Lotusgeburt: Wenn die Plazenta am Baby bleibt

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Bei einer Lotusgeburt bleibt die Plazenta noch am Körper des Babys.
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Lotusgeburt: Entbindung ohne Abnabelung

Manche nehmen die Plazenta mit, andere essen sie sogar. Jetzt gibt es einen neuen Trend: Mütter lassen die Plazenta bei der sogenannten Lotusgeburt noch an ihrem Baby. Ist das wirklich gesund?

Immer wieder kommen neue Mythen rund um die Plazenta auf. In manchen Völkern gilt die Nachgeburt als heilig und wird vergraben. Andere Familien wiederum nehmen den Mutterkuchen nach der Geburt mit nachhause, verwahren ihn, oder essen ihn sogar aufgrund seiner Nährstoffe auf. Jetzt kommt ein neuer Trend auf: Die Lotusgeburt.

Bei der Lotusgeburt erfolgt die Entbindung – wie im Tierreich - ohne Abnabelung. Das heißt: Die Plazenta bleibt noch einige Tage am Körper des Babys. Es wird abgewartet, bis die Nabelschnur von selbst abfällt – ein Vorgang, der 3 bis 10 Tage dauern kann.

Bei der Lotusgeburt wird die Plazenta am Baby gelassen.
Bei der Lotusgeburt wird die Plazenta am Baby gelassen.
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Sie rieb ihn mit Salz ein, um den Geruch zu unterdrücken

Adele Allen hat sich für eine Lotusgeburt entschieden. Ganze sechs Tage blieb die Plazenta nach der Geburt am Körper ihres Babys. Auf ihrem Blog berichtet sie stolz über ihre Erfahrung – und erntet nicht nur positive Kommentare, sondern auch Kritik.

Bei der Geburt akzeptierte Adele den Mutterkuchen als Teil ihres Babys, den sie keinesfalls abtrennen wollte. Sie rieb ihn mit Salz ein, um den Geruch zu unterdrücken und säuberte ihn täglich. Während der Nacht lag die Plazenta neben dem Bett, über den Tag trug sie sie in einer extra Tasche – für viele Menschen ein durchaus irritierender Anblick.

Auch Ärzte stehen der Lotusgeburt kritisch gegenüber. Laut Weltgesundheitsorganisation sei der ideale Zeitpunkt zum Durchtrennen der Nabelschnur, wenn deren Blutversorgung versiegt – was nach der Geburt etwa drei Minuten dauert.

Wieso also die Plazenta erhalten, wenn die Blutzirkulation ohnehin bereits eingestellt ist?

Durch das Erhalten des Mutterkuchens soll die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Neugeborenen die ersten Tage gesichert werden und damit einen sanfteren Start in das Leben ermöglichen. Babys sollen sich insgesamt psychisch ausgeglichener und entspannter entwickeln. Gleichzeitig weisen Befürworter der Lotusgeburt darauf hin, dass sich etwa ein Viertel des Blutes bei der Geburt in Nabelschnur und Plazenta befinden. Lässt man den Mutterkuchen somit von selbst abfallen, erspart man dem Baby einen enormen Blutverlust, die Eisenvorräte bleiben geschützt und das Immunsystem könne sich stärker entwickeln.

Trotzdem ist die Lotusgeburt nicht nur mit einem erhöhten Hygieneaufwand, sondern auch mit einem Infektionsrisiko verbunden, weshalb die Lotusgeburt nur unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden sollte. In Krankenhäusern wird die Variante gar nicht angewandt, da die hohe Keimdichte in der Luft das Risiko für eine Infektion steigert.

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