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Der Kick im Kopf

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Erotische Fantasien

Hinter der Stirn liegt das beste Pornofilm-Studio, das es geben kann: Die Stoffe für erotische Fantasien sind grenzenlos. Sophie Andresky, Deutschlands erfolgreichste Erotikbuch-Autorin, begab sich für uns an den Set der geheimen Abgründe.

Es ist spät in der Nacht, der Hinterhof nur spärlich beleuchtet. Die Frau steht im extrem knappen Minirock vor dem Türsteher der angesagten Diskothek. Drinnen wummern die Bässe und sie erinnert sich, was sie über diesen Club gehört hat: dass es da drin Darkrooms gibt und Podeste, auf denen wildfremde Menschen miteinander Sex haben.

Der Türsteher ist ein bulliger Kerl mit Glatze. Er mustert sie abschätzig von oben nach unten. „Hier kommst du nur rein, wenn du richtig feucht bist“, sagt er, „das muss ich kontrollieren“, und er winkt sie herrisch hinter sich.

Sie trippelt auf ihren High Heels an ihm vorbei und stellt sich mit dem Gesicht gegen die Mauer. Er schiebt ihre Füße grob auseinander und greift ihr ohne weitere Worte zwischen die Beine. Noch bevor seine Finger in sie eindringen, hat sie ihren ersten Orgasmus.

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Erotische Fantasien sind nicht immer schön. Die, in denen Keanu Reeves auf Knien vor dem Bett um Einlass winselt und Komplimente ausspuckt wie eine Tennisballmaschine, gibt es natürlich auch, und diese zu akzeptieren, ist auch nicht allzu schwierig. Aber die heimlichen Kopffilme, die Hinterhofszenarien, das, woran man tatsächlich beim Masturbieren oder beim Sex mit dem Partner denkt, sind ein ganz anderes Kaliber.

Sie sind oft erschreckend, verunsichernd und scheinen so wenig mit uns zu tun zu haben. Kaum eine Frau würde sich eine derartige Behandlung von einem Türsteher gefallen lassen und dabei auch noch Lust empfinden. Aber genau das macht sexuelle Fantasien aus. Man fantasiert nicht nur die Szene, die Figuren und die Handlung, sondern auch die Gefühle.

Das macht die Kopffilme tatsächlichen Pornoproduktionen haushoch überlegen. Pornos bieten ein Repertoire der Nackigkeiten, dessen Rollen und Perspektiven fest zementiert sind. Sexuelle Fantasien aber sind so wandelbar wie die Frau, die sie sich ausdenkt.

In den Fantasien ist alles möglich

Nicht nur, dass sich der Inhalt, die Kameraführung und der Grundton von romantisch verspielt bis sadomasohart variieren ließe, man kann auch zwischen den Personen switchen. Mal ist man die willige Clubgängerin und mal der rohe Türsteher. Plötzlich dominiert die vorher scheue Frau den groben Klotz und befiehlt ihm, sie zu befriedigen.

Die gesamte Pornofilmindustrie hat nicht so viele Möglichkeiten wie das eigene Gehirn. Man muss sich nur trauen. In den Fantasien ist alles möglich. Gewalt und Unterwerfung werden als lustvoll erfahren, die schüchterne Hausfrau mutiert zur gnadenlosen Herrin, das glücklich monogame Paar tobt sich mit einem Dutzend Swinger aus und auch lesbische und schwule Abenteuer gehören zum gängigen Repertoire.

All diese grell ausgeleuchteten, manchmal hässlichen oder grotesken Bilder, die sich so fremd anfühlen, wenn man in einem klaren Moment darüber nachdenkt, lassen sich besser einordnen, wenn man sich klarmacht, dass es drei verschiedene Kategorien von Fantasien gibt.

