Marion Kracht im Interview

marion kracht
Für die Schauspielerin und zweifache Mutter ist Umweltschutz kein leeres Schlagwort, sondern Lebensinhalt und Berufung
Foto: Getty Images

Ich möchte noch ganz viel ändern und erleben

Marion Kracht ist eine unserer beliebtesten und erfolgreichsten Schauspielerinnen. Aber auf Galas und roten Teppichen ist sie selten zu sehen. Wir haben Marion Kracht zum Interview getroffen und Spannendes von ihr erfahren.

Sie nimmt ihren Beruf ernst. Bereitet sich perfekt auf ihre Rollen vor. Lernte für einen Film sogar die Gebärdensprache. Den Anspruch hat sie an sich selbst. Sie achtet darauf, dass Rollen ein gewisses Niveau nicht unterschreiten, sagt sie. Und: "Ich bin froh, dass ich auch immer Theater gespielt habe!" Im November und Dezember ist sie mit der Komödie "Auf ein Neues" auf Tour. Das Wichtigste aber ist ihre Familie. Mit Ehemann Berthold Manns, 45, Architekt und Baubiologe, ihren Söhnen, Hund, zwei Katzen und vielen Pflanzen lebt sie in einer Maisonette-Dachwohnung in Berlin ...

Sie leben umweltbewusst, achten auf gesunde Ernährung und Bio-Qualität beim Wohnen und bei der Kleidung. Ist das nicht manchmal auch einseitig und freudlos?

Das bewusste Leben ist für mich und meine Familie zur Normalität geworden. Das ist oft sehr anstrengend, dass diese Unbedarftheit, die wir früher hatten, nicht mehr da ist. Aber die Frage ist doch, wie wir unsere Kinder - meine Söhne Tizian und Darius sind jetzt 12 und 15 - gut und frühzeitig an vernünftiges Konsumverhalten heranführen können. Darius fragt jetzt auch schon mal: "Warum sollen wir heute auf alles verzichten, was ihr früher hattet?" Natürlich hat er recht! Aber es nützt nichts: Wir können so nicht mehr weitermachen.

Und wie reagiert Tizian?

Der sagt "Umweltschwein", wenn einer allein in einem großen Auto an uns vorbeifährt! (Lacht) Und auch er hat recht. Wir können nie absolut konsequent sein. Auch ich fliege mal zu Dreharbeiten, und mein Mann benutzt das Auto, wenn er schnell zu einem Termin muss. Man muss da anfangen, wo es einfach ist: keine Plastiktüten, Mülltrennung, sparsam mit dem Wasser umgehen. Ein Freund von mir, ein Manager, fährt nur noch mit dem Zug und radelt im Businessanzug zum Job. Und dass sich so viele Jugendliche verstärkt dem Konsumzwang verweigern, finde ich großartig.

Kinder sind oft auch dem Gruppenzwang und der Meinung ihrer Freunde ausgesetzt ...

Ja, Darius besucht eine zweisprachige Schule mit vielen Amerikanern, die oft noch unbelehrbar sind. Für die sind Vegetarier und Umweltschützer Spinner. Tizian will Basketball-Profi werden und besucht ein Sportgymnasium. Als es hieß, als großer Sportler kann man nicht Veganer oder Vegetarier sein, hat er recherchiert: Es gibt viele erfolgreiche Sportler, auch Bodybuilder, die vegan oder vegetarisch leben.

Sie leben seit einer Indienreise vor 25 Jahren vegetarisch. Fühlen Sie sich auch körperlich wohler?

Wenn man ein großes Stück Fleisch isst, wird das schwerer verdaut, und man fühlt sich erschöpft und müde. Wenn ich ein Gemüse-Curry esse, spüre ich eine Art von Leichtigkeit. Daran muss sich der Körper erst gewöhnen, der Erfolg ist nicht sofort erkennbar. Aber ich fühle mich wesentlich besser, leichter, habe mehr Energie und Lebensfreude. Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist! Das stimmt. Wir essen Energie mit, und was wir landläufig an Fleisch angeboten bekommen, ist belastet mit Antibiotika und Medikamenten. Ganz abgesehen davon, unter welch unwürdigen, schrecklichen Verhältnissen die Tiere hochgezüchtet werden.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine eigene Feinkost-Linie herzustellen? Über Ihre Firma vevenga bieten Sie vegane Menüs an.

Es war die Erfahrung einer Familie im Alltag. Meine Jungs lieben Nudeln. Aber nicht ständig. Ich rufe zu Hause an, wenn ich bei Dreharbeiten bin, und frage: Was hat Papi gekocht? Die Antwort der Kinder: schon wieder Nudeln! So entstand die Idee, Fertigprodukte zu entwickeln, die bio und vegan sind. Vor vier Jahren war vegan ja noch ein Schimpfwort, inzwischen ist es mehr als ein Trend.

Wie streng sind Sie zu Hause beim Essen?

Nichts ist verboten. Wir essen freiwillig vegetarisch, und die Kinder bekommen das, worauf sie Lust haben. Keine Kompromisse gibt es bei der Herstellung unserer veganen vevenga-Produkte: keine Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker. Hergestellt wird in ausgesuchten Biomanufakturen. Wir machen Feinkostprodukte. Qualitätsrohstoffe haben ihren Preis.

Sie führen die Firma allein mit Ihrem Mann. Ist das ein zweites Standbein? Ein Neuanfang mit 50?

Ja, ich habe noch einmal etwas ganz Neues, von dem ich keine Ahnung hatte, angefangen. Auch in dem Bereich wird mit harten Bandagen gekämpft. Ich stecke da mein ganzes Herzblut rein. Und bei allen Problemen und sehr viel Arbeit sage ich: Es macht mir großen Spaß!

Und der Schauspieler-Beruf ist nicht mehr so wichtig?

Doch! Ich liebe meinen Beruf. Aber die Umstände haben sich verändert. Ich vermisse Fairness und Höflichkeit. Die Verrohung in der Gesellschaft und im Beruf ist auch bei uns zu spüren.

Sie wirken immer so gelassen und mit sich im Reinen ...

Das täuscht! (Lacht) Ich bin weit entfernt von buddhistischer Gelassenheit. Allein wenn man hinter die Fassaden der Politik zu gucken lernt, sehen wir, dass es ganz oft nur noch um Machterhalt und Geldverdienen geht, und leider nicht um Werte und Menschlichkeit. Wir müssten selbst politisch aktiver sein, ich weiß nur nicht, wann ich das noch machen soll.

Das klingt jetzt sehr gestresst ...

Ich arbeite wirklich sehr viel in der Firma. Ich möchte wieder mehr Sport machen. Mir fehlt Bewegung, aber auch Ruhe und Meditation. Ich will auch wieder mehr Zeit mit meinem Mann verbringen. Ganz privat! Zusammen arbeiten tun wir ja.

Wie wär's denn mit einem Liebesurlaub?

Das haben wir jedes Jahr gemacht. Nur letztes Jahr nicht. Jetzt planen wir aber wieder Auszeiten für die Liebe. Eine Woche nur für uns. Unser privates Glück muss wieder mehr Platz bekommen.

Was sind besondere Glücksmomente in Ihrem Leben?

Wenn meinen Söhnen etwas Großartiges gelingt, worüber sie sich freuen. Wenn mir etwas gelingt, wenn ich auf der Theaterbühne stehe und ein volles Haus jubelt, denke ich: Ach, ich habe den schönsten Beruf der Welt. Wenn ich in den Bergen stehe und über schneebedeckte Hügel blicke, ist das ein Glücksmoment für mich. Natur hat sehr viel mit Glücksgefühlen zu tun, deshalb müssen wir auch dafür sorgen, dass unsere Natur geschützt wird.

Sehen Sie sich als Mutter und beliebte Schauspielerin auch in einer Vorbildfunktion?

Natürlich! Man kann im Internet seinen persönlichen "ökologischen Fußabdruck" messen. Ich dachte, dass ich da gut abschneiden müsste. Ist aber überhaupt nicht so! Ich kann und möchte noch ganz viel verändern in meinem Leben. Ich möchte noch ganz viel erleben. Ich will sehen, wie meine Kinder und eines Tages vielleicht auch meine Enkelkinder älter werden. Ich will noch viel von der Welt sehen. Und ich achte darauf, dass ich meine positive Einstellung zum Leben trotz vieler Nackenschläge beibehalte.

Ihr Mann hat wie Sie am 5. Dezember Geburtstag, ist sechs Jahre jünger. Sind Sie ähnlich temperamentvoll oder gegensätzlich?

Wir sind uns in vielen Bereichen sehr ähnlich. Wir haben die gleiche Struktur, oft auch gleiche Reaktionen. Uns verbindet auch unsere große Neugierde, unsere Reiselust. Unsere Freude an Bewegung und an Kultur.

Gibt's auch mal Streit zu Hause?

Ja klar! Wir streiten heftig und kräftig, auch nach 17 Jahren noch. (Lacht) Aber es ist nie böse und nie so, dass wir den Respekt voreinander verlieren könnten. Wichtig ist die Versöhnung: Dass wir Frieden schließen und aus der Diskussion etwas lernen. Sonst wär's ja doof!

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