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Porno wird weiblich

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Die neue Lust der Frauen an emanzipiertem Sex

Die „Schoßgebete“ von Charlotte Roche wurden erhört. Statt weibliche Gelüste soft zu umschreiben, nennt frau die Dinge jetzt klar beim Namen. Und es locken immer mehr Erotik-Angebote von Frauen für Frauen. JOY-Autorin Heike Predikant über die neue sexuelle Freizügigkeit.

Unverblümt

Charlotte Roche geht in ihrem Roman „Schoßgebete“ schonungslos ins Detail.

„Meistens fangen wir so an, dass einer den anderen bedient. Wenn wir in der 69er-Stellung was machen, stellen wir immer wieder fest: Ist zwar schön, wenn man so genau die Teile alle sieht, man ist aber vom Bedienen so abgelenkt, dass man nicht mehr richtig annehmen kann. Entweder oder!“

„Ich habe auch das Gefühl, dass ich am schnellsten komme, wenn ich es mir nehme, wie ich es brauche. Also ich meine, dass ich eigentlich seine Stoßbewegungen vollführe, ich haue mich gegen seinen Schwanz, mehr als dass er mich stößt. Dann ist es für mich genau der richtige Rhythmus. Und eine Sache von Sekunden, bis ich komme.“

„Ich liebe ihn, und ich liebe den Sex mit ihm. Aber ich will mehr. Sexuell kann kein Mann irgendetwas besser machen, handwerklich an meiner Vagina, das ganze Pornogediddeldididdel an meiner Klitoris, bis sie fast explodiert, aber ich will einfach mal einen anderen Körper zwischen meinen Schenkeln. Schrecklich manchmal, das Monogamiegefängnis!“

„Lumi achtet penibelst darauf, dass sie ununterbrochen meine Klitoris reibt, ich höre schon matschende Geräusche, Flüssigkeit ohne Ende wird produziert. Sie legt mich auf den Rücken und springt kurz lachend auf. Sie fragt, was wir von Sexspielzeug halten, wir sagen zu allem, was sie vorschlägt, Ja.“

Unter der weiblichen Gürtellinie

Schon nach wenigen Tagen war die Startauflage von 500.000 Exemplaren verkauft. Charlotte Roches „Schoßgebete“  knüpfen damit nahtlos an den Erfolg ihres Debüts „Feuchtgebiete“ an, das weit über eine Million Leser/innen fand. Damals begab sie sich unter die weibliche Gürtellinie, schrieb gegen Tabuzonen, Hygienehysterie und Verklemmtheit an. Nun widmet sie sich dem ehelichen Sex – mit Hingabe und vielen autobiografischen Zügen schildert sie drei Tage im Leben ihres Alter Egos Elizabeth Kiehl, die wie sie eine Tochter aus einer früheren Beziehung hat und drei Brüder bei einem Autounfall verlor.

Und sich beim Sex mit ihrem Mann von einer Heizdecke aufwärmen lässt. Zu Beginn des Buches schaltet sie die an und erst nach 15 Seiten wieder aus. Dazwischen geht’s unter anderem bei einer Fellatio-Szene mit allen technischen Details zur Sache: „Ich lecke ihn komplett feucht und atme darauf, damit er an den feuchten Stellen die Kühle spürt. Vom Schaft drücke ich meine Zunge runter zu den Eiern. Ich sauge beide Eier in den Mund und spiel mit ihnen rum. Ich habe gelernt, dass ich darauf achten muss, dass sich die Hodenleiter nicht verdrehen.“ 

Und: „Ich mache laute Schmatzgeräusche, damit er nicht nur fühlt, sondern auch hört, was ich da mache.“ Die Verfasserin meint, „guter Sex ist Neandertaler-Sex, auch wenn er scheiße aussieht und sich ekelhaft anhört“. Ihre Romanfigur kann sich nur im Bett richtig gehen lassen, wo ihr „nichts peinlich“, sie die „Geilheit auf zwei Beinen“ ist.

Frauen nehmen sich Sex, wann sie wollen

Der Erfolg des Romans lässt sich schnell erklären: Die ehemalige TV-Moderatorin spricht aus, was viele Frauen denken, knackt Tabus wie Nüsse und ist Hoffnungsträgerin für alle, die zwischen Rein-raus-Routine und Rotlichtviertel-Fantasien experimentieren, damit es keinen „Verkehrsstau“ gibt. Denn „sobald der Sex verschwindet, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Liebe auch flöten geht“, so die Erkenntnis von Elizabeth, die regelmäßig mit ihrem Mann ein Bordell besucht.

