Macht Urlaub allein einsam?

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4. Teil: Frauen-Kolumne

Jeden Montag diskutieren die beiden Frauen ein neues Problem rund um Herzensangelegenheiten: Cornelia Mangelsdorf (43) Chefredakteurin der "WOCHE HEUTE", und Clara Ott (29), Online-Redakteurin WUNDERWEIB.

Liebe Cornelia

Während ich das hier schreibe befindest du dich gerade im Familienurlaub. Beneidenswert! Ich hatte auch kürzlich eine Woche frei. Wo ich hingefahren bin und mit wem? Mit niemandem. Nirgendwohin. Oder, warte! Falsche, negative Herangehensweise! Ich bin natürlich mit der Person, die ich am meisten liebe verreist! An einen Ort, an dem ich mich wohlfühle.

Ich war alleine zuhause. Mit mir. Und es war schön.

Denn ich bin mittlerweile beinahe zu so etwas wie einer Gern-Alleinreisenden geworden. Mein Urlaub im vergangenen Jahr führte mich eine Woche nach Rügen in eine traumhafte Ferienwohung mit Meerblick. Dort verbrachte ich eine ruhige Woche und kam endlich dazu, mal ein Buch zu schreiben. Testweise.

Und 2007 reiste ich eine Woche allein nach Paris. Auch schön! Denn wer kennt es nicht, wenn man mit seinem Partner oder seiner besten Freundin durch eine Großstadt spaziert und man oft relativ unentspannt versucht, innerhalb weniger Tage viele Dinge unterzubringen, die beide wollen. Bei allen Urlauben mit meinen Exfreunden kann ich behaupten: Liebe im Urlaub ist mehr Arbeit als Erholung! So konnte ich schlendern, wohin ich wollte und tun, wonach mir war.

Zugegeben, es macht an folgenden zwei Momenten keinen Spaß, allein einen Urlaub zu verbringen:

Wenn man im Urlaub mal nicht genau weiß, worauf man nun Lust hast – sei es Hamburg, Paris oder Rügen – kann man niemandem um seine Meinung und seine Ideen Fragen. Rücksicht auf jemandem nehmen kann auch glücklich machen! Alleine zu entscheiden, wo gefrühstückt wird (im Bett frühstückt man eh nicht solo), was der Tag bringt, ob man ans Meer fährt oder faul ist, ob man abends einen Tisch in einem Restaurant bestellt oder nachts durch die Stadt spaziert – da fehlt einem nicht nur bei letzterer Tätigkeit manchmal der andere Arm, der einen begleitet...

Und neben der manchmal sehnsuchtvollen Urlaubsbegleitung, die die „schönsten Tage im Jahr“ teilt und plant und aufhübscht, da vermisse ich nach der freien Zeit einen Menschen, der meine Urlaubserinnerungen teilt.

„Weißt du noch Clara, wie schön es war einfach mal faul stundenlang mit dir im Freibad zu liegen, die glücklichen Menschen in der Sonne zu beobachten, ein grandioses Buch zu lesen und zu sehen, wie dein Rücken immer röter wurde? Als das Paar neben uns mit seinen Kindern gespielt hat und wir darüber sinnierten, wie unsere Kinder wohl später aussehen würden? Als wir stundenlang durch teure Läden gezogen sind, keinen Cent ausgaben, uns ausmalten, hinter welchem geblümten Altbaubalkon wir wohnen könnten und abends dann schick essen gehen? Und wie wir eine Woche internetfrei lebten, als Selbstversuch, was herrlich entspannend war, weil die innere Unruhe verschwand?“ Weißt du noch, weißt du noch...? Es war schön mit dir. Danke.

Zur Sicherheit habe ich mir selber eine Postkarte geschickt. Als Erinnerung an diese Tage.

Mache ich mir selber etwas vor?

Deine Clara

Liebe Clara,

Post aus Südfrankreich. Zwischen Mittagessen machen und Strandsachen aufhängen (nein, das war Monsieur), klaue ich mir jetzt eine Stunde, um Dir zu schreiben. Mein Sohn und sein Halbbruder gucken auf dem Laptop einen Film, um ihren (wie immer) großen Hunger zu überbrücken. Der Liebste ließ sich überreden, die Salatsauce zu machen. Ich hab frei!!!

