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Mein Kind, mein Job: Die 20 häufigsten Fragen berufstätiger Mütter

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

1. Mein Kind ist krank und ich muss zu Hause bleiben. Muss ich Urlaub nehmen?

Ute Vöcking: "Nein. Wenn das Kind krank ist, stellt der Arzt eine Krankmeldung aus, die Sie bei Ihrem Arbeitgeber vorlegen können, viele akzeptieren ein Fehlen aber auch ohne offiziellen gelben Schein. Zehn Tage im Jahr dürfen Sie wegen eines kranken Kindes zu Hause bleiben – danach müssen Sie an die Urlaubstage ran. Sollten Sie mit einem Partner zusammen leben, darf der natürlich auch zehn Tage fehlen. Bevor Sie Urlaub nehmen müssen, stimmen Sie sich also unbedingt ab."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

2. Ich studiere noch und bin schwanger. Gibt es die Möglichkeit, im Studium zu pausieren?

Ute Vöcking: "Natürlich kann man ein Urlaubssemester nehmen. Allerdings versuchen Uni und Arbeitsagentur, Ihnen das Leben mit Studium und Kind zu ermöglichen. Viele Unis haben sehr gut geführte Kitas und das Studium hat oft den Vorteil, dass die Zeit flexibel einteilbar ist. Nur im Mutterschutz, also zwei Monate nach der Geburt des Kindes, darf die Mutter nicht arbeiten und auch nicht studieren. Wenn man Glück hat, fallen diese zwei Monate gerade in die Semesterferien. Prinzipiell gibt es keinen Grund, das Studium längerfristig zu unterbrechen – und viele Mütter, die studieren, kommen sehr gut zurecht."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

3. Ich bin selbstständig und bekomme ein Kind. Wie kann ich meinen Verdienstausfall finanzieren?

Ute Vöcking: "Auch Selbstständige erhalten Elterngeld, das sich auf Basis der Einkünfte der letzten 12 Monate vor der Geburt berechnen. Die Berechnung ist jedoch nicht so simpel - hier am besten den Steuerberater konsultieren und z.B. den Elterngeldrechner des BMFSFJ nutzen ( www.bmfsfj.de/Elterngeldrechner)."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

4. Ich möchte nach der Elternzeit kürzer treten und nur noch Teilzeit arbeiten, doch mein Chef stellt sich quer. Welche Rechte habe ich?

Ute Vöcking: "Das Arbeitsrecht sieht einen Anspruch auf Teilzeit vor. Wenn der Chef sich allerdings quer stellt, droht die Kündigung aus anderen, erfundenen Gründen. Nun haben Sie die Option, einen Rechtsstreit anzufangen, doch wollen Sie sich wirklich diesem Druck aussetzen? Eisige Stimmung auf der Arbeit, der Stress des Verfahrens – viele Mütter wollen sich diesem Druck nicht aussetzen. Bestenfalls spricht man möglichst früh mit dem Chef über Arbeitsmodelle, mit denen beide Seiten zufrieden sind. Gerade wenn man ein persönliches, gutes Verhältnis pflegt, ist oft mehr möglich, als man denkt. Auch Vollzeitstellen lassen sich beispielsweise mit Home-Office-Zeiten oder Stundenkonto für Mütter attraktiv und flexibel gestalten."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

5. Ich möchte mein Kind stillen und Vollzeit arbeiten. Habe ich Anspruch auf ein Home-Office?

Ute Vöcking: "Einen Anspruch auf Home Office gibt es nicht – auf die Möglichkeit, das Kind zu stillen, allerdings schon. Ihnen stehen Pausenzeiten von 60 Minuten pro Arbeitstag zu, die Sie splitten (z.B. zweimal 30 Minuten) oder als einen Block nehmen können. Der Arbeitgeber muss Ihnen dafür sogar einen Raum zur Verfügung stellen, in dem Sie ungestört sind und sich sogar hinlegen können. Im Gesetzestext ist ausdrücklich von Mindestzeiten für Stillpausen die Rede, das heißt, die genannten Zeiten können, falls erforderlich, auch überschritten werden. Auch Teilzeitbeschäftigte haben im Job Anspruch auf notwendige Stillpausen. Es sollte aber selbstverständlich sein, dass die Pausen mit einem möglichst geringen Arbeitszeitausfall einhergehen. Stillpausen können auch dazu dienen, Milch abzupumpen, wenn das Kind nicht an der Arbeitsstätte gestillt werden kann."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

6. Ich habe einen befristeten Arbeitsvertrag, der ausläuft, wenn ich gerade im Mutterschutz bin. Was nun?

Ute Vöcking: "Leider haben Sie dann Pech gehabt. Hier gibt es keinen besonderen Schutz für Mütter."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

7. Ich bin frisch gebackene Mama und möchte mich selbstständig machen. Habe ich das Recht auf finanzielle Förderung?

Ute Vöcking: "Sie haben die gleichen Rechte wie alle anderen Existenzgründer und können einen Zuschuss beantragen, wenn Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Das erfahren Sie mit einem kostenlosen Arbeitslosengeldrechner. Seit Kurzem gibt es die Zahlungen allerdings nur noch sechs statt neun Monate, zudem müssen Sie Ihren Berater bei der Arbeitsagentur von Ihrer Idee überzeugen – denn ohne seine Zustimmung gibt es gar nichts. Ob Mutter oder nicht ist in diesem Fall egal."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

8. Meine Stelle wurde in der Elternzeit neu besetzt. Nun habe ich zwar noch einen Job in der gleichen Firma, aber ein ganz neues Aufgabengebiet, mit dem ich unzufrieden bin. Habe ich das Recht auf meinen alten Arbeitsplatz?

