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Joy

Danke, Orgasmus, wir kommen gern

Joy,

Alles über den Orgasmus

Jeder Sex ist eine Einladung zum Orgasmus – wir müssen sie nur annehmen: Sexpäpstin Anne West verrät, wie das aufregendste Gefühl der Welt zur Selbstverständlichkeit wird.

Mein erster Orgasmus: Ich kam. Und wie!

Sommer 87, ich war 14 und mein erster Sex lag einige Monate zurück. Ich verstand immer noch nicht, was mein Freund von mir wollte, wenn er mir kurz vor seinem Höhepunkt verzweifelt zustöhnte: „Komm, komm doch!“ Bis zu diesem Nachmittag, im Bett seiner Eltern. Ich oben, erstmals. Es prickelte, wenn mein senkrechtes Lächeln sich über seine Bauchmuskeln rieb. Ein süßer Schmerz, der kompakter wurde, sich verdichtete wie eine ballende Faust – und plötzlich wie ein Feuerwerkskörper explodierte. Flüssige Glut, überall, die Grenzen aller bisher gekannten Gefühle dehnten sich. Ich kam. Und wie!

Zum ersten Mal tanzte mein Uterus den magischen Rhythmus der Klimax mit dem jahrtausendealten Beat von 40 orgasmischen Kontraktionen die Minute. Vibrierten 8.000 Klitorisnerven im Chor. Wurde mein Hirn mit der gefährlichsten Droge der Menschheit angefixt: Ekstase. Jetzt hatte ich wirklich vom Baum der Erkenntnis gekostet! Die Stelle der Lust lag nicht in mir, sondern außen!

Reiben am Marsberg geht immer!

Und ihre Entdeckung war das Ergebnis eines Zufalls: Das Kissen unter seinem Rücken drückte mir seine Schambeingegend, den „Marsberg“, entgegen und ich schob mich instinktiv vor und zurück, anstatt rauf und runter. Genauso mache ich es bis heute, denn wenn nichts mehr geht – Reiben am Marsberg geht immer!

Wieso hatte mir mein erster Liebhaber das nicht gezeigt? Er wusste wohl nicht, dass der Kitzler so wichtig ist. Und wirklich zu gefallen schien es ihm auch nicht, denn er ignorierte die Stelle, die für mich so aufregend war wie einst die Entdeckung Amerikas, als ob mein Klein-Amerika irgendwie „falsch“ wäre. Und „richtige“ Orgasmen anders gehen. Aber wie geht der weibliche Orgasmus überhaupt?

So funktioniert der weibliche Höhepunkt

Der Anatom Gabriele Falopius verortete als erster Wissenschaftler die Klitoris 1559 als Sitz weiblicher Lust und nannte sie „Die Süße der Venus“. Grazie, Signore! Die äußere Reizung löst 95 Prozent aller Orgasmen aus – die restlichen fünf Prozent werden durch eine innere Stimulation der Klitoris erreicht.

1998 entdeckte die Chirurgin Dr. Helen O’Connell nämlich, dass das, was wir außen sehen, nur zehn Prozent der Klitoris ausmacht – es ist die Spitze eines Lustberges, der sich unter der Haut in zwei Flügel aufspreizt, die auf neun Zentimetern den Vaginaschlupf „umarmen“, und diverse Ausläufer, die bis in die Schenkel gehen.

Zudem reicht die Wurzel der Klitoris daumendick in Richtung vorderer Scheideninnenwand, da, wo fälschlicherweise der G-Punkt vermutet wird. Den es genauso wenig gibt wie den Freud’schen „vaginalen, erwachsenen“ Orgasmus, der nur durch das Reinraus eines Penis zustande kommt! Nein, wir Frauen bräuchten nicht mal einen Schwanz, ein kleiner kreisender Finger auf Klein-Amerika täte es genauso (quietschnass bitte!).