Zehn Tage, eine Familie und lange Autofahrten: was ergibt das wohl?

Stress? Auch! Aber vor allem: Spaß. Wenn man eisern ist! Beispiel gestern abend: Da klebte unserem Ältesten mal wieder das Handy am Ohr, und das in trauter Familieneintracht! Ich also: weg mit dem Ding. Max zurück: Ich hab Nachricht von zehn Freunden, muss antworten.

Herrje, ich verfluche manchmal die Handys und IPods dieser Erde. Ich im Auto zu meinem Filius: Guck mal, Lee, die Burg da oben. Keine Reaktion. Dafür beharrliches Mummern seiner weißen Knöpfe im Ohr. Apropos Musik hören auf der Reise: Meine geliebten Chansons müssen sich ihren Platz teilen mit AC/DC und Nirvana!

Du sagst es, Urlaub mit anderen heisst Rücksicht nehmen. Heute nachmittag müssens die Buben tun, denn dann ist Museum und Shopping dran, nur für mich! Ich höre schon ihr Wehklagen: "Och nee, nicht wieder ein Dekoladen". Sie es drum: Urlaub ist für alle da, also auch für mich.

Bevor ich jetzt die Melonen auf den Tisch stelle: Clara, Du machst es goldrichtig. Geniesse die Zeit mit Dir!! Die tut so was von gut! Und ehrlich gesagt freu ich mich schon diebisch auf ein Mädchenweekend, das meine Freundin und ich uns einmal im Jahr gönnen. Ist das schön! Und keiner mault, wenn ich das zehnte Schuhgeschäft betrete.

So, ich geh jetzt Löwenmäuler füttern. Das hat auch seinen Reiz, denn nach dem Essen sind sie meistens friedlich...

Deine Cornelia

Liebe Cornelia,

ich wünsche Dir in Deinem Urlaub weiterhin starke Nerven. Mit dem Partner zu verreisen ist das eine. Aber mit Kindern sieht es sicherlich noch mal eine Nummer stressiger aus! Der Urlaub ist immer eine Chance, an der Beziehung mit dem Liebsten zu arbeiten, aber dann auch noch Erziehungsmaßnahmen anwenden wie Musikhören vs. Schuhgeschäft, Handyterror beim Abendbrot und das ewige "Wann sind wir endlich da?" - keine Urlaubsruhe, aber dennoch ein unvergeßlicher, wunderbarer Urlaub für Dich!

Ich habe in meinem Urlaub nur mich selber erzogen. Habe mir Regeln gesetzt wie täglich Sport zu machen und statt stundenlang Musik in der Sonne dösend zu hören habe ich mich selbst gezwungen, in der Sonne Tageszeitung zu lesen oder ein sinnvolles Buch.

Doch auf der anderen Seite hat es niemanden interessiert, ob ich Freude beim Besuch eines Schuhladens empfunden habe oder traurig war, als mir vor dem Eisladen meine zwei köstlichen Kugeln runterfielen, weil ich zu ungeschickt mit der Handtasche und dem Portmonnaie hantierte.

Wäre ich sechs Jahre alt gewesen, hätte ich geweint ob des Eisverlustes. Und wäre ich mit meinen 29 Jahren in Begleitung eines Mannes im Schuhladen, hätte mich seine Einschätzung interessiert, wie er die Schuhe findet. Und sie dann trotzdem gekauft.

So habe ich ein Stückchen weiter gelernt, mit mir selbst auszukommen und in mich reinzuhorchen. Meine Gefühle gleichzeitig zu deuten und zu überlegen, welche Entscheidungen sinnvoll sind und welche reine Zeitverschwendung.

Nicht immer macht das Alleinsein glücklich. Aber meistens doch zu meiner Zufriedenheit. Und ich weiß es immer mehr zu schätzen, wenn im Alltag Menschen mit mir Zeit verbringen. Sei es ein gutes Telefonat oder ein paar Stunden am Elbstrand. Allein Urlaub machen, ja, das kann man prima. Aber dauerhaft zum Alleinsein ist niemand, egal ob Single oder nicht, gemacht!

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