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Joy

Welchen Sex wollen wir wirklich?

Joy,

Sex, den Frauen lieben

Größe oder Technik: Wen interessiert das? Guter Sex ist für Frauen alles Mögliche, aber immer mehr, als Männer ahnen. Sexpäpstin Anne West sagt, wie Sie Ihre wahren Bedürfnisse erkennen – und noch heute Nacht bekommen, was Sie wollen.

Seltsam: Wenn ich an den schlechten Sex meines Lebens denke, fallen mir noch Jahre später zig Details ein, als ob ich das Fiasko von außen betrachtete. Wenn ich dagegen an atemberaubenden Wow-Sex denke, kann ich mich an Einzelheiten kaum erinnern! Am deutlichsten ist das Gefühl hinterher, wenn ich auftauchte aus einem Rausch jenseits aller Kontrolle: diese schwebende Stimmung, in der jede Körperzelle und jeder Gedanke aus wohliger Sattheit bestehen.

Details jedoch – was genau haben wir eigentlich gemacht?! – verschwimmen. Guter Sex ist kopflos: Wir wollen, dass er uns aufsaugt und so gedankenfrei macht, dass wir hinterher nicht wissen, was alles geschah; und nicht langweilt, beschämt, schmerzt oder verärgert. Sie können ihn haben – alles, was es braucht, ist ein kleiner Push: für Sie und Ihren Lover.

Die Lust beginnt vor dem ersten Akt

Ich kann nicht für alle Frauen sprechen, aber für alle, die ich kenne: Wenn sie von ihren Glückstreffern erzählen, dann spielt die Beischlaf-Anmoderation eine wesentliche Rolle dabei, wie leicht sie danach in den Rausch fanden. Wenn der Mann es schaffte, sie anzumachen, ohne sie zu berühren. Bedeutsame Blicke. Die Art, wie er zuhört, Komplimente macht. Alles an ihm sagt: Du gefällst mir. Deine Nähe erregt mich.

Das Gefühl, begehrt zu werden, ist wie ein Vibrator im Gehirn, und wenn dazu Stimmungs-Schmeichler kommen, die den Stress aus dem Körper spülen – sexy Musik, ein anregendes Essen, ein Hauch von Rotlicht: Oh, Baby, das ist die Sorte Sexeinladung, die uns gefällt, aber die Männer so unterschätzen. Sie brechen Candle-Light-Dinners brutal ab mit Worten wie „Komm, lass uns gehen“ (und fügen in Gedanken „… und eine Nummer schieben“ hinzu).

Darum brauchen wir ein Vorspiel: Weil es den Verstand, den ewigen Lustverhüter, ausknipst!

Oder sie stöhnen, dass Frauen „immer diese große Oper“ haben wollen. Klar, die Balzzeit ist vorbei – aber wer eine scharfe Braut im Bett haben will, darf sie nicht erst dort so behandeln. Gilt natürlich auch ungekehrt: Um die erotische Grundtemperatur zu halten, braucht es ständige gegenseitige dezente Anmache. Hier ein schmutziger Griff, da ein heftiger Kuss.

Und dann lade ich zur „kleinen Oper“: Ich im engen Schwarzen, er in dem Anzug, in dem ich ihn so aufregend finde; Kerzenscheinpicknick auf dem Teppich, ich lecke ihm Guacamole vom Finger, dann frage ich mit tiefer Stimme, was genau er alles an mir eigentlich gerne schmeckt. Zwischendurch gehe ich ihm an seine kurze Reizleitung, damit er nicht vergisst, warum wir auf dem Boden sitzen.

Natürlich: Nach dem perfekten Drehbuch wird es nie ablaufen, überinszenierte Nummern funktionieren eh nie. Und ich weiß auch: Das Gefühlsleben ist der Entscheider. Fühle ich mich heute schön? Geht es uns gut – oder schwelen noch Konflikte, erotische Enttäuschungen? Bin ich bereit, mich auf Lust einzulassen, oder will ich erst mal schauen, ob was geht? Erst dann kann ich Arien singen – oder sie hören.

Bitte mehr Spiel beim Vorspiel

In der griechischen Mythologie heißt es, dass eine Frau neunmal mehr Lust empfindet als ein Mann und neunmal mehr Appetit hat. Bevor die mitlesenden Herren einen Schwächeanfall bekommen: Es geht nicht um neun Orgasmen oder Liebesakte, sondern um erotisierende Spiele vor, während oder nach dem Koitus. „Nur Sex“ ist uns auf die Dauer zu wenig: Wir wollen alles. Erotik. Abenteuer. Fühlen. Träumen.

