Meine Tochter hasst mich!War ich wirklich so eine schlechte Mutter?

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Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter kann sehr zerrüttet sein.
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Wie Hass zwischen Mutter und Tochter gemildert werden kann

„ICH HASSE DICH! Halte dich endlich aus meinem Leben raus!!! Ich kann es nicht mehr ertragen, wie du dich in alles einmischt!“

Das schlechte Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrer Tochter lässt Ihnen keine Ruhe? Hier erfahren Sie mehr darüber, welche häufigen Gründe es für so eine Belastung gibt und welche Lösungswege möglich sind.

Alle Eltern machen Fehler. Das ist unausweichlich, auch wenn sie es noch so gut meinen mit ihren Kindern. Und wenn Mutter oder Vater aufgeht oder vorgehalten wird, was sie offenbar hätten anders machen sollen, tut es weh. Denn niemand kann es mehr rückgängig machen, was passiert ist.

Eine bittere Erkenntnis, wenn man sie zulässt. Da guckt man nicht so gern hin. Doch manchmal hat man keine Wahl. Vor allem, wenn die Kinder sich von einem abwenden und dieser Zustand unerträglich wird für das Mutterherz.

Manche Situationen spitzen sich so zu, dass ungeklärte Missverständnisse oder das fehlende Aufarbeiten von Kränkungen zwischen den Generationen in Wut und Hass umschlagen. Darunter liegen oft Trauer und Enttäuschung, für die es in der Familie meist noch keine reife Ausdrucksform gibt.

Entsteht so ein Konflikt zwischen Mutter und Tochter, wird eine Bindung torpediert, die jedoch auch durch Hass und Abkehr nicht aufzulösen ist. Beide bleiben miteinander verbunden, auch wenn sie sich auf unterschiedliche Kontinente begeben.

 

Der verborgene Sinn von Streit!

 

Wichtig zu erkennen ist es, welchen verborgenen Sinn der Streit manchmal hat. Meist verbirgt sich ein Ablösungskonflikt dahinter, der umso heftiger sein kann, je enger die Bindung zwischen Mutter und Tochter ist. Die notwendige Ablösung ist einfach (für beide) sehr schmerzlich. So wird manchmal unbewusst ein Streit initiiert, der den Abstand und damit die innere Reifung der Tochter zu einer Erwachsenen erst möglich macht. Wer sein Kind liebevoll aus dem Nest schubst und es ziehen lässt, sieht es meist schneller wieder als wenn das Kind seinen Weg und seine Freiheit einfordern muss.

 

Enttäuschte Erwartungen

 

Nicht selten liegt die Quelle eines Konfliktes aber auch in den unerfüllten elterlichen Erwartungen an das Leben und vor allem an die Tochter. Sie als Mutter hatten es sich vielleicht alles so schön vorgestellt. Hatten sich die Zukunft Ihres Kindes in schillernden Farben ausgemalt und nun ist es ganz anders gekommen?

Dafür können Sie jedoch nicht das Kind verantwortlich machen. Denn es hat sich nicht ausgesucht auf die Welt zu kommen und es ist auch nicht dafür auf die Welt gekommen, um so zu sein, wie Sie es sich wünschen und Ihr „Glücksbringer“ zu werden.

Nur wenn Sie die Persönlichkeit und den Weg ihres Kindes achten, kann sich Ihr Kind Ihnen wieder freundlich zuwenden. Tun Sie es nicht, bleibt die Distanz bestehen.

 

Umgang mit Selbstkritik

 

Selbstvorwürfe helfen niemandem. Überlegen Sie stattdessen: Kann ich vor meinem Kind zu meinen Fehlern stehen? Achten Sie mal im Streit mit der Tochter darauf, wie Sie auf Vorwürfe Ihres Kindes reagieren.

Ist Ihre Tochter wirklich so unversöhnlich und ungerecht? Oder will Sie etwas von Ihnen, was Sie ihr bisher noch nicht gegeben haben? Eine Entschuldigung oder Anerkennung zum Beispiel?

Bekommt sie das nicht von Ihnen, macht es der von ihr gewählte Abstand für die Tochter erträglicher. Und Wut und Hass geben ihr die Energie dafür, die Entfernung zu ihnen auszuhalten. Hassen kann man nämlich eigentlich nur jemanden, den man sehr liebt oder sehr geliebt hat.

 

Kinder sind sehr wohlwollend mit den Eltern!

 

Eigentlich sind Kinder mit den Macken ihrer Eltern sehr tolerant. Und weil sie Mama und Papa einfach lieben, verzeihen sie so manches. Vor allem, wenn Eltern zu ihren eigenen Fehltritten stehen und Fehler möglichst nicht wiederholen.

Konflikte entstehen, wenn erlittene Kränkungen der Kinder durch die Eltern bagatellisiert werden (So schlimm war das doch gar nicht.). Oder wenn Eltern versuchen, erfahrenes Leid durch das Aufzeigen positiver Momente aufzuheben ("Dafür haben wir immer tolle Urlaube gemacht.").

Was Kinder eigentlich hören wollen ist jedoch: "Das war wohl für dich schwerer, als ich damals dachte." Und: "Ja. Das tut mir leid. Das konnten wohl selbst unsere tollen Urlaube nicht aufwiegen."

 

Was Sie tun können!

 

Sie wissen nicht, was Sie selber dazu beitragen können, dass es wieder besser wird zwischen Ihnen? Dann überlegen Sie, welche der folgenden elterlichen Haltungen es in Ihrem Leben gibt. Denn einige Sätze und elterliche Botschaften wiederholen sich in vielen Familien. Und manche davon stehen wirklich bildlich gesprochen solange zwischen Mutter und Tochter, bis eine Klärung möglich ist. Bis dahin ist nicht selten Funkstille oder Stress.

