üblichen zehn bis zwölf auf angemessene acht Stunden begrenzt. Keine Verordnung, durch die Kindererziehung mindestens so hoch dotiert wird wie Fußballspielen.

Stattdessen bekommen wir nur die schlichte Erklärung, das Wort Hausfrau sei nicht mehr zeitgemäß. Außerdem würde es ja auch Männer in diesem Beruf geben, die sich durch das Wort "Frau" vielleicht diskriminiert fühlen könnten.

Wenn Sie mich fragen: Uns (Haus-)Frauen geht es nicht besser, wenn aus einem Salzstreuer plötzlich eine Salzstreuerin gemacht wird - oder eben aus einer Hausfrau eine Haushaltsführende. Uns ist sowieso klar, dass das Land in die Knie ginge, würden wir auch nur einen Tag lang streiken. Wir sind vielleicht zu wenig anerkannt, deutlich unterbezahlt und manchmal zu wenig aufmüpfig, aber wir sind nicht doof. Und mit schicken neuen Etiketten auf alten Produkten kennen wir uns bestens aus - berufsbedingt.

Liebe Userin, was denken Sie über dieses Thema? Über einen Kommentar (unten auf der Seite "Kommentar schreiben") würde ich mich sehr freuen.

Ihre Susanne Rückert