Ute Vöcking: "Sie haben nur Recht auf eine „ähnliche“ Arbeitsstelle – diese Formulierung ist leider sehr schwammig. Ein Recht auf genau die gleiche Stelle wie vorher gibt es daher nicht. Allerdings bieten inzwischen viele Arbeitgeber an, dass man an den alten Platz zurückkehren kann, wenn man beispielsweise nur ein halbes Jahr aussetzt. Gerade wegen solchen Möglichkeiten ist es wichtig, mit dem Vorgesetzten rechtzeitig zu sprechen."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

9. Ein Anruf von der Schule: Ich muss mein Kind abholen. Darf ich im Büro alles stehen und liegen lassen und einfach gehen?

Ute Vöcking: "Ja, wenn das Kind unverzüglich abgeholt werden muss, dann können Sie gehen. Hier greift die gleiche Regelung wie bei einem kranken Kind."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

10. Ich bin alleinerziehende Mutter und muss für längere Zeit ins Krankenhaus. Wer passt denn jetzt auf mein Kind auf?

Ute Vöcking: "Wenn Sie Ihr Kind gut betreut haben wollen, sollten Sie in Ihrem eigenen Interesse erst einmal im Familien- und Freundeskreis herumfragen. Oma und Opa, Tante und Onkel oder gute Freunde könnten die Betreuung übernehmen. Wenn es keine Angehörigen gibt, die das Kind zeitweise zu sich nehmen können, kann es sein, dass eine Pflegefamilie einspringen muss. In diesem Fall sollte bei der Krankenkasse nachgefragt werden."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

11. Ich habe nur einen 400-Euro-Job. Kann ich trotzdem Elternzeit beantragen?

Ute Vöcking: "Ja, Anspruch auf Elternzeit haben alle Eltern, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, egal ob Auszubildende, Angestellte oder geringfügig Beschäftigte. Aber man sollte sich die Frage stellen, ob das so sinnvoll ist. An Elterngeld bekommt man sowieso 300 Euro. Und was man dazuverdient, wird in der Regel auf das Elterngeld angerechnet. Insofern ist es nicht besonders aussichtsreich, mit einem 400-Euro-Job Elternzeit zu beantragen."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

12. Ich habe nur ein Jahr Elternzeit beantragt, möchte nun aber doch auf zwei Jahre verlängern. Geht das?

Ute Vöcking: "Offiziell nicht, Sie müssen sich bereits vorher festlegen. Aber sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber, manchmal ist eine Verlängerung kein Problem. Wenn Ihr Chef Sie aber wie vereinbart nach einem Jahr wiederhaben will, müssen Sie zurück – oder sich einen neuen Job suchen."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

13. Ich habe Angst um meinen Job. Wann beginnt und endet der Kündigungsschutz für Mütter?

Ute Vöcking: "Mit der Schwangerschaft beginnt der Kündigungsschutz. Auch wenn der Arbeitgeber bis zum Zeitpunkt der Kündigung noch nichts von Ihrer Schwangerschaft wusste. Der Kündigungsschutz bleibt auch während des Mutterschutzes und der Elternzeit bestehen."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

14. Mein Kind hat sich verletzt, während die Tagesmutter bei ihm war. Welche Versicherung greift nun?

Ute Vöcking: "Die betreuten Kinder einer Tagesmutter, die über eine Pflegeerlaubnis des Jugendamtes verfügt, sind in der Landesunfallversicherung mit versichert. Die Landesunfallversicherung gilt ebenso für Kinder, deren Tagesplätze nicht vom Jugendamt vermittelt oder bezahlt werden. Zwar gibt es die Einigung, dass der Besitz der Pflegeerlaubnis für die entsprechende Zahl an Tageskindern ausreicht, damit diese über die Landesunfallversicherung mitversichert sind, dennoch sollte sich die Tagesmutter dies vom Jugendamt bestätigen lassen. Im Zusammenhang mit der Pflegeerlaubnis ist es wichtig, zu erfragen, ob beispielsweise Erste-Hilfe-Kurse regelmäßig aufgefrischt werden müssen – wird sich nicht an die Auflagen gehalten, befinden sich die betreuten Kinder der Tagesmutter möglicherweise auch nicht mehr im Schutz der Landesunfallversicherung. Ein Kind für dessen Betreuung die Tagesmutter keine Pflegeerlaubnis des Jugendamtes benötigt (so im Falle von wenigen Betreuungsstunden oder kurzer Betreuungszeit), ist nicht in der Landesunfallversicherung eingeschlossen. In diesem Fall braucht es eine private Unfallversicherung, die die Eltern abschließen müssen."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