Geschickte Finger

Dennoch: Die Liebkosung der „Kükenzunge“, wie die Klitoris im Tao genannt wird, ist trotzdem nicht der garantierte Weg zum Glück. Das wäre zu einfach – und einfach soll es gar nicht sein, laut einer britischen Studie über Muster der Partnerwahl: Frauen wählen jenen Mann zum Dauergefährten, der ihnen geduldig bis zum Höhepunkt assistiert. Da sag noch einer, Geld regiert die Welt – es sind geschickte Finger!

Doch jede Frau weiß: Selbst die kundigsten Hände helfen manchmal nicht. Kein Wunder: Der Orgasmus ist für das weibliche Gehirn eine tödliche Gefahr, die es unter allen Umständen zu vermeiden gilt!

Der Orgasmus als Gefahrgut

Unsere Lust wird von einem fünf-Cent-kleinen Stück Gewebe im Zwischenhirn gelenkt: dem Hypothalamus. Er steuert die Hormone, das vegetative Nervensystem und vor allem: Er löst den Orgasmus aus. Diese kleine Drüse braucht weder Mann noch Masturbation, um den Beckenboden zum Tanzen zu bringen. Jetzt kommt das Aber: Wir sind zu schlau dafür.

Für das weibliche Großhirn – den Verstand – ist ein Orgasmus eine tödliche Bedrohung. Denn währenddessen sind überlebenswichtige Fähigkeiten wie Schmerz, Angst oder Selbstkontrolle abgeschaltet. Das Gehirn wehrt sich folglich gegen einen Big Bang, weniger bei der Onanie, aber vor allem beim Sex mit einem Mann.

Schutzreflex des weiblichen Gehirns

Ein Schutzreflex, den Männer übrigens nicht haben – ihr Orgasmus dauert nicht lange genug für einen Brain-Blackout ... Bei uns aber plappert das Großhirn ständig dazwischen: „Habe ich meine Beine rasiert? Ist das eine Reißzwecke oder eine Spinne da an der Wand?!“

Diese Schutztaktik zu überwinden ist eine Herausforderung – die beliebteste (Männer-)Masche ist Alkohol, der einer Frau das Hirn aus- und die Lust anknipsen soll. Bei mir hilft übrigens Licht aus und an den besten Sex denken, den ich je hatte. Denn anstatt den Verstand anzugreifen, sollte man(n) ihn bestechen!

Licht aus, Heizung an, leck mich!

Nennen wir ihn Tom. Er war Kameramann und ein Seitensprung. Ich war 29 und kam, kaum dass er sich in mir bewegte. Ein „life changing orgasm“, der erste Orgasmus unter einem Mann und ohne Beihilfe meiner Finger! Mister Tom hatte meinen Kopf, den ewigen Zweifler und Störer der Lust, korrumpiert und sich beim Koitus mehr auf meine Klitoris konzentriert statt auf sein Ding.

Mister Tom hatte mir das Gefühl vermittelt, aufregend und attraktiv, intelligent und witzig zu sein – Komplimente sind das Gleitmittel der Lust, sie stimmen die Kritikerin im Kopf milde, die sich so einmischt: „Bin ich zu dick? Findet er meine Brüste doof oder warum macht er gerade die Augen zu?! Sollte ich mich nicht sexier bewegen?“

Kleine Räume vermitteln Sicherheit

Wir mieteten ein kleines Hotelzimmer – kleine Räume vermitteln Sicherheit, eine Sorge weniger für den weiblichen Verstand –, er stellte die Nachttischlampe auf den Boden, das zarte Licht vertrieb alle Schatten, ohne aber meine Problemzonen auszuleuchten. Er massierte meine Füße, machte sie warm, er leckte Klein-Amerika und sämtliche Anrainer, und er behandelte die Venussüße nicht wie einen Fleck, den es wegzurubbeln galt, sondern zart.

