LUSH: So werden die Produkte hergestellt!

anna frost

Foto: Lush

Kaum angekommen in Poole, geht es direkt ins Headquarter. Nein, dort werden keine Produkte für die Stores gefertigt, im Headquarter wird entwickelt, ausgedacht, getestet, Designs ausgearbeitet, der Kundenservice gesteuert und alle Dinge abgewickelt, die im Hintergrund eines Unternehmens eben so abgewickelt werden müssen. Spannend, aber ich wollte die frische und handgemachte Kosmetik sehen! In diesen Genuss, der ein Fest für alle Sinne werden soll, komme ich erst am nächsten Tag.

Es bleibt also genug Zeit, den allerersten LUSH Store in Poole zu besuchen und die Vorzüge eines Fischerortes kulinarisch zu erleben. Am nächsten Morgen geht es direkt nach dem Frühstück los. Etwas weiter außerhalb von Poole befindet sich das Fabrikgelände von LUSH. Ein Fabrikgelände, wie es in jedem Land hätte sein können: groß, weitläufig, eher praktisch designed, als besonders hip. Erst kurz vor dem Eingang wird uns Besuchern klar, dass wir uns in der Nähe der LUSH Fabrik und der LUSH Kitchen befinden, denn der allerseits bekannte Duft holt uns bereits mehrere Meter vor dem Haupteingang ab. Den typischen Duft, der jeden LUSH Store durch die Masse der unverpackten und duftenden Produkte gleich riechen lässt, gibt es übrigens abgefüllt als Parfum im ersten LUSH Store in Poole als exklusives Produkt zu kaufen. Sollte es den einen oder anderen LUSH Fan mal nach Poole verschlagen: in der 29 High Street befindet sich nicht nur das LUSH Spa, dort gibt es auch das exklusive 29 High Street Perfume zu kaufen.

Hey good Looking what have you got cooking?

Der gesamte Tag soll unter dem Motto "Selbst Hand anlegen" stehen. Nach einer kurzen Einführung stehen wir auch schon am Herd der LUSH Kitchen und mischen nach den geheimen Geheimrezepten Zutat um Zutat zusammen. Keine große Menge, sondern eine kleine. Eine kleine Menge, die man auch im heimischen Suppentopf herstellen könnte... wüsste man das Rezept. Aber die Rezepte werden gehütet wie rohe Eier.

Etwa ein Dutzend Pötte American Cream, einer Bodylotion mit betörendem Milchshake Geruch, welche leider schon vor langer Zeit aus dem Standardsortiment genommen wurde, stellen wir her und bekleben sie auch von Hand mit den Etiketten für die Inhaltsstoffe und anderen wichtigen Infos. Das der Klebejob bei den vielen anderen LUSH Produkten von keiner Maschine, sondern ebenfalls von Hand gemacht wird, werde ich später noch erfahren. Aktuell bin ich noch von der LUSH Kitchen fasziniert. Während wir eifrig unsere Dosen bekleben, schneidet das Team am anderen Ende der Kitchen bereits die Früchte zurecht, die gleich für eine weitere Creme verarbeitet werden sollen. Frische Früchte, die soeben noch im prall gefüllten Kühlschrank lagen, aus dem ich mir ein paar lose Weintrauben stibitzen durfte. Frisch und handgemacht, diese Attribute konnte ich bereits in kürzester Zeit auf meiner Liste abhaken.