15. Ich möchte meine Schwangerschaft so lang wie möglich geheim halten. Wann muss ich meinem Arbeitgeber Bescheid sagen?

Ute Vöcking: "Sie müssen gar nicht Bescheid sagen. Aber der Bauch wird wahrscheinlich irgendwann auffallen... In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie nicht allzu lange warten. Schwangere genießen besondere Rechte, dürfen zum Beispiel keine Nachtarbeit leisten und nicht nach 20 Uhr arbeiten. Ab dem dritten Monat, wenn eigentlich nichts mehr schief gehen kann, sollten Sie also ruhig mit Ihrem Arbeitgeber sprechen. Eine Kündigung ist dann sowieso ausgeschlossen. Verpflichtet sind Sie aber nicht."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

16. In meinem Betrieb gibt es Schichtdienst – habe ich als Mutter eines Kleinkindes Anspruch auf geregelte Arbeitszeiten?

Ute Vöcking: "Leider nicht. Für Eltern im Schichtdienst ist es besonders schwierig, die Kinderbetreuung zu regeln. In Krankenhäusern beispielsweise gibt es oft eigene Kitas, die sich an die Schichtarbeit angepasst haben und so die Betreuungssituation erleichtern."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

17. Mein Mann und ich haben Schichtdienst, niemanden, der auf unser Kind aufpasst und nicht die finanziellen Mittel, um für eine kompetente Kinderbetreuung zu sorgen. Finanziert uns der Staat (Jugendamt) die nächtliche Kinderbetreuung?

Ute Vöcking: "Solche Ausnahmesituationen müssen Sie leider selbst regeln. Kinderbetreuung wird bereits unterstützt – Sie zahlen je nach Einkommen, den Rest übernimmt der Staat. Extra-Betreuung müssen Sie aus eigener Tasche zahlen."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

18. Kinder, Familie, Partnerschaft, Berufstätigkeit – die Vierfachbelastung zehrt an mir. Habe ich Anspruch auf ein Sabbatjahr?

Ute Vöcking: "Wenn Sie so belastet sind, dass sie krank werden, sind Sie krankgeschrieben. Dann heißt die Auszeit nicht Sabbatjahr, sondern Reha und natürlich kann kein Arbeitgeber sich dagegen wehren. Auf ein Sabbatjahr im eigentlichen Sinne hingegen haben Sie keinen Anspruch, auch wenn es oft sinnvoll ist. Auch hier gilt: Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber, legen Sie sich gute Argumente zurecht, dann kann es klappen."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

19. Der Kindergarten streikt – darf ich mein Kind mit zur Arbeit nehmen?

Ute Vöcking: "Ich habe noch von keinem Arbeitgeber gehört, der etwas dagegen hatte. In Notfallsituationen geht es manchmal eben nicht anders. Rechtlich gesehen ist das aber nicht vorgeschrieben. Kindergärten haben auch im Streikfall oft eine Notfallgruppe für die Kinder, bei denen es gar nicht anders geht. Oder die Eltern der Kinder organisieren sich spontan und manche können sich um einige Kinder kümmern."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

20. Manchmal fühle ich mich wie eine Rabenmutter, weil ich in meiner Beruftätigkeit aufgehe und nicht im Kreise anderer Mütter auf der Krabbeldecke. Wieso fühlt man sich als berufstätige Mutter auch heute noch wie eine Exotin?

Ute Vöcking: "In der deutschen Kultur ist es tief verwurzelt, dass der Mann arbeiten geht und die Frau zu Hause bleibt. Mit dem Wirtschaftswunder in den Fünfzigern waren die Familien stolz darauf, wenn die Frau nicht arbeiten musste. Es war ein Zeichen von Wohlstand, wenn eine Mutter sich ganz auf Heim, Familie und ein adrettes Äußeres konzentrieren konnte. Und trotz der Emanzipation steckt dieses Denken immer noch in vielen Köpfen. Zwar gehen viele Frauen arbeiten, aber mit Kind oft in Teilzeit; für den Haushalt sorgen sie zusätzlich. Die Emanzipation ist noch nicht komplett gesellschaftlich ausgehandelt – wir dürfen auch nicht vergessen, dass diese Entwicklungen noch gar nicht so alt sind. Es wird noch dauern, bis die Gleichstellung der Frau in allen Bereichen angekommen ist. Und es wäre zu viel verlangt, tief verwurzelte Rollenbilder von heute auf morgen aus den Köpfen löschen zu wollen. In anderen Sprachen existiert das Wort ,Rabenmutter' nicht einmal. Sie sollten also kein schlechtes Gewissen haben, wenn in Ihrem Beruf aufgehen. Kein Vater würde ein schlechtes Gewissen haben, wenn er 'Karriere machen' will. Also muss auch keine Mutter sich dafür schämen."

Mein Kind, mein Job: Antworten auf die 20 wichtigsten Fragen

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Tags:   kinder |  Job |  Karriere

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