Sie blühte ihm entgegen, anstatt sich taub zu stellen oder in der Versenkung zu verschwinden, wie sie es bei den Liebkosungs-Legasthenikern getan hatte. Und sein lässiger Umgang mit Zeit entspannte mich zutiefst. Der Sex würde nicht zu Ende sein, wenn er gekommen war! Außerdem gab mir Mister Tom die Sicherheit, dass er meinen Orgasmus wollte – aber für mich. Nicht für sich, um seine „Anstrengung“ zu würdigen!

Erotische Fantasien

Das war auch anders als mit diesen Typen, die zwar immer hofften, dass ich irgendwie, per Feenstaub und am liebsten simultan mit ihnen den Gipfel erstürmte – die aber so gar nicht bereit waren, etwas dafür zu tun, außer sich im Liegestütz zu verausgaben! In all diesem sorglosen, geilen Schweben mit Tom jedoch hatte mein Verstand genug Glücks- und Entspannungsdrogen intus, um das Risiko eines Orgasmus einzugehen.

Mir wurde klar: Ich hatte mich die letzten Jahre nicht genügend darum bemüht, es mir so orgasmusnett wie möglich zu machen, und meine Liebhaber, ob aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit, auch nicht. Wissen Sie, wie Sie es gern hätten, um sich seelisch und körperlich rundum wohlzufühlen?

Sport, Atem- und Entspannungstechniken

Manche nutzen Atem- und Entspannungstechniken, um den Geist von Jobproblemen und Einkaufszetteln zu befreien. Sport oder eine heiße Wanne helfen, den Verstand runterzudimmen, noch besser sind erotische Fantasien, die Sie übrigens gern mit in den Sex hineinnehmen dürfen! Wie wäre es außerdem mit ... Kerzenlicht! Heizung an! Massageöl, damit es besser glitscht! Gut duftender Bettwäsche, weil Ihr Geruchssinn sich am ehesten irritieren lässt. Musik an, weil Sie Ihr Stöhnen im Mantel des Sounds verstecken können.

Unsinnliche Details sollten Sie aus dem Blickfeld räumen. Etwas Kleines essen vorher. Ein Glas Prosecco trinken. Leiten Sie den Koitus ein und lassen Sie sich Zeit, bevor er eindringt und das so langsam, dass Sie jeden Zentimeter mitkriegen. Fühlen Sie sich sicher. Dazu gehören: Sind wir vor Angriffen und Überraschungen (Besuch, Nachbarn) sicher, fühle ich mich in diesem Raum geborgen (schließen Sie stets die Tür, sonst ist ein Teil des Hirns damit beschäftigt, auf Attacken zu lauern), bin ich sicher vor einer Schwangerschaft, fühle ich mich gut mit diesem Mann?

Rundum-sorglos-Lust

Der weibliche Orgasmus ist das vermutlich launischste Geschöpf des Universums. Denn auch wenn Mister Tom alles richtig machte und zudem noch zyklusbedingte Geilheit (Frauen kommen leichter kurz vor der Periode) und emotionale Erregung (Seitensprung!) im perfekten Winkel zueinander standen – so heißt das nicht, dass alles ganz easy läuft!

Frauen kennen viele Orgasmusstörer, denen auch mit Kerzenlicht, Tür zu und warmen Füßen kaum beizukommen ist: ein ungeklärter Streit, eine nicht erledigte Arbeit, Stimmen aus der Nachbarwohnung, Angst, nur von dem Kerl beschlafen und dann nie wieder angerufen zu werden.

Aber, wissen Sie was: Das ist definitiv normal. Wir sind denkende, fühlende Wesen, und wenn wir Sex haben, dann nie nur mit unserem Genital, sondern mit unserer kompletten Persönlichkeit. Wir bringen Religion und Irrtümer mit ins Bett – wie etwa den Mythos, dass Frauen „nicht unbedingt einen Orgasmus brauchen“ oder dass „Lust Sünde ist“. Oh, bitte!

