Mama-BlogLiebloses Kindertheater: Kann man uns Eltern eigentlich alles andrehen?

Mama-Bloggerin Silke ärgert sich über unverschämt teures Puppentheater.
Mama-Bloggerin Silke ärgert sich über unverschämt teures und schlechtes Puppentheater.
Foto: iStock

Mama-Bloggerin Silke regt sich auf. Über ein liebloses Puppenspiel. Über völlig überteuerte Eintrittspreise. Über eine Stunde Verarschung  im Zirkuszelt. Und vor allem darüber, dass sie machtlos gegen die Abzocke ist: Weil ihr Sohn überglücklich neben ihr sitzt und mit großen Augen auf die Bühne starrt.

Die Plakate hatte Tom schon seit anderthalb Wochen fest im Blick: „Jimmy, der kleine Affe“ lacht in unserem Viertel gerade von jeder Straßenlaterne. Ein Puppentheater für Kinder ab 2 Jahren – perfekt für einen kleinen Familienausflug.

Weil Tom es noch nicht so mit Zeitangaben hat und die Aussage „Da gehen wir Sonntag hin“ ihn am Montag in tiefste Verwirrung und nerviges Nachfragen gestürzt hätte („Wann gehen wir hin? Mama? Mama! Wann?! WANN!?? MAMAAAA WANNNNN!“) haben wir uns die frohe Botschaft für den Sonntagmorgen aufgehoben: Nach dem Mittagsschlaf gehen Mama, Papa und Tom zusammen zu „Jimmy, der kleine Affe“ ins Puppentheater. Hurra!

Schlange stehen für wackelige Holzbänke

Extra pünktlich standen wir vor dem kleinen Zirkuszelt. Und wurden dafür mit extra langem Anstehen bestraft. Die Idee, am Sonntagnachmittag einen Familienausflug zu planen, kommt nunmal mehreren arbeitenden Eltern. Nachdem mein Mann die (jetzt festhalten bitte!) 26 Euro (!!!!!) Eintritt entrichtet hatte, sicherten wir uns schnell den letzten freien Platz auf einer wackeligen Holzbank in der hintersten Reihe. Ob er denn die Rabattgutscheine nicht abgegeben hätte, frage ich neunmalklug nach. Doch, hatte er. Sonst hätte der Spaß noch mehr gekostet.

Noch immer stark irritiert von den horrenden Eintrittspreisen nehme ich auf der wackeligen Holzbank Platz. Tom wird von hier aus absolut nichts sehen können (zur Erinnerung: wir befinden uns in einem Theater EXTRA für Kinder). Wir planen also schon einmal, wie er das Ganze am besten im Stehen oder auf dem Schoß von einem von uns beobachten kann. Da ertönt aus den Seitenlautsprechern die Ansage, wir mögen doch bitte alle enger zusammenrutschen, draußen stehen noch weitere Familien an. Bierbänke werden ins Zelt getragen, um weitere Sitzplätze zu schaffen – und mich beschleicht ganz kurz die Frage nach den Brandschutzvorrichtungen dieses Etablissements.

Das Stück ist eine Unverschämtheit.

Dann geht es los. Und die eigentliche Unverschämtheit beginnt. Von den Plakaten hatte uns ein Affe in Dschungel-Kulisse angelacht. Ich rechnete daher mit einem Puppenspiel, das – logisch – im Dschungel spielt. Mit vielen Tieren und einem aberwitzigem Affen, der lustige Abenteuer erlebt. Tatsächlich begrüßte uns nun eine irgendwie furchteinflößende Kasperle-Puppe, die erzählte, Affe Jimmy sei aus dem Zoo ausgebrochen. Kein Dschungel. Kein Affe Jimmy. Der versteckt sich nämlich.

Affe Jimmy war die Figur, die das Ganze Stück über am wenigsten zu sehen war. Sowieso war ziemlich wenig zu „sehen“ – denn alles, wofür es weitere Kulissen gebraucht hätte, wurde ins Bühnen-Off verlegt. So konnten die Kinder nicht sehen, wie Johann, der Tierfänger, Affe Jimmy in die alte Scheune sperrt – sie hörten es nur. Sie konnten auch den Hühnerstall nicht sehen und die Befreiungsaktionen aus beiden Gebäuden (dafür hätte man ja einen Hühnerstall basteln müssten). Eine knappe Stunde dauert das Kasperletheater, dessen Moral am Ende tatsächlich lautet: Affen gehören in den Zoo, nirgendwo anders hin. Kein Dschungel. Und andere Tiere gab es natürlich auch nicht.

Wir sind entsetzt. Tom ist begeistert.

Mein Mann (der hauptberuflich Filmkritiker und bei der Bewertung von künstlerischen Darstellungsformen noch deutlich ungnädiger als meine Person) und ich sind uns einig: Das ganze Theater war eine einzige Unverschämtheit. Er überlegt, Geld zurückzuverlangen. Da mir so etwas immer eine Spur unangenehm ist, zögere ich. „Sooo schlimm war es doch auch wieder nicht“, lüge ich. Doch, das war es.

 

Was uns wirklich davon abhält, Beschwerde einzulegen, ist unser Sohn. Der strahlt übers ganze Gesicht: „Jimmy ist ausgebrochen!“, ruft er, und beginnt, uns die ganze eben gesehene Geschichte nachzuerzählen. Wenn er mit der Handlung durcheinanderkommt, müssen wir aushelfen und gemeinsam das bekloppte Theaterstück wieder und wieder nacherzählen. Auch abends beim Einschlafen noch. Das Kind ist überglücklich. Selbst heute Morgen beim Anziehen erzählt er mir noch stolz, dass er auch im KiTa-Morgenkreis vom Puppentheater berichten wird.

Ist das Kind glücklich, sind die Eltern gnädig

Ich habe einen bösen Verdacht. Nämlich den, dass die Betreiber dieses Theaters ganz genau wissen, dass sie da eine einzige Grütze auf der Bühne veranstalten. Dass sie ganz bewusst auf teure Kulissen, neue Handpuppen und Sitzkomfort für die Eltern verzichten. Weil sie wissen: Den Kindern gefällt’s! Also halten die Eltern den Mund. Egal zu welchem Preis. Wenn der Nachwuchs eine Stunde lang gebannt auf die Bühne starrt und noch Tage später vom Erlebten berichtet, war doch alles richtig. Was sind da schon 26 Euro Eintritt? 

Immerhin: Als wir Tom fragen, was ihm denn am besten gefallen hat an dem Theaterstück, fasst er zusammen: „Der Affe war toll. Aber Kasper mag ich nicht. Der war doof.“ Wir sind stolz auf unseren Nachwuchs-Kritiker. Und ich weiß schon jetzt: Das nächste Theaterstück sehen wir uns eh wieder an. Auch für 26 Euro Eintritt.

Eure Silke

Silke Schröckert bloggt für Wunderweib.de über das Leben mit Kindern.
Silke Schröckert bloggt für Wunderweib.de über das Leben mit Kindern.

Willst du aktuelle News von Wunderweib auf dein Handy bekommen? Dann trag' dich schnell in unserem WhatsApp-Newsletter ein!

PS: Silke gibt's auch täglich frisch auf Twitter:

Nächste Kolumne von Silke:

Wie Schwangerschaftsdiabetes eine Schwangerschaft verändert

Noch mehr Mama-Blogs!

Hier berichten Anja, Timea und Verena aus ihrem trubeligen Familienleben!

Kategorien: