Liebe mich so, wie ich es brauche

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Jeder Mensch braucht seine eigene Art von Liebe.
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Wenn mein Partner meine Liebe nicht versteht

„Ich sehe in Beziehungen sehr viel Unglück, weil Liebe in Formen ausgedrückt wird, die der Partner nicht als Liebe versteht“, sagt der Therapeut Charlie Azzopardi. Zur Lösung schlägt er zwei goldene Regeln vor.

 

100 verschiedene Arten von Liebe

 

Menschen sprechen über die Liebe, als gäbe es nur eine einzige Art von Liebe und als würde jeder darunter das Gleiche verstehen. Liebe ist etwas so Persönliches, dass 100 Menschen, die darüber sprechen, 100 verschiedene Arten von Liebe meinen.

Eigentlich sprechen Menschen über ihre eigene Liebe – über ihre eigene Art, zu lieben und geliebt zu werden. Manche drücken sie durch Hingabe aus, andere über Romantik, Sex oder praktische Arbeit im Haushalt. Menschen mit Kindern neigen dazu, zwei unterschiedliche Arten von Liebe zu verwechseln: Liebe zum Partner und Liebe zur Familie. Wenn ich von einer Liebesbeziehung spreche, meine ich jede Beziehung, die von Liebe geprägt ist, ob Eltern–Kind, Ehemann–Ehefrau, Lebensgefährte–Lebensgefährtin, Freund–Freundin und so weiter.

 

Um eine Liebesbeziehung zu schützen, muss man zwei wichtige Dinge tun:

 

Hier herrschen einige Mythen, die zu großen Enttäuschungen führen können. Zu diesen gehört „Er/sie weiß, dass ich ihn/sie liebe“ – die Annahme, der andere wisse um die eigene Liebe. Das ist ein Trugschluss.

Ihr Partner, Kind, Elternteil, Freund etc. weiß, dass Sie ihn oder sie lieben, wenn Sie das aussprechen und in einer Weise zeigen, die er oder sie versteht. Wenn Sie etwas tun, um Ihre Liebe jemandem zu zeigen, sollten Sie dafür sorgen, dass diese Person die richtige Liebesbotschaft erhält.

Sehr viele Menschen tappen in die Falle, Liebe als selbstverständlich hinzunehmen und hören damit auf, einander ihre Liebe klar zu erklären, weil „er natürlich weiß, dass ich ihn liebe“.

Ich habe Ehemänner und Ehefrauen gesehen, die ihre Liebe auf seltsame, auch abstoßende Art ausdrückten. Zum Beispiel durch Eifersucht, indem sie ihrem Partner verboten, ein Leben außerhalb der Beziehung zu führen. Anfangs könnte man das als Schutz empfinden, aber letztlich wird es erstickend.

 

„Wie kann ich Dir meine Liebe zeigen?“

 

So wird Liebe vom Partner nicht mehr als solche wahrgenommen. Also sollte man geliebten Menschen Fragen stellen wie: „Wie möchtest Du, dass ich Dich liebe, damit Du Dich von mir geliebt fühlst?“, „Wie kann ich Dir meine Liebe zeigen?“, „Welche Art von Liebesbeweis erwartest Du von mir?“

Viele Menschen denken, ihre Partner wüssten auf magische Weise, wann sie Liebe brauchen, und welche Art von Liebe. Solche Erwartungen sind ein verlässlicher Weg zur Enttäuschung.

Zu den verbreiteten Irrtümern gehört die Vorstellung, dass der Partner die Initiative übernehmen sollte, und dass es „nicht mehr spontan wäre, wenn ich ihm sage, wie er mich lieben soll, weil es dann nicht mehr von ihm kommt“.

Menschen wissen nicht, was Sie brauchen und wie Sie es brauchen, wenn Sie es ihnen nicht sagen.

Wenn Sie – wie wir alle– Liebe brauchen , müssen Sie lernen, darum zu bitten. Dann werden die Menschen in Ihrem Umfeld lernen, Sie auf eine Art zu lieben, die Sie als Liebe verstehen.

Wie wir geliebt werden wollen, wandelt sich im Lauf der Zeit. Achten Sie darauf, geliebte Menschen über die Art und Weise auf dem Laufenden zu halten, in der Sie geliebt werden wollen.

Liebe. The World Book of Love

Charlie Azzopardi ist systemischer Familientherapeut und arbeitet seit mehr als 20 Jahren auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit. Dieser Text ist sein Beitrag zu dem Buch "Liebe. The World Book of Love", in dem 113 Psychologen, Soziologen und Philosophen aus der ganzen Welt die Liebe analysieren und wertvolle Beziehungs-Tipps geben. Absolut lesenswert! So genau ist die Liebe noch nie betrachtet worden und das Buch enthält viele wertvolle Gedanken zur Liebe, die uns helfen können, unsere Beziehung liebevoll zu gestalten!

Dumont | ISBN 978-3-8321-6285-6

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Mindfuck Love: So blockieren wir uns selbst in der Liebe

 

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