Sexuelle Frustration macht unglücklich

Ein Höhepunkt ist natürlich nicht der einzige Hit am Sex – aber wir hätten ihn gern öfter. Stellen Sie sich vor, Sie könnten massenhaft Desserts essen, ohne je zuzunehmen. Genau so sind die Orgasmen: Es schadet nichts, so viele wie möglich davon zu haben. Aber es schadet, sie immer nur „fast“ zu haben und sich selbst anzulügen.

Das ist völlig in Ordnung, Schatz, Hauptsache wir lieben uns: Auf Dauer verändert sexuelle Frustration die Struktur im Gehirn, Seele und Körper werden traurig und verspannt. Machen Sie sich glücklich – und auch den Mann an Ihrer Seite. Der hat Ihnen eh nie geglaubt, auch ohne Höhepunkt befriedigt zu sein. Sie haben es ihm und sich damit nur zu bequem gemacht, sich nicht um Klein-Amerika und Entspannung zu kümmern. Legen Sie doch bitte Hand an, um Body und Brain auf Orgasmus zu polen!

Solo für Dame, Doppel mit Herr

Beim Sex war ich in meinem Leben öfter „kurz davor“ als „glücklich danach“. Entweder war der Herr zu rasch fertig und dann „zu müde“. Oder es störte mich seine Art zu küssen, zu lecken, sich dabei im Spiegel zu betrachten. Immerhin hatten diese Liebhaber einen Vorteil: Ich lernte das Solo für Dame.

Mein erster selbst gemachter Orgasmus, mit 19, eröffnete mir die Flucht aus einem unbefriedigenden Liebesleben. Ich bin mir die treueste Liebhaberin, meine Eigenregie ist die süßeste Befriedigung all meiner Fantasien, immer wiederholbar, immer perfekt, immer zu haben, ganz ohne Beziehungsarbeit, Dirty Talk oder dreckiges Geschirr.

85 Prozent der Frauen kommen problemlos bei der Selbstbefriedigung

Ich kann es mit zwei Fingerspitzen und sogar beim Autofahren, blättere durch eine Auswahl sorgfältig komponierter Sexfilme im Oberstübchen. Dann komme ich unter meiner Hand, nach kaum drei Minuten. Ich bin übrigens der Kleine-Kreise-Typ, viele machen aber auch den „Fächer“: zwischen zwei Fingern auf und ab.

86 Prozent aller Frauen, so Studien, nehmen ihren Orgasmus regelmäßig selbst in die Hand. „Kommunikation mit sich selbst“ nennen das Psychologen und „sie hilft, selbstständig zu denken“. Erst wenn eine Frau weiß, zu welchen Lustgefühlen sie fähig ist, erst wenn sie weiß, wie sie mit Fingern, Fantasie oder Vibrator dorthin kommt, kann sie einem Mann zeigen, wie er sie in dieses weite Land der Lust begleitet.

Lass mich das machen, Liebling

Das innere Lächeln einer satten Katze, das ist mein Orgasmusgefühl danach. Manchmal scheint ein Korken auf der Lust zu stecken und ich komme en miniature, ein Orgasmini, mehr ein Nieser als ein Vulkanausbruch. Jeder Höhepunkt ist anders, jeder freut mich, die kleinen und die fulminanten.

Ich vergesse seit Mister Tom niemals mehr, dass Orgasmen meine Seele zum Strahlen bringen. Ich nehme Stellungen ein, die Klein-Amerika liebt. Meine Favoriten: „Cowgirl“, also ich oben, oder der „C.A.T.-Tango“ – bei der „Coital Alignment Technique“ ist er oben und sein Schambein tanzt mit meinem Venushügel.

Manchmal komme ich vor dem Sex mithilfe meines Partners, wenn ich ahne, dass es mir heute zu kompliziert ist, erst die beste Position zu suchen. Oft tue ich es zwischendurch, allein, weil nichts die Haut jünger macht. Ich komme gern und das ist es, was ich mir für jede Frau wünsche: Das Bekenntnis, kommen zu wollen. Nur für sich.

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