Komm, Liebling, fessle michEin Vorspiel mit mehr als Küssen, Kneten, Koitus, ein Spiel, das uns das Rotlicht im Kopf anknipst! Natürlich, wir brauchen nicht immer das volle Programm – es gibt Tage, da macht uns schon ein Hauch herbes Männerparfum im leeren Fahrstuhl so wuschig, dass wir den Slip beiseiteschieben und uns auf irgendeinen lecker Kerl setzen möchten.

Aber an manchen Tagen darf’s mehr sein: Machtspiel, Lustangst, Risiko – diese psychologischen Techniken lenken den Verstand ab, der sonst nur wieder den Lustverhüter spielt! Mit Seidenschals die Augen verbinden, sie durch die Vulva ziehen und den seidigen Druck genießen. Oder mit dem Gürtel seiner Jeans: Komm, Liebling, fessle mich, beug mich vor und streichele mich mit deinen Händen von hinten, leck sie vorher ab, dann glitschen sie besser …

Auf Orgasmusjagd

Und wozu gibt es eigentlich diese Auflegevibratoren? Nur für mich? Oder lege ich den jetzt mal beim Anblasen gegen deinen Schaft und du hältst still, sonst hau ich dich? Es gibt so viele Spielzeuge aus Sexshop, Haushalt oder Kleiderschrank, mit denen sich aufregende Vorspielchen treiben lassen – ohne auf Orgasmusjagd zu gehen! Das irritiert Männer am Anfang, weil sie nicht wissen, wozu dieses Herauszögern des Reinsteckens gut sein soll; aber wenn sie merken, dass es Ihnen den Kopf frei macht …

Haben Sie schon mal eine „Massage-Candle“ ausprobiert? Sie können sie auspusten und das Ölwachs auf ihm ausgießen und mit den Brüsten verreiben. Oder Lederhandschuhe: Das Gefühl fremder Haut zwischen den Beinen kann extrem enthemmen. Vor allem, wenn Sie dabei vor einem Spiegel stehen und diese schwarze Zorrohand zwischen Ihren Schenkeln sehen. Aber reite danach bitte langsam, Cowboy!

Mr. Duracell in der Liebesschule

Viel zu viele Männer sehen ihren Penis als Maß aller Liebesdinge. Wie lang, dick, ausdauernd und schnell in Vor- und Rückwärtsgang – sie konzentrieren sich darauf, allein mit dem Hin und Her ihres Zentralorgans Lust zu verschaffen. Ich schätze, im Leben jeder Frau gab es diese Nähmaschinen-Liebhaber, die überzeugt sind, wenn sie nur kraftvoll, schnell und unermüdlich zustoßen, würde die Dame in Ekstase ausbrechen. Sind sie aus ihren Pornos so fehlinformiert?

Leider schließen viele Männer von ihrem sexuellen Erleben auf das der Frau. Und da für Herren das Hin und Her in etwas Engem der Hit ist, nehmen sie an, unsere Vagina funktioniere spiegelverkehrt – also reibt er sie kräftig von innen. „Warum wissen eigentlich die wenigsten Typen, dass wir kein Penis auf links sind?“, habe ich mal verzweifelt meinen Liebsten angemurrt, einen der wenigen Männer, der schon Kenntnis der weiblichen Lustanatomie hatte, bevor er zu mir kam.

Männer können nur von Frauen lernen, wie Frauen beim Sex funktionieren!

Der warnte: „Einem Mann mitzuteilen, dass sein Reinraus schön, aber für euren Orgasmus nutzlos ist – das ist, als teile man einem Katholiken mit, die Bibel sei Fiktion. Ein ganzes Glaubensgerüst wird erschüttert! Und wenn der Kerl diese Tragödie weggesteckt hat, dann muss er Sex auch noch neu lernen. Wie eine Fremdsprache.“ Er grinste. „Dazu braucht er eine Sprachlehrerin.“ Bei ihm war’s eine Südfranzösin, er war 27, sie 41 … Das hat man davon, wenn man fragt.

Männer können nur von Frauen über Frauen lernen. Um Mr. Duracell zu überzeugen, dass er mehr zu bieten hat als Reinraus, muss sein Körpergefühl erweitert werden. Die Methode der Südfranzösin war: Sie pflegte sich oben aufzuschwingen, ein wenig auszureiten und, kurz bevor sie kam, dann ihre Vulva von seiner Eichel über den Bauch und Brust bis vor sein Gesicht zu schieben, nach seinen Händen zu fassen und die auf ihren Brüsten zu platzieren, während sie sich vor seinen Augen zu Ende brachte.

