Michelle: Ausgepfiffen am Ballermann

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Ausgepfiffen am Ballermann: Bei ihrem letzten Auftritt auf Mallorca erhielt Schlagerprinzessin Michelle Buhrufe anstelle von Applaus.
Foto: Getty Images

Der bittere Absturz der Schlagerprinzessin

Was bleibt, wenn der ganz große Erfolg geht, ist nur die Hoffnung auf bessere Zeiten. Doch manchmal ist es einfach vorbei...

Die Stimmung auf Mallorca ist auch nachts um zwei Uhr ausgelassen. Meistens. Denn auch die Feierfreudigsten unter den rund 400 Schlagerfans sind völlig geschockt, als plötzlich Sängerin Michelle (40) im „Bierkönig