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TabubrücheZur ersten Gruppe gehören Szenarien, die nur in der Fantasie erregen, die man aber keinesfalls umsetzen möchte. Dazu gehören auch die oft zitierten Vergewaltigungsfantasien, die weder etwas mit tatsächlichen Vergewaltigungen noch mit Wunschdenken zu tun haben. Es geht vielmehr um die Möglichkeit, ganz passiv sein zu können, die Kontrolle abzugeben und sich nicht kümmern zu müssen. Die wenigsten Frauen, die sich mehrere Partner im Bett vorstellen, wagen tatsächlich den Schritt in den Swingerclub. Und egal wie oft eine Frau es im Kopf mit der Kollegin treibt, ist das kein Anzeichen für verdrängtes Lesbentum.

TrockenübungenDie zweite Kategorie umfasst sexuelle Wünsche, die man tatsächlich umsetzen möchte. Sex im Freien oder im Badesee zum Beispiel. Den attraktiven Kunden verführen oder mal ohne Höschen tanzen gehen, eine Augenbinde beim Sex tragen oder im Kino fummeln.

TraumtänzeEtwas ganz anderes, das von Frauen aber oft mit sexuellen Fantasien verwechselt wird, weil es ähnlich kribbelt, sind romantische oder emotionale Kopffilme. Das prasselnde Kaminfeuer ist ein Klassiker oder der Strand, dazu ein Mann wie eine Mischung aus dem jungen Antonio Banderas und Jude Law, der zärtlich die Dinge flüstert, die man schon so lange nicht mehr (oder noch nie) gehört hat.

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Frauen verwechseln häufig emotional weichgezeichnete Seelen-Masturbationen (den „Traumtanz“-Typ von eben) mit richtigen sexuellen Fantasien und wundern sich, wenn sie im entscheidenden Moment nicht wirklich erregt werden. Das Problem dieser virtuellen Romantik ist, dass sie zwar knisternd sein kann, aber nicht als heiße Masturbationsvorlage taugt.

Ein Kaminfeuer ist super, bringt einen dem Orgasmus aber keinen Schritt näher. Das schafft eher der bullige Türsteher mit seinen gebellten Anweisungen. Männer wiederum verwechseln manche sexuellen Fantasien mit erotischen Wünschen, und zwar nicht nur bei der Partnerin, sondern auch bei sich selbst.

Da schenkt er ihr diesen superheißen Lack-Catsuit mit offenem Schritt, den sie in ihren eigenen Fantasien immer trägt, und ist beleidigt, dass sie ihn im Schlafzimmer nicht anziehen will. Leider hat er übersehen, dass sie in diesen Fantasien nicht nur ein rolliges Kätzchen in Latex ist, sondern auch eine absurd schlanke und durchtrainierte Sexbombe, gegen die Lara Croft ein moppeliges Mauerblümchen ist.

Schwierig wird es auch, wenn Männer ihre eigenen Fantasien für bare Münze nehmen. Lässt er sich tatsächlich mit drei Frauen gleichzeitig ein, weil Gruppensex beim Onanieren sein absoluter Lieblingskopfporno ist, kann der Moment sehr ernüchternd werden, wenn ihm klar wird, dass er von der geballten Frauen-Power im Bett rettungslos überfordert ist.

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Um Enttäuschungen zu vermeiden, hilft es, sich Folgendes klarzumachen:

• Sexuelle Fantasien sind Orgasmuskicks, keine tatsächlichen Wünsche.

• Romantische Herzschmerzfantasien streicheln mehr die Seele als die Klitoris. Sie können durchaus eine Art Vorfilm sein, um einen in Stimmung zu bringen oder um sich langsam an Kopfpornos heranzutasten. Wenn man beim Ausspinnen aber feststellt, dass sie einen auf dem Weg zum Orgasmus nicht weiterbringen, sollte man es mal mit einem anderen Genre versuchen.

• Manchmal spielt der eigene Partner in diesen Filmen eine Rolle, manchmal nicht. Falls nicht, ist ein schlechtes Gewissen überflüssig, denn im Separee der Fantasie ist man ganz allein, hat keine Vergangenheit und keine gemeinsame Gegenwart. „Mein Bauch gehört mir“ war ein Slogan der frühen Frauenbewegung. Für den Kopf gilt das genauso.