Die folgenden Antworten von Töchtern könnten einen Hinweis geben, wie Sie wieder zueinander finden.

 

15 elterliche Sätze mit Konfliktpotenzial und 15 Antworten von Töchtern!

 

1. Mutter: Wir sind nur euretwegen zusammen geblieben!

Tochter: Darum habe ich euch nicht gebeten und dafür trage ich nicht die Schuld. Mir wäre es lieber gewesen, wenn ihr beide – jeder für sich – glücklich geworden wärt.

2. Mutter: Du musst auch mal sehen, wie es für mich war!

Tochter: Muss ich nicht. Denn ich bin die Tochter und nicht die Mutter. Aber vielleicht frage ich dich eines Tages danach, wenn du dein Leid nicht mehr über meines stellst.

3. Mutter: Es liegt alles an deinem Vater !

Tochter: Warum machst du meinen Vater schlecht? Zwing mich nicht mich zwischen euch entscheiden zu müssen. Ich will auch ihn lieben können und mir mein eigenes Bild von ihm machen.

4. Mutter: Du warst nicht geplant!

Tochter: Ich weiß, das kann passieren. Aber bitte lass es aus deinem Mund nie wie einen Fehler klingen! Lieber würde ich gern wissen, was durch mich Gutes in dein Leben gekommen ist.

5. Mutter: Ich war eben noch jung!

Tochter: Deshalb musst du trotzdem dazu stehen, was du falsch gemacht hast. Muss ich ja auch.

6. Mutter: Du warst aber auch schwierig!

Tochter: Kein Kind ist von Geburt an schwierig. Vielleicht hab ich dir ja nur gezeigt, dass es mir nicht gut geht. Oder es ging dir nicht gut und du warst überfordert. Gestehe dir das ein statt es mir vorzuwerfen.

7. Mutter: Das erinnere ich gar nicht!

Tochter: Ich höre nur: Das kann nicht so gewesen sein. Oder: Dann kann es ja nicht so schlimm gewesen sein. Frag lieber: Wie war es für dich und glaube mir, wenn ich dir sage, wie es für mich war.

8. Mutter: Du hast dich ja trotzdem gut entwickelt!

Tochter: Ja. Aber was ich bis heute geschafft habe, ändert nichts an dem, was mir früher wehgetan hat. Erkennst du das an, können wir wieder reden.

9. Mutter: Mein Beruf war mir nun mal auch wichtig!

Tochter: Wie soll ich das wissen, wenn du mir nicht davon erzählst? Du warst weg oder gestresst und ich dachte, es lag an mir. Später werde ich vielleicht verstehen, warum du dir deine Unabhängigkeit erhalten wolltest. Noch bin ich zu jung dafür.

10. Mutter: Dein Leben möchte ich haben!

Tochter: Ich kann nichts dafür, wenn dein Leben nicht so verlaufen ist, wie du es dir gewünscht hast. Gib mir deshalb nicht das Gefühl, dass du neidisch auf mein Glück bist und freue dich lieber mit mir. Ich lasse dich gern an meinem Glück teilhaben.

11. Mutter: An deiner Stelle würde ich das anders machen!

Tochter: Das kann sein. Aber du bist nicht an meiner Stelle und ich mache es anders. Akzeptiere das oder bleibe weg.

12. Mutter: Ich hätte mir jemand anderes für dich gewünscht!

Tochter: Lehnst du meinen Partner ab, lehnst du mich ab. Vielleicht komme ich noch dahinter, dass er nicht perfekt ist. Aber bis dahin und gern länger will ich die Zeit maximal genießen. Du kannst gern zu uns kommen, wenn du dir Mühe gibst, ihn richtig kennen zu lernen.

13. Mutter: Das hätte ich damals nicht mit euch gemacht.

Tochter: Vertraue mir und lass mich meine eigenen Erfahrungen machen. Auch ich muss in die Mutterrolle noch reinwachsen und brauche Anerkennung und Verständnis statt Kritik und ungebetene Ratschläge.

14. Mutter: Das kannst du doch nicht deinen Mann machen lassen!

Tochter: Doch. Wir leben so, weil wir das gut finden und ich mit ihm auf Augenhöhe bin. Wenn du es damals anders gemacht hast, war das deine Sache. Bitte respektiere, wie ich lebe.

15. Mutter: Nie hast Du Zeit für mich!

Tochter: Davon hab ich auch wenig, weil ich noch meinen Weg finden muss und Gas geben will in meinem Leben. Weil ich schon Studium/Freund/Mann/Kinder/Job und Erholung unter einen Hut kriegen muss. Gib mir bitte das Gefühl, dass es dir auch ohne mich gut geht. Dann melde ich mich viel lieber von mir aus, als wenn du klagend Kontakt einforderst.

 

Wer macht den ersten Schritt zur Versöhnung?

 

Haben Sie einen dieser Sätze vielleicht früher selber mal von Ihrer Mutter oder Oma gehört? Dann liegt der Schlüssel zur Lösung vielleicht darin, dass Sie überlegen, was Sie selbst damals statt so eines Satzes gebraucht hätten.

Bringt Sie das nicht weiter, scheuen Sie sich nicht, einen Fachmann aufzusuchen. Tochter UND Mutter können sich schließlich noch weiterentwickeln. Jede für sich oder gemeinsam.

Und manchmal sind eben wir Mütter dran, innerlich einen Schritt auf unsere Kinder zuzumachen, damit sie den nächsten Schritt Richtung Erwachsenwerden gehen können und die Bindung zwischen Ihnen und uns wieder von einem guten Gefühl begleitet wird.

Autorin: Marthe Kniep

 

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