Regretting MotherhoodMama-Blog: „Das Muttersein bereuen? Niemals!“

Mama-Bloggerin Silke findet, dass keine Mutter öffentlich verkünden sollte, wie sehr sie ihr Kind bereut.
Mama-Bloggerin Silke findet, dass keine Mutter öffentlich verkünden sollte, wie sehr sie ihr Kind bereut.
Foto: iStock

„Das Muttersein bereuen? Niemals!“

Mama-Bloggerin Silke über die „Regretting Motherhood“-Debatte

Unter dem Titel „Regretting Motherhood“ wird sein Monaten wild diskutiert: darüber, dass Mütter es bereuen, Mütter zu sein. Darüber, dass es gut ist, dass diese Mütter sich endlich trauen, das auch laut auszusprechen. Silke ist Mutter und wird es gerade ein zweites Mal. Sie fragt sich, ob diese Mütter nicht eher bereuen werden, sich jetzt öffentlich an der Debatte beteiligt zu haben.

Bei Steffen Hallaschka sitzt eine Buchautorin im Studio und hat tatsächlich gerade gesagt: „Natürlich liebe ich mein Kind. Aber ich bereue es, Mutter geworden zu sein.“ Hä?? Hab ich das gerade richtig verstanden? Da sitzt eine Mutter und erzählt ganz Fernseh-Deutschland, dass sie es BEREUE, Mutter geworden zu sein? Vor lauter Fassungslosigkeit bleibe ich beim Zappen hängen – und schaue mir das Interview bis zum Ende an (in dem die Dame noch mehr solch widersprüchlichen Unsinn von sich gibt).

Die Ausstrahlung dieser Folge von Stern TV ist schon einige Monate her. Das Zitat oben ist daher sicher nicht wortwörtlich gefallen – aber auf jeden Fall sinngemäß. Das weiß ich so genau, weil ich damals direkt die Dame gegoogelt und mir ihre Buchzusammenfassung durchgelesen habe. Und die Kommentare dazu. Und die Kommentare zu den Kommentaren. Und *schwupps* steckte ich mittendrin in der „Regretting Motherhood“-Debatte. Beziehungsweise darf man ja in dem Zusammenhang den Hashtag nicht vergessen, damit auch wirklich JEDER in den sozialen Netzen völlig ungefiltert seine Meinung dazu lostreten kann. Also: Ich las mich an diesem Tag ein in die #RegrettingMotherhood-Debatte – und war entsetzt.

Von der Studie zur Social-Media-Meinung

Um einmal zum Ursprung zu kommen: „Regretting Motherhood“ ist der Titel einer Studie, die 2015 veröffentlicht wurde. Die Autorin befragte für die Studie Mütter in Israel und fasst unter dem Begriff „Regretting Motherhood“ diejenigen Befragten zusammen, die es anhaltend bereuen, Mutter geworden zu sein und ihre Rolle als Mutter negativ erleben.

„Hurra!“, rufen da deutsche Buchautorinnen, „endlich darf man es laut aussprechen!“. Sie veröffentlichen ganze Bücher darüber, wie scheiße es ist, Mutter zu sein, setzen sich damit in Talkshows und vor Radio-Mikros und finden zu allem Überfluss eine ganze Anhängerschaft unter ihren Leserinnen, die der gleichen Meinung sind und ihre öffentlichen Aussagen auf Facebook, Twitter & Co. untermauern mit einem stupiden „Das muss man ja wohl mal sagen dürfen.“

Wann wurde Nachdenken eigentlich uncool?

Die Debatte dauert an. Und ich kann sie auch Monate später einfach gar nicht begreifen. Etwas „bereuen“ bedeutet so viel wie etwas „bedauern“. Und ich bedaure etwas, das mir Leid tut. Sünden, die ich begangen habe, zum Beispiel. Und die ich gern ungeschehen machen würde. Anders formuliert: „Ich bereue es, Mutter geworden zu sein!“ bedeutet nichts anderes als „Ich wäre lieber keine Mutter!“. Also im Umkehrschluss: „Ich hätte lieber kein Kind.“ Ein vorangestelltes „Natürlich liebe ich mein Kind, aber …“ macht diese krasse Aussage auch nicht mehr wett. Wer lieber kein Kind hätte, als das, das er nun einmal in die Welt gesetzt hat, kann doch nicht ernsthaft behaupten, dass er dieses Kind liebe.

Um das klarzustellen: Ich laufe auch nicht jede Minute meines Mami-Lebens strahlend-glücklich durch die Welt und grinse fröhlich vor mich hin. Es gibt genügend Situationen, in denen mich mein Zweijähriger in den Wahnsinn und/oder an die Grenzen der Belastbarkeit treibt. Aber deshalb bereue ich doch nicht, ihn bekommen zu haben! Ich wünsche mir wirklich, dass die Kinder dieser Mütter nie, nie, niemals in den Tiefen des Internets auf diese Debatte stoßen werden (die hoffentlich bald ein Ende findet). Und dabei ein Zitat ihrer eigenen Mutter entdecken müssen, in dem sie sich wünscht, sie niemals bekommen zu haben.

Eure Silke

Silke Schröckert bloggt für Wunderweib.de über das Leben mit Kindern.
Mama-Bloggerin Silke findet, dass keine Mutter öffentlich verkünden sollte, wie sehr sie ihr Kind bereut.
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