Charlotte Roche ist nicht die einzige Autorin, die sich der neuen femininen Freizügigkeit verschrieben hat. Rosa Sophie Mai schildert in „Unanständig“, wie eine Singlefrau ihren Spaß bekommt, basierend auf ihren persönlichen Erfahrungen. Ihre Protagonistin tobt sich auf dem „erotischen Spielplatz“ Berlin aus und nimmt sich Sex, wo und wann sie will – auf der Tanzfläche eines Clubs „mit einem Finger in meiner Vagina“, im Keller einer Bar, alles „sexy, authentisch, unzensiert“.

Porno ist jetzt salonfähig

Literaturkritiker werfen Roche und Co. gerne vor, es handele sich letztlich nur um Verbal-Pornografie. Na und? Von uns ist bei dem Wort „Porno“ kein „Bäh!“ mehr zu hören. Im Gegenteil! Als Frau kann man Roche und Co. nur dankbar dafür sein, dass sie die Dinge beim Namen nennen: blasen, reinstecken, vögeln. Rummach-Anleitungen und Ratschläge von Frau zu Frau – da werden wir hellhörig und gar nicht erst rot.

Dass eine Revolution stattgefunden hat, belegt der Sexualforscher Volkmar Sigusch im Buch „Neosexualitäten: Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion“ und seinem aktuellen Werk „Auf der Suche nach der sexuellen Freiheit“: „Sexuelle Orientierungen und Praktiken, die früher als pervers galten, vor allem Homosexualität, Bisexualität und gepflegter Sadomasochismus einerseits, Oral- und Analsex andererseits, werden mehr oder weniger toleriert und ausprobiert. Selbst offene Liebesbeziehungen zu mehreren Personen gleichzeitig, die sogenannte Polyamorie, werden diskutiert.“

Alles ist besser als gar kein Sex

Wir bestimmen mehr denn je, was passiert und wo es langgeht. Spontan-Sex, S/M-Praktiken, Spanking, das gehört inzwischen zu unserem Liebesleben wie der Schriftzug „gefühlsecht“ zur Kondompackung – selbst auf die Gefahr, dass wir uns und unseren Partner manchmal überfordern. Aber mal keine Nummer zu schieben ist genauso in Ordnung, wie sich mit unrasiertem Schamhaar auf ihn zu setzen. So viel Lässigkeit und Selbstbewusstsein haben wir, mittlerweile!

Die neue Lust am Porno

Das bestätigt auch Evelyne Hilse, Inhaberin von „Ladies First“ (www.ladiesfirst.de), die seit 17 Jahren in München diesen Erotik-Shop für Frauen betreibt: „Viele meiner Kundinnen haben weniger Scheu als früher, ihre Wünsche zu äußern und entsprechende Utensilien mit nach Hause zu nehmen.“ Ihre Topseller: Vibratoren (derzeitiger Renner: der „We-Vibe“ für Paare!), Liebeskugeln, erotische Bücher. 35 Prozent der Frauen besitzen laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos mindestens ein Spielzeug, ein Großteil benutzt Toys mehrmals im Monat.

Heute schon ein heißes Filmchen geguckt?

Damit hantieren wir nicht heimlich herum, sondern auch vor dem Liebsten. Er soll ja erfahren, was und wie es uns gefällt, was er anders und besser machen kann. Schließlich soll mehr als nur Körperflüssigkeit ausgetauscht werden. Wir möchten über Sex reden – und hören und sehen, was bei anderen abgeht. Koital, oral, anal, digital. Nicht selten wird der Mädelsabend zur Dr.-Sommer-Sprechstunde: Kommt ihr mehrmals hintereinander? Was macht man, wenn sein Sperma komisch schmeckt? Auch mit Gleitgel flutscht es nicht immer, oder? Schon mal Skype-Sex ausprobiert?

Youporn.com ist laut des Serverdienstes Alexa, der Daten über Seitenzugriffe sammelt, eine der erfolgreichsten Websites. Weltweit bewegt sich das Online-Portal zum kostenlosen Austausch heißer Filmchen um Rang 80, in Deutschland um Rang 30 herum. Im Schnitt gucken Frauen, so das Ergebnis einer britischen Studie, 15 Minuten pro Woche Pornos, Männer zwei Stunden. Auch Charlotte Roche bekannte sich dazu, dass sie gerne mal einen Porno anschaut – ganz einfach „aus Neugier, zur Entspannung, Aufgeilung, Inspiration“.

Artcore statt Hardcore

Deswegen drehen Vertreterinnen der FemPorn-Bewegung wie Petra Joy (www.petrajoy.com) erotische Filme, in denen der Fokus auf der weiblichen Lust liegt. Ihr letzter, „The Female Voyeur“, feierte kürzlich Premiere. „Die meisten Pornos werden von Männern für Männer gemacht, dem männlichen Verlangen entsprechend. Kein Wunder, dass diese Filme die meisten Frauen kaltlassen“, so die deutsche Regisseurin. „Ich möchte eine Alternative zu der Bilderflut schaffen, die Frauen auf ihre Genitalien reduziert.“

Freizügiges Hollywood

Sinnliche Sexspiele mit Männern als Objekten der Begierde statt extremem Analsex oder Cumshots ins Gesicht – Akte, die von vielen Frauen als degradierend empfunden werden. Sasha Grey, eine Ikone der Kunst- und Pornoszene, beweist ebenfalls, dass man es stilvoll machen kann. Die Kalifornierin, die auch als Model arbeiten könnte, drehte mit 18 ihren ersten Hardcore-Streifen, Auftritte in mehr als 200 Filmen folgten.

Eine einzigartige Erfolgsgeschichte in einer Branche, in der Silikonbrüste dominieren und Darstellerinnen meist nur ein kurzes Rein-raus-Gastspiel erleben. Heute ist sie 23, fotografiert und schreibt nebenbei, war schon in Videos von The Smashing Pumpkins und The Roots zu sehen und macht selbst Musik. Ihren Werdegang hat sie jetzt in dem Bildband „Neü Sex“ dokumentiert, wobei die Tüpfelchen auf dem „u“ betonen sollen, dass ihre Herangehensweise tatsächlich neu ist.

Selbst Hollywood wird offenherzig

Lange galt die Traumfabrik als prüde, doch auch das ändert sich jetzt: In „Cherry“, einem Drama, das 2012 ins Kino kommen soll, spielt Heather Graham eine Porno-Regisseurin, die am Set selbst mit agiert, und James Franco einen kokainsüchtigen Anwalt, der sich mit einem naiven Sex-Sternchen einlässt. In puncto Freizügigkeit muss man auch Lady Gaga nicht lange bitten.In einem Fashion-Clip zu ihrer neuen Single „Yoü And I“, den sie zusätzlich zum normalen Video drehte, entblößt sie sogar ihren Unterleib. Und Rihanna ist zwar gerade damit beschäftigt zu dementieren, dass ein Sexvideo von ihr und Rapper J. Cole existiert, gab dafür aber zu, dass sie harten S/M-Sex mag.

Erotische Blogbuster

Wozu hinter vorgehaltener Hand tuscheln, wenn man sich auch öffentlich outen kann? Ist doch ein toller Kick zu wissen, dass es da draußen viele Interessierte gibt. Aus diesem Grund bloggen immer mehr Frauen darüber, was sie in der Horizontale erleben. In „Mimis Männerleben“ (mimismaenner leben.blogspot.com) geht es um eine Singlefrau und ihre erotischen Abenteuer. Darum, was man mit überraschendem Besuch anstellt, welche Talente Mr. LongdongJo hat und wie sich ein Weckfick anfühlt.

Und aus dem „Schlafzimmer“ (schlafzimmer-blog.de) kommen Testberichte über Sextoys, erotische Kurzstorys und Tipps für den Dirty Talk. Selbst PETA, die schon länger mit nackten Stars werben, werden jetzt richtig explizit: Die Tierschutzorganisation plant, in den USA eine Porno-Webseite zu starten, um Aufmerksamkeit zu erregen und so auf die Notlage von Tieren hinzuweisen. Auf dem aktuellen Motiv ist Porno-Star Jenna Jameson zu sehen mit einem schwarzen Bustier und dem Schriftzug: „Kunstleder: Nicht echt, aber echt geil!“

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