Unzensiert: Wie Fantasien die Lust befeuern

Erotische Fantasien sind weit mehr als nur virtuelle Vibratoren fürs Hirn. Abgesehen davon, dass sie heiß und feucht machen, können sie enthemmen und einem selbst neue Facetten vom eigenen Ich zeigen. Allein die ungewohnten Rollen und unkorrekten Gedanken zuzulassen, befreit schon.

Bei sexuellen Fantasien ist alles erlaubt, es gibt kein Limit, keine Regeln, keine Political Correctness, keine Rechtfertigung. Damit sind sie auch perfekt, um Spannung abzureagieren. Sie lassen neue Ideen zu und manchmal rutscht vielleicht eine davon ganz unmerklich von der reinen Fantasie zu den Wünschen. Vor allem aber machen Fantasien Lust.

Als Gehirn-Viagra kann man sie jederzeit und überall einsetzen – ob allein beim Masturbieren oder beim Sex mit dem Partner. Und das hat auch rein gar nichts mit Fremdgehen zu tun. Sein Lustzentrum im Gehirn beim gemeinsamen Liebesspiel ein bisschen zu kitzeln, indem man sich die Nachbarin ins Bett denkt oder einen gestrengen Kerkermeister, ist dabei genau das Gleiche, wie sich selbst beim Akt die Klitoris zu streicheln, damit die Penetration noch schöner wird.

Alles am eigenen Körper darf man so stimulieren, wie man es zum ekstatischen Jubeln braucht, sei es die Intimzone oder das größte Lustorgan, das man überhaupt hat, das Gehirn. Und wenn es zum Dirty Talk kommt, braucht man ihm dann eigentlich nur noch den Film zu beschreiben, den man sowieso gerade zwischen den Ohren laufen hatte.

Warum es manchmal eine Privatvorstellung sein sollte

Dirty Talk hin oder her: Mit dem Reden ist das so eine Sache. Normalerweise lautet ja das oberste Gebot für guten Sex: „Sprechen Sie darüber.“ Das ist sicherlich auch sehr sinnvoll, aber bei erotischen Fantasien sollten Sie mit Ihrem Mitteilungsdrang vorsichtig umgehen. Was bringt es, ihm mitzuteilen, dass es zwar er ist, der sich im heimischen Schlafzimmer abmüht, im Kopf aber Shahrukh Khan die Cunnilingus-Meisterschaft gewinnt?

Auch eine Aussage wie „In meinen Fantasien haben wir viermal nacheinander Sex und dein Schwanz steht immer und ich komme und komme und komme“ hilft in der Partnerschaft nur sehr eingeschränkt weiter. Und dass man sich vorstellt, sich in einem vollen Kaufhaus mitten in der Bettenabteilung von allen Männern auspeitschen zu lassen, die gerade vorbeikommen, wird ihn nur befremden.

Und wie schon gesagt: Es besteht immer die Gefahr, dass der eigene Partner bei solchen Offenbarungen nicht zwischen Film und Wunsch unterscheiden kann – und sich bei nächster Gelegenheit ein Flageller-Arsenal besorgt.

Happy End: Allein mit Mr. Big

Außer der möglichen Verunsicherung des Partners gibt es aber noch einen Grund, die eigenen Obsessionen für sich zu behalten: Manchmal löst sich die Magie der Fantasien einfach in Luft auf, wenn sie ausgesprochen, diskutiert oder belächelt wurde.

Dann ist der Film als Orgasmus-Booster nicht mehr zu gebrauchen. Und das wäre schade. Denn der schmierige Türsteher, der sich mit seinen kalten Händen unter dem paillettenbesetzten Minirock zu schaffen macht, der war doch schon in vielen Nächten ein zuverlässiger Begleiter beim Schritt über die Schwelle in eine Welt voller Lust …

Sophie AndreskyWurde 1973 geboren und lebt als freie Autorin in Berlin. Ab dem nächsten Monat schreibt sie eine regelmäßige Sex-Kolumne in JOY. Zu den bekanntesten Büchern der erfolgreichsten Erotikbuch-Autorin Deutschlands zählen „Fuck your friends“ und „Vögelfrei“, beide erschienen bei Heyne Hardcore. www.sophie-andresky.de

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