Mein Star des Jahres 2014: 6. Schlager-Verleihung

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Udo Jürgens gewann den Preis für das beste Album für "Mitten im Leben" und begeisterte mit seiner Performance
Foto: Getty Images

„Mitten im Leben“ bei Mein Star des Jahres 2014

Gestern fand zum 6. Mal in Hamburg die Verleihung von "Mein Star des Jahres" statt und die gesamte Schlager und Volksmusik-Branche gab sich die Ehre.

Es geht ein Ruck durch die Schlagerwelt. Das ist deutlich zu spüren. Was lange den älteren Semestern und einer eingeschworenen Szene zugeschrieben wurde, steht auf einmal mitten im Mainstream, ist für jedermann zugänglich und hat scheinbar eine ganz neue Selbstwahrnehmung gewonnen.

So wurde die diesjährige „Mein Star des Jahres“ -Preisverleihung zum Generationstreffen von Legenden wie Udo Jürgens (79), Chris de Burgh (65) und Howard Carpendale (68) auf der einen Seite und Senkrechtstartern wie Linda Hesse (27), Katja Friedenberg (28) und Voxxclub.

Letztere machten bereits ein lautesEntree am roten Teppich. Plötzlich wurde es laut, die überwiegenden Anzüge der Herren wichen kurzen Lederhosen, rockigen T-Shirts und Jeans Westen.

So sollte es dann auch direkt in die Verleihung gehen. Florian Silbereisen (33), der sich mit Kurzhaarschnitt, Jeans und T-Shirt sichtlich freier bewegte als noch vor einigen Jahren mit blondierten Spitzen und glitzernden Anzügen begann zu singen. Die Volksmusik Boygroup Voxxclub kam hinzu und feuerte ihren Hit „Rock Mi“ ab.

Gemeinsam sind sie auf der Tour mit dem viel sagenden Namen „Volksmusik macht Spaß - auch wenn’s nicht jeder zugibt ;-)“.

Da verwundert es nicht, dass man sich gegenseitig hilft. Voxxclub-Sänger Julian David (24) schmunzelt: „Ich hab den Florian in Form gebracht und jetzt ist er fast fitter als ich.“

Allerdings würden ihm auch Florian und Helene Fischer mit Beziehungstipps zur Seite stehen. Beim Leben auf Tour bleibt wenig Zeit mit Freundin Pia Malo (32), die gemeinsam mit ihrem Vater Olaf Malolepski (68) kam.

Dieser verlieh darauf auch gleich den ersten Preis für den besten männlichen Schlagerstar an das Duo Fantasy, die sich auch in puncto Mode nicht hinter den grell, glitzernden Sakkos der Flippers verstecken muss.

Es folgte der erste Auftritt eines nominierten Newcomers. José Valdes, ehemals Sänger bei Hot Banditoz, performte emotional seinen Hit „Senorita“ vom aktuellen Album „Mein Leben – MiVida“. Noch an dem Abend sollte aus vier Newcomern ein Gewinner ermittelt werden. Das Moderatoren-Duo Stefan Mross (38) und Sylvia Schneider (32) erklärte: Den Stimmen der Fans sollte noch eine Saalabstimmung stattfinden. Alle anderen Gewinner wurden komplett durch 9,3 Millionen Stimmen der Leser von Neue Post, Das neue Blatt, Das Neue, Freizeitwoche, TV Klar, Auf einen Blick und wunderweib.de bestimmt.

So auch Udo Jürgens, der mit seinem Auftritt und dem Gewinn des Preises für das beste Album des Jahres 2014 für einen denkwürdigen Moment sorgte. Uwe Bokelmann (41), Chefredakteur der Bauer Media Group (unter anderem TV – Hören und Sehen, Welt der Wunder u.A.), erinnerte sich an sein erstes Treffen mit Udo Jürgens, lobte ihn in den höchsten Tönen. Der sichtliche gerührte Sänger betrat die Bühne und nahm den Preis für „Mitten im Leben“ entgegen.

„Machen wir uns nichts vor. Ich bin nicht wirklich ‚mitten im Leben‘. Das bin ich nur im Kopf und da vielleicht sogar noch mehr, als ich es noch vor 20 oder 30 Jahren war.“ Spätestens in dem Moment, wo er sich an den Flügel setzte und „Bis ans Ende meiner Lieder“ anstimmte sah niemand mehr einen Mann, der in den nächsten Tagen 80 Jahre alt wird. Standing Ovations und Tränen der Rührung markierten den emotionalen Höhepunkt des Abends.

Da hatte es besonders Newcomerin Katja Friedenberg schwer, für ihren eigenen Auftritt die Stimme wieder zu finden. „Das war für mich ein ganz schlechtes Timing. Der Udo Jürgens hat mich so zu Tränen gerührt, ich wusste gar nicht, wie ich singen soll“, scherzte sie.

Immerhin konnte sie auf die Bühne. Die Newcomer-Band Großstadtrevier hatte einen Ausfall zu beklagen. Nach einer erschreckenden Not-OP wegen eines Pneumothorax in der Lunge, lag Leadsänger Jay Khan (32) noch im Krankenhaus.

Weiter wurde Schauspieler Till Demtrøder (47) mit dem „Charity-Ehrenpreis“ für sein wohltätiges Engagement bedacht. Beatrice Egli (26), die ehrfürchtig ihrem Laudator Roland Kaiser gegenüberstand, gewann den Preis für den besten weiblichen Schlagerstar.

Und dann wieder Voxxclub. Ihren Preis als beste Volksmusikstars feierten die euphorischen Jungs mit einer spontanen Live-Einlage, dass auch die Laudatoren Adoro nicht schlecht über diese Energie staunten.

Sie lassen sich nicht „schubladisieren“. Angesichts des Aufgebots bei „Mein Star des Jahres“ will sich Schlager und Volksmusik auch schon längst nicht mehr „schubladisieren“ lassen. Linda Hesse vertritt den Pop-Rock, Voxxclub die Boyband in der Volksmusik, Adoro bringen die Klassik mit, Udo Jürgens den Jazz.

Das war dann auch die Essenz dessen, was Howard Carpendale, der den Preis für sein Lebenswerk erhielt, aus seiner Karriere mitnahm:

„Ob Jazz, Rock, Schlager oder Volksmusik – Das ist alles egal. Das entscheidende sind die Augen. Sie zeigen, ob man das was man tut wirklich liebt. Und solange jemand die Musik liebt, ist das andere gar nicht mehr wichtig.“

Wie um Howard Carpendale zu bestätigen nahm Chris de Burgh kurz darauf schüchtern und ruhig den „Sonderpreis der Chefredaktionen“ entgegen, blühte dann aber so richtig auf, als er nur mit einer E-Gitarre und einem Mikro bewaffnet die Verleihung beendete.

Da brauchte man nicht in der ersten Reihe sitzen, um zu sehen, dass er genau das was Carpendale vorher beschrieb in seinen Augen funkeln hatte.

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