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Guter Sex für immer

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Psychologie

Wenn die Lust zur Liebe wird, schleicht sich der Alltag in die Erotik: Zwei Experten verraten, wie das Prickeln im Bett nie nachlässt

Anfangs, wenn wir frisch verliebt sind, ist alles leicht: Da verzehrt man sich nach dem anderen, möchte ihn am liebsten auffressen und das Bett nicht mehr verlassen. Doch sobald aus Verliebtheit Liebe wird, aufregende Unsicherheit angenehmer Vertrautheit weicht, ziehen wir von Wolke sieben in den gemütlichen Alltag um.

Klar, Sex findet statt, ist aber längst nicht mehr so wild wie früher. Irgendwie normal, der zehnte Fallschirmsprung ist auch nicht so spannend wie der erste. Doch damit muss man sich nicht abfinden: Auch in einer Beziehung kann man das Prickeln erhalten - oder neu entdecken. Die Paartherapeuten Prof. Dr. Ulrich Clement und Esther Perel wissen wie. In den Büchern "Guter Sex trotz Liebe" und "Wild Life" fordern sie: Paare müssen neugierig auf sich bleiben, ihr erotisches Potenzial entfalten. Und das ist gar nicht so schwer.

Guter Sex passiert - beim Sex!

Das klingt banal, ist aber so: "Wichtigste Voraussetzung für guten Sex ist, überhaupt Sex zu haben", sagt Dr. Clement. "Aufregende Sexerlebnisse hat man nur, wenn man auch weniger aufregende akzeptiert. Das ist wie mit Partys: Wer vorher die Garantie will, dass die Stimmung gut ist, geht letztlich gar nicht hin, weil das niemand garantieren kann.

Aber wer in Kauf nimmt, mal auf einer mäßigen Party zu landen, ist auch dabei, wenn es richtig abgeht." Doch setzen Sie sich nicht unter Druck. Peilen Sie keine Schlagzahl an, die Sie für "normal" halten: "Normal" (im Sinne von "wie oft schlafen andere miteinander") gibt's nicht. Und wer sich Statistiken unterwirft (zwei-, dreimal pro Woche etc.), verkrampft. Locker bleiben - und dabei sein, wenn's richtig abgeht!

Lust auf eine spontane Nummer?

Die meisten von uns glauben, dass Sex mit der Zeit nicht mehr so spontan ist wie am Anfang", erklärt Esther Perel. "Dabei ist er gerade am Beginn einer neuen Liebe top geplant. Vor jedem Treffen grübeln wir: Was ziehe ich an? Welche Musik lege ich auf? Wie kann ich den anderen verführen? Das ist nicht spontan, das ist überlegt!" Und je länger eine Beziehung dauert, desto weniger planen wir die erotischen Begegnungen mit unserem Partner.

Schade, denn Vorfreude ist die schönste Freude und erzeugt Verlangen. Fangen Sie wieder an zu planen! Stellen Sie sich detailliert vor, was Sie im Bett vorhaben. Rufen Sie Ihren Partner einfach im Büro an und teilen ihm mit: "Heute will ich dich um Punkt acht zuhause nackt in der Badewanne finden! Den Champagner bringe ich mit ..."Verführen Sie ihn wie früher, auch in einer langen Partnerschaft macht es Spaß, den anderen um den Finger zu wickeln. Oder probieren Sie mal den nächsten Punkt aus...

Abstand halten

Esther Perel ist sicher: "Erotik wird nicht durch zu wenig, sondern durch zu viel Nähe verhindert." Deshalb bedeutet besonders große Liebe leider auch nicht automatisch besonders guten Sex. Eine Ansicht, die Ulrich Clement teilt. Distanz, so schlägt er vor, belebt und hilft, den anderen wieder neu kennen zu lernen. Ein paar konkrete Ideen:

Gehen Sie zusammen zu einer Party - und tun Sie so, als würden Sie sich nicht kennen. Gerade die verwunderte Reaktion Ihres bekannten Umfelds kitzelt Spaß und Lust umso mehr.

Ihr Partner soll einen Vortrag halten? Super! Setzen Sie sich ins Publikum, und hören Sie ihm zu, wenn er sich von seiner professionellen Seite zeigt. Bewundern Sie ihn für das, was er kann, das macht sexy.

Stellen Sie sich vor, Sie wären zuhause nicht ungestört, vielleicht, weil Sie die Handwerker im Haus haben. Wo ist Platz für Sex? Suchen Sie kichernd ein Hotel? Treiben Sie's im Auto, im Park? Egal, wie vertraut Sie sich sind, ungewohnte Situationen wecken die frühere Aufregung.

Wichtig: Bewahren Sie sich Ihre Freiräume! Sichern Sie sich zuhause eine Ecke, die nur Ihnen gehört, pflegen Sie Interessen und Freundschaften, mit denen Ihr Partner nichts zu tun hat. Hören Sie weiter Ihre Lieblingsmusik, gehen Sie nicht nur in Filme, die auch er mit ansehen möchte. Bedenken Sie: Wer zu dicht voreinander steht, kannnicht mehr aufeinander zugehen.

Lustvolle WundertüteEine einfache, aber wirkungsvolle Geschenkidee (ideal zu Weihnachten!) hat Ulrich Clement für sinnliche Stunden: Ein Päckchen mit erotischen Gutscheinen, die Ihr Partner nach und nach einlösen kann. Ein paar Anregungen:

Das Vorlesen einer erotischen GeschichteDer Besuch eines Sexshops mit Kaufgutscheineine erotische MassageZwei Eintrittskarten für eine Fetischparty"Ich erzähle dir mein peinlichstes erotisches Erlebnis"ein Wochenende im Hotel

Er gehört zu mir...

Denken Sie das wirklich? Meinen Sie tatsächlich, dass Ihr Partner sowieso für immer bei Ihnen bleibt? Ein großer Lustkiller, denn es ist schwer zu begehren, was man bereits hat. Noch dazu eine Fehleinschätzung der Lage, kein Mensch "besitzt" einen anderen. "Die große Illusion verbindlicher Liebe besteht darin, dass wir unsere Partner ganz für uns zu haben glauben", erklärt Esther Perel. "In Wahrheit sind und bleiben sie eigenständig und mit Geheimnissen behaftet, die wir nie ergründen werden.

Wenn wir das einzusehen beginnen, wird dauerhaftes Verlangen wieder möglich. Ich finde es bemerkenswert, wie oft eine Bedrohung des Status quo - durch eine Affäre, längere Abwesenheit oder durch einen Streit - ein plötzlich aufflammendes Verlangen zur Folge hat." Malen Sie sich ruhig einmal aus, Ihr Partner würde Sie verlassen. Klar, da stellt sich wahrscheinlich ein unangenehmes Gefühl ein, aber kribbelt es nicht auch im Bauch? Haben Sie nicht sofort Lust, Ihren Liebsten in den Arm zu nehmen und ihn in die Kissen zu zerren? Dann tun Sie es doch!

Tête-à- Tête im Internet

Schöne, neue Technikwelt. Auch das World Wide Web bietet Paaren prickelnde Möglichkeiten. "Sie können für sich und Ihren Partner zwei neue E-Mail-Adressen einrichten", schlägt Esther Perel vor (z. B. bei yahoo oder freenet). "Und diese Adressen nutzen Sie für einen sinnlichen Gedankenaustausch. Hier werden keine Probleme gewälzt oder etwas Berufliches geschrieben, es geht nur um Erotik!"

Mit Worten flirten, sich gegenseitig heiß machen, verbal Tabus brechen und darauf warten, wann und wie der Partner reagiert - das ist spannend und törnt an. Auch Dr. Clement rät Paaren zum Besuch in der virtuellen Welt. "Gehen Sie an getrennten Computern in einen Chat, z. B. auf www.webchat.de oder www.chatterparadies.de. Wählen Sie einen Nickname, bei dem der Partner nicht erkennt, dass Sie sich dahinter verbergen.