Das erotische Gedächnis

Was der Herr lernte? Dass ihr Schalter außen, nicht innen saß. Mir half damals bei meinen Typen eine andere Sache: Ich begann, mich zu bewegen – und nicht nur hinzuhalten. „Körperblindheit“ nennen Sexualtherapeuten das Phänomen, dass Frauen ihr Becken beim Liebesakt meist nur passiv zur Verfügung stellen und sich selbst auch nicht anfassen, um die Klitoris zu bespielen. Bis auf die Position „Sie oben“ ist es der Mann, der Tiefe, Rhythmus und Tempo bestimmt.

Mit diesem Stillhalteabkommen aber wird Mr. Duracell nicht von seiner Nummer runterkommen! Verpacken Sie’s als Spiel: „Wetten, du hältst es nicht aus, dich nicht zu bewegen und nur mich machen zu lassen?“ Männer lieben Wetten frivoler Natur! Und es könnte der Aha-Effekt für sie sein, wenn Sie sich nach Ihren Gelüsten um seinen Penis herumbewegen: Sie können ihn mit der Hand führen und sich an der Klitoris streicheln lassen. Sie können ihn nur mit der Eichel eintauchen lassen, weil es vornean oft am besten ist.

Sie können an ihm saugen und sich selbst per Vibrator befriedigen. Sie können den Penis ablecken und wieder reinstecken. Und bitte, um sich künftig schlechten Sex zu ersparen: Brechen Sie ab, wenn Sie gerade nicht mögen, was da passiert. Einen so intimen Akt wie den Geschlechtsverkehr „zu ertragen“ statt ihn zu genießen, gräbt eine Furche in Ihr erotisches Gedächtnis: Sie werden auf Dauer Sex vermeiden. Und das ist nun wirklich keine Lösung.

Lieber Pannen als perfekten Sex

Ich glaube, „Sex and the City“ war nicht deshalb beliebt, weil so „offen“ über Sex geredet wurde. Nein, ich bin überzeugt, dass wir SATC liebten, weil es um Pannensex ging. Ein Pups im Bett, unappetitliches Sperma, unhaltbare Erektionen, anale Problematik, abturnend laute Spielzeuge, und hatte Steve nicht Socken dabei an? Denn genauso passiert es jenseits des Hochglanz-Lebens. Wadenkrampf beim Kamasutra-Bambusspalten. Rückenschmerzen auf dem Teppich.

Gesunder Egoismus

Kieferstarre bei der Fellatio. Die vier Mädels bewiesen, dass wir sehr wohl fabelhaft sein können und trotzdem Pleitensex erleben – und es überleben. Ohne es zu beabsichtigen, haben die – en gros schwulen – Drehbuchschreiber uns den Leistungsdruck genommen: Du musst schön sein. Verführerisch. Du musst hundert Techniken beherrschen, Rollenspiele, Dirty Talk, Analverkehr, das „Teebeutelchen“ und die Wiener Auster, dazu Korsett und Overknees.

Es darf nichts Peinliches oder Banales passieren: Erst wenn du perfekt bist, wird er dich nie verlassen/betrügen/vergessen. Also, so vergesslich sind Männer nun auch wieder nicht. Und Sex wird eindeutig besser, wenn er von Bedürfnissen und nicht von Komplexen geleitet wird! Ich habe erst mit 32, 33 meine sexuelle Unabhängigkeit erklärt; bis dahin habe ich das Liebesspiel oft wie Performing Arts betrieben. Sie wissen schon, das, was man tut, wenn man unsicher ist: Bauch einziehen. Dekorativ stöhnen. Unbequeme Stellungen im Wald und Wohnungsflur.

Egoismus ist der beste Weg, um aus der „Sex muss perfekt sein“-Falle zu entkommen

Irgendwann dann der Satz eines Lovers: „Hör auf, dich so anzustrengen. Das ist auch anstrengend für mich.“ Das saß wie eine Ohrfeige. Den Lover hatte ich nicht mehr lange, aber dafür die feste Absicht, mal runterzukommen von dem „Perfekter Sex“-Ding. Mir half ein gesunder Egoismus. Ich nahm Stellungen ein, in denen ich es bequem hatte. Ich achtete nicht mehr ständig darauf, ob es ihm ja gut geht – nein, ich konzentrierte mich darauf, es mir schön zu machen. Für mich war der Aha-Effekt: Meine Lust ist seine Lust.

Je mutiger ich tat, wie’s mir gefällt, desto mehr gefiel es ihm! Kurz danach warf ich den Konjunktiv – „Wir könnten doch mal …“ – aus dem Bett und legte mir den Imperativ zu. Die beiden Stichworte dazu lauten: „brauchen“ und „jetzt“. Ich hatte mich oft gescheut, etwas zu verlangen – um ihn nicht zu bevormunden oder das Gefühl zu geben, was er sonst macht, gefiele mir nicht. Aber, oh Wunder: Männer sind nicht Frauen, und was wir Frauen als „Kommandoton“ ablehnen, kommt in seinen Ohren als klare, verständliche Worte an. Also: „Ich brauche einen langsamen Fick – jetzt.“ Und was passierte? Ich bekam ihn.

Die Orgasmus-Lüge: Danke wir kommen gerne!

Wer hat eigentlich behauptet, uns seien Orgasmen nicht so wichtig, Schatz, Hauptsache wir lieben uns? Das ist eine schamlose Lüge. Fakt ist: Wir lieben Orgasmen und hätten gern mehr davon. Und zwar solche, bei denen wir nicht nur kommen – durch Reibung, ein zwei Fantasien –, sondern ankommen in dieser ganz und gar gelösten Stimmung. Diese Orgasmen machen nicht dick, der Liebste freut sich auch, und gut für die Haut sind sie außerdem. Also, warum verzichten?

Aus Sorge, er könnte sich überarbeiten? Ich konnte faule Männer, die mit Sex aufhörten, wenn sie gekommen sind, noch nie leiden; sie gaben mir das Gefühl, zu schwergängig zu sein und irgendwie selbst schuld. Ich befürchte, ein bisschen war ich es auch: Erstens, weil ich mir faule Männer anlachte. Zweitens: Weil ich dachte, ich bin zu kompliziert. Drittens unterlag ich dem „Nur der Penis macht glücklich“-Syndrom: Wie oft habe ich mir den Höhepunkt beim Vorspiel verkniffen, um ihn mir für den „richtigen“ Akt aufzuheben – wo er prompt nicht kam.

Lehnen Sie sich zurück und lassen Sie den Sex laufen

Ich überwand das Klischee „Er besorgt es mir“ erst mal mit dem Willen: „Ich will kommen. Egal wie, ob durch meine oder seine Hand, ob vorher, dabei oder danach: Ich will. Ich kann. Ich darf das!“ Dann mit Taten – also auf ihn, wie es mir gefällt! Und wenn seine Bauchmuskeln nicht an meinen Happyschalter reichen, dann eben seine Finger, sein Mund, meine Hand, der Gürtel, eine Kissenkante, völlig gleich. Und drittens: Ich ließ mich erregen, statt mich darum zu kümmern, ihn zu erregen.

Das war die größte Herausforderung – kennen Sie auch diesen Impuls, bloß nicht zu lange zu genießen, was er tut, sondern ihm möglichst bald etwas zurückzugeben? Lassen Sie’s! Nehmen Sie das Geschenk an, Rosen weisen Sie ja auch nicht zurück. Lehnen Sie sich zurück und lassen Sie den Sex laufen. Je mehr Sie sich entspannen, desto eher wird der Rausch kommen …

Zehn Gebote für den guten Liebhaber

1) Du bist mehr als dein Schwanz. Das gilt auch und vor allem im Bett.

2) Verführung ist, einer Frau das Gefühl zu geben, sich für ihre Träume zu interessieren und von ihrer Nähe erregt zu werden. Auch nach 10 Jahren noch.

3) Öffne die Augen und sieh sie an, wenn du eindringst!

4) Licht aus, Kerzen an!

5) Die Lust der Frau ist nicht vorbei, wenn ein Mann kommt. Nutze deine Hände, Zunge, Worte, zur Not die Rückseite der elektrischen Zahnbürste, um ihre Klitoris zu bespielen.

6) Wir haben lieber keinen Sex als schlechten Sex. Denk mal drüber nach.

7) Frauen sind Geruchs- und Gehörwesen. Nimm darauf Rücksicht und vermeide quietschende Betten, altes Blumenwasser, nervige Nachbarn und CDs von Scooter.

8) Komplimente sind der beste Vibrator fürs weibliche Gehirn. Serviere reichlich davon.

9) Höre beim Sex nicht auf zu küssen. Wir brauchen das.

10) Lerne Vorspiele, die nicht nur den Körper erregen, sondern auch den Kopf – Machtspiele, Rollenspiele, Angstlustspiele, Überraschungsspiele …

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