Nebenbei erfahre ich noch, dass mehr als die Hälfte der bei LUSH hergestellten Produkte ohne Konservierungsmittel hergestellt werden, bzw. so hergestellt, verarbeitet und aufbewahrt werden können, dass sie selbstkonservierend sind. Zusätzlich werden mehr und mehr Produkte bearbeitet, die Formeln werden teilweise minimal verändert, sodass synthetische Konservierungsstoffe Stück für Stück aus dem Großteil des Produktsortiments verbannt werden können. Täglich wird hier in der LUSH Kitchen in einer kleinen limitierten Menge ein Produkt hergestellt, welches schon lange nicht mehr im Standardsortiment in den Shops zu kaufen ist oder aber auch völlig neue Produkte, die für eine kleine Zielgruppe zur Verfügung gestellt werden. Ein Schwung wird von dem Kitchen Team an einem Tag hergestellt, teilweise kann man die Prozedur via Livestream online oder auf Instagram verfolgen und bereits am nächsten Tag sind die Produkte online zu ordern. Aber nur so lange, wie der Vorrat reicht. Wer ein heiß geliebtes Produkt vermisst, bekommt so die Chance, sich neu einzudecken. Hier heißt es jedoch immer wieder aufs neue: Schnell sein! Häufig sind die frischen und limitierten Produkte schneller ausverkauft, als warme Semmeln am Sonntag. Bisher gibt es die LUSH Kitchen nur in England, verschickt wird jedoch weltweit und weitere Kitchen sind ebenfalls geplant. Eingedeckt mit meiner eigenen von mir selbst hergestellten Bodylotion, mit meinem Sticker und Namen drauf, ziehen wir weiter in die Fabrik. Uns kommen Düfte von Erdbeeren, Mangos, Rosen und anderen Blütenblättern entgegen, ein wenig kitzelt es in der Nase und ehe wir uns versehen, stehen wir mitten in der LUSH Fabrik. Hier spielt Musik, junge und auch ältere Menschen stehen an Theken voller buntem Badepuder, unterhalten sich, singen die Songs im Radio mit, sind gut drauf, arbeiten zügig und erklären uns freudig ihre Arbeit. Sie fertigen die unterschiedlichen Badekugeln, die ordentlich sortiert in jedem LUSH Store zu kaufen sind. Von Hand. Ganz frisch. Ein paar Stunden bis zu drei Tage müssen die Kugeln trocknen, bis sie ihre Form beibehalten und hart sind, dann werden sie auf dem schnellsten Weg in die LUSH Stores weltweit verschickt. Ich bin fasziniert und zugleich betört vom himmlischen Duft, der hier in höchster Konzentration meine Nase kitzelt.

Die Kollegin und ich werden zum kleinen Showdown aufgefordert - Badekugeln wettformen. Wer ist schneller? Steve, der erfahrene LUSH Mitarbeiter, oder wir zwei zusammen? Ich ahne schon, wir haben keine Chance bei dem Tempo, was der junge Mann vorlegt. Meine ersten zwei geformten Kugeln wurden mit einem freundlichen Lächeln von unserem Guide wieder auseinander genommen. Das könne man zu keinem Store schicken. Upsi! Ein bisschen mehr Übung brauche ich also doch. Ein neuer LUSH Mitarbeiter braucht maximal eine Woche, bis er mit dem Tempo und der Qualität der alten Hasen mithalten kann. An der nächsten Station werden die Hennapasten rhythmisch zur Musik in die Formen geklopft. Natürlich von Hand. So haben die Mitarbeiter das optimale Gefühl für die Menge der Paste in den Förmchen.

Und der Rhythmus? Der liegt den jungen Mitarbeitern einfach im Blut und außerdem sind die Beats aus dem Radio echt mitreißend. Gleiches gilt für die jungen Damen eine Station weiter, die den Alltime-Favorite The Comforter frisch aus einer langen Schlange schneiden, die eben erst von ihren Mitarbeitern auf den Tisch gelegt wurde. Die Scheiben werden zurecht geklopft und in die richtige ovale Form gedrückt. Von Hand natürlich. Hier ist jedoch Augenmaß gefragt! Jede Scheibe The Comforter sollte um die 200g schwer sein. Ob ich als Heldin am heimischen Herd perfektes Augenmaß besitze? Aber sicher doch! Vielleicht war es auch nur Glück oder ein bisschen Zufall, dass ich gleich drei Mal hintereinander exakt 200g Scheiben schnitt und in eine hübsche ovale Form drückte. Wer wohl heute eine der drei Comforter in seinem LUSH Store irgendwo auf der Welt ausgesucht und nun die Badekugel in sein Badewasser bröselt? Ich werde es leider nie erfahren...

Dafür erfährt Anna allerdings wie die Produkte von Lush verpackt haben. Alles weitere dazu hier im dritten Teil!

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