Kommen Sie mit den anderen Besuchern ins Gespräch, und finden Sie heraus, mit welchem Namen sich Ihr Partner angemeldet hat." Das ist fast so gut wie neu kennen lernen, die Neugierde auf den anderen wird wieder geweckt. Und damit auch die Erotik. Ein weiterer Vorteil dieser Kommunikation: Oft fällt es uns leichter, Dinge zu schreiben, die wir beim direkten Gespräch kaum über die Lippen brächten.

Let's talk About Sex

Wie Sie Ihren Liebsten zu einem erotischen Comeback einladen können - und wie besser nicht

Verführen statt einklagen- Nie machst du Sex mit mir!+ Du bist so ein guter Liebhaber! Zeig's mir heute!

Aktiv werden statt abwarten- Wenn du nichts machst, mache ich halt auch nichts!+ Ich habe ein Öl mitgebracht. Du siehst aus, als könntest du eine Massage vertragen...

Neugierig sein statt besserwisserisch- Eine gute Partnerschaft braucht mindestens dreimal pro Woche Sex. Also heute!+ Was würdest du denn gern mal mit mir ausprobieren?

Wertschätzen statt bewerten- Du bist immer so fordernd!+ Mir gefällt, worauf du mich neugierig machst!

Unverbindlich anbieten statt Druck ausüben- Jetzt habe ich was vorgeschlagen - nun müssen wir aber auch mal was davon machen!+ Ich habe da eine hübsche Idee, was hältst du davon?

No risk, no fun

Sie möchten nun mit Ihrem Partner ein Rollenspiel probieren? Oder Sie träumen davon, mal eine dritte Person mit einzubeziehen? Was auch immer in der geheimen Wunschkammer Ihres erotischen Kopfkinos passiert - wenn Sie es Ihrem Schatz nicht verraten - wird es auch für immer dort bleiben. Natürlich ist es nicht einfach, dem anderen ein schmissiges "Hey, ich will mit dir in einen Swingerclub" entgegenzuschleudern (davon ist auch eher abzuraten - siehe Kasten: "Let's talk about sex!"). Schließlich wissen wir nicht, wie er darauf reagiert. Aber: "Die Grundregel für die Erzeugung sexueller Langeweile", erklärt Dr. Clement, "ist folgende: Äußern Sie nur diejenigen Wünsche, von denen Sie 100-prozentig sicher sind, dass Ihr Partner auch darauf eingehen wird." Damit haben Sie die Wahl: Wollen Sie beim Sex mehr Aufregung - oder wollen Sie es kuschelig, aber nicht so prickelnd haben? Offensichtlich Ersteres, denn sonst hätten Sie diesen Artikel nicht gelesen. "Ohne Einsatz kein Ertrag", meint Dr. Clement. "Man muss bereit sein, etwas preiszugeben - von sich, von seinen Sehnsüchten, Fantasien, von seinem sexuellen Profil. Wie viel davon nötig ist, um erotische Spannung zu erzeugen, muss jedes Paar selbst ausprobieren."

EXPERTEN

Esther Perel (48) ist seit über 20 Jahren als Familien- und Ehetherapeutin tätig. Ihr Buch zum Thema heißt "Wild Life. Die Rückkehr der Erotik in die Liebe", Pendo, 19,90 E. Esther Perel stammt aus Belgien, lebt heute in New York, USA. Sie ist verheiratetund hat zwei Kinder. Infos unter: www.estherperel.com

Prof. Dr. Ulrich Clement (56) ist Sexual- und Paartherapeut und leitet das Institut für Sexualtherapie in Heidelberg und Aachen. Weitere Tipps von ihm finden Sie in "Guter Sex trotz Liebe. Wege aus der verkehrsberuhigten Zone”, Ullstein, 18 Euro. Ulrich Clement lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Heidelberg. Infos unter www.ulclement.de oder www.institut-sexualtherapie.de

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