Mama-BlogMeine perfekten Erziehungsvorsätze … und was daraus geworden ist

Wenn perfekte Erziehungsvorsätze scheitern, muss das für Mütter ganz bestimmt kein Grund für ein schlechtes Gewissen sein.
Wenn perfekte Erziehungsvorsätze scheitern, muss das für Mütter ganz bestimmt kein Grund für ein schlechtes Gewissen sein.
Foto: iStock

Mama-Bloggerin Anja über den Vorsatz, eine perfekte Mutter mit perfekt erzogenen Kindern zu sein.

"Kennst Du die Situation, wenn Du als Mutter mal wieder total frustriert bist und Dir dann noch jemand von außen sagt: Du hast doch gewusst, auf was Du Dich einlässt? Oder: Du hast es Dir ja schließlich ausgesucht Mutter zu werden?

Ich muss dann immer ungläubig den Kopf schütteln, denn vielen Leuten ist nicht klar, was ich damals vor meiner ersten Schwangerschaft wirklich gedacht habe. Besonders wenn diese Leute selbst keine Kinder haben. Immerhin war mir damals ja selbst nicht klar, welche utopischen Vorstellungen ich vom Kinder kriegen hatte. Diese rosarote „perfekte Familie“-Welt, die uns so oft im Fernsehen und auch von scheinbar glücklichen Familien um uns herum vermittelt wird.

Inzwischen bin ich natürlich schlauer. Und ja, ich gebe es zu: Aus heutiger Sicht würde ich mich wahrscheinlich nicht mehr für 2 Kinder entscheiden. Denn mit jedem Kind verdoppelt sich die Arbeit nicht nur, sondern sie potenziert sich. Nur leider sagt einem das keiner vorher.

Und wenn ich daran denke, welche guten Vorsätze ich noch während der Schwangerschaft hatte, muss ich tatsächlich ein wenig schmunzeln. Magst Du mal hören, was daraus geworden ist?

Nun, ich habe es zum Beispiel tatsächlich geschafft, meine Kinder komplett süßigkeitenfrei zu erziehen. Keine der beiden hat jemals in ihrem Leben klebrige, zuckerhaltige, zahnschädigende Lebensmittel zu sich genommen. Wir ernähren uns ausschließlich gesund und Tiefkühlkost kennen wir nur vom Hörensagen. Fernsehen ist bei uns absolut verpönt. Meine Beiden verbringen den lieben langen Tag an der frischen Luft und beschäftigen sich ausgiebig mit Lernspielen und Stillarbeit. Es gibt nie Streit, sie machen sich nie dreckig und sind immer perfekt gekleidet. Außerdem ist es bei uns so sauber und ordentlich, dass man vom Boden essen kann. Oder so ähnlich ... ;-)

Okay, ich gebe zu: Das war jetzt ziemlich ironisch. In Wahrheit sieht unser Familienleben wesentlich chaotischer aus. Es gibt mal Stress, es gibt mal Streit, manches mal auch Angst davor, was andere Eltern über uns denken. Schon witzig, welche Ideal-Vorstellungen von Familienleben und Kindererziehung man als kinderlose, junge Frau so entwickelt. Wie schwer perfekte Erziehungsvorsätze im wahren Leben umzusetzen sind, versteht man erst im Nachhinein.

Und das wäre auch gar nicht mal so schlimm, wenn man als Mutter nicht ein ständiges schlechtes Gewissen hätte, weil man genau diese Vorsätze nicht einhält.

Und glaub mir: Ich habe versucht, andere Mütter zu warnen. Ihnen ein realistisches Bild davon zu vermitteln, was für ein Leben sie ab dem Zeitpunkt der Geburt erwartet. Aber es gibt eben Dinge, die will man in der rosaroten Wolkenphase nunmal nicht hören. Die Wahrheit gehört da offensichtlich dazu.  Warum das so ist? Keine Ahnung.

 

Was ich aber weiß ist, dass ich persönlich damit inzwischen ganz gut umgehen kann. Denn ich sehe, dass meine Kinder glücklich und zufrieden sind. Und sich zu ganz tollen jungen Menschen entwickeln. Ganz ohne die „perfekte“ Erziehung und die guten Vorsätze, die ich so im Sinn hatte.  Und das ist es doch, worauf es ankommt, oder?

Denn toll ist besser als perfekt."

Deine Anja

Anja Riemer-Grobe bloggt für Wunderweib.de über Familie und Mutter sein.
Anja Riemer-Grobe bloggt für Wunderweib.de über Familie und Mutter sein.
 

P.S.: Was waren denn deine besten Erziehungsvorsätze? Schreib es mir doch in den Kommentaren. Dann kann ich die Liste der Dinge ergänzen, die mein Mamadasein so herrlich unperfekt machen. Denn damit kann ich gut umgehen.

P.P.S.: Kennst Du schon meine Mamafreude-Facebookgruppe? Dort sind wir schon eine tolle Gemeinschaft von Müttern, die sich einfach mal offen und ehrlich zu ihrem Familienleben austauschen wollen. Komm doch gern dazu! Ich würde mich freuen!

Über Anja:

Anja Riemer-Grobe ist konsequent-liebevolle Mädchenmama, Elternbegleiterin und Befürworterin eines wertschätzenden Miteinanders. Sie schreibt auf ihrem Blog unter www.anja-riemer.de über die Themen Familie, Beziehung und Bindung und hilft anderen Eltern dabei sich selbst zu helfen, indem sie ihren ganz eigenen Familienlebensraum entwickeln. Ohne Druck und Stress von außen, dafür mit viel Liebe und Wertschätzung auf Basis von echten Beziehungen.

Nächste Kolumne von Anja:

Darf ich als Mutter nicht zugeben, überfordert zu sein?

Kategorien: