Männer: Toller Typ, mieser Sex?

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Sex

Kann ja passieren. Der Mann ist der Hammer, aber ein Dünnbrettbohrer im Bett ... Was tun? Sich einreden, es gäbe Wichtigeres? Ansprechen? Oder ist schlechter Sex ein Beziehungs-Killer?

Wir lagen im Bett. Er war gekommen, ich mal wieder nicht, und wie immer, wenn ich nicht gekommen war, entschuldigte er sich. Tut mir leid, sagte er, ich weiß auch nicht, sagte er, kann ich etwas für dich tun, sagte er, magst du vielleicht ein Glas Wasser?

Es gibt nur eine Sache, die schlimmer ist als miese Kerle, die mies sind im Bett: nette Kerle, die nett sind im Bett.

Dabei war er nicht einmal schlecht, nicht im klassischen Sinne. Er wusste, wo er hinfassen musste und wohin nicht, und er war so ausdauernd, wie die meisten Männer es nur beim Schweigen sind. Die ersten paar Male denkt man: Toll, endlich ein Mann, der nachfragt, ob man sich gerade nach Sex fühlt, endlich einer, der sich dafür interessiert, ob es sich gut anfühlt, was er da tut. Aber schneller als einem selbst lieb ist, gewöhnt man sich an all das nette Reden und nette Streicheln und nette Kitzeln und außerordentlich nette Liebemachen. Ja genau, Liebemachen, so nannte er es immer, zwar lustig und auf irgendeiner Metaebene total ironisch, aber genau so war es dann auch.

Lange weiß man nicht, wie man damit umgehen soll. Und lange denkt man sich Ausreden für ihn aus: Er behandelt dich eben wie eine Königin, nicht wie ein billiges Bunny, ist doch auch schön, dieser Kuschelsex, und so innig. Kein Wunder, dass du nie kommst, die Gefühle beim Sex gehen eben viel zu tief, da bleibt einfach kein Platz mehr für kopflose Geilheit. Gibt es nicht wichtigere Dinge als Sex? Denk doch nur daran, was man sonst alles mit diesem Mann anstellen kann: einkaufen gehen, über Lampenformen, Jeanswaschungen und Vanilleeismarken diskutieren.

Und viel wichtiger: Mit ihm kann man reden, richtig reden, über Gefühle und die eigenen Kindheit und seine Kindheit und die Zukunft und das Leben und die Rumzickereien der werten Kollegin. Er kann gut mit Tieren, Pflanzen und Computern, er kann sogar gut mit griesgrämigen Computerhotline-Mitarbeitern.

Meine Mutter wäre hingerissen von ihm. Was einen grundsätzlich alarmieren sollte, vor allem, wenn er sich dann auch im Bett wie Muttis Liebling benimmt. Jedes einzelne Mal und ohne Ausnahme: ein Liebhaber wie ein Seitenscheitel. Es ist auf Dauer ganz einfach beleidigend, für eine gehalten zu werden, mit der man nicht versaut sein kann. Mit einer Frau verwechselt zu werden, mit der man Liebe macht, statt sie anständig zu vögeln. Nur, wie sagt man das einem netten Kerl, den man wirklich nicht verletzen will, weil er so nett ist? Ihm zeigen, was man will?

Funktioniert nicht. Als ich mich auf den Bauch gelegt habe, mittendrin und demonstrativ, hat er mir mit seinem Zeigefinger "Ich liebe Dich" auf den Rücken geschrieben.

Also: Darüber reden, das kann er ja so gut wie kein anderer. Nur wie?

Schätzelchen, es ist ehrlich schön, dass du dir eine dreiviertel Stunde Zeit nimmst, Herzchen um meinen Bauchnabel zu malen, aber jetzt würde ich es begrüßen, wenn du mich anfassen würdest, als wärst du schlecht erzogen? Gute Idee, schlechter Zeitpunkt.

Also kam es, wie es kommen musste, irgendwann fragte er, ob irgendetwas nicht stimmt, ob er irgendetwas falsch macht, und ich sagte ohne jedes Irgendwie: Ich hätte es gerne wilder im Bett, mir ist das alles viel zu nett. Erst sagte er gar nichts. Dann sagte er: Bei mir hat sich noch nie eine beschwert. Er sagte auch etwas von mangelnder Kommunikation und davon, dass es beim Sex um mehr ginge als immer bloß um den nächsten Orgasmus. Nennen Sie mich herzlos, aber: Als er ging, ging ich ihm nicht hinterher. Er kam nie wieder. Ich schon.

Buchipps zum Thema:

Ulrich Clement: "Guter Sex trotz Liebe" , Ullstein Taschenbuch, 8,95 Euro

Esther Perel: "Wild Life. Die Rückkehr der Erotik in die Liebe" , Piper Verlag, 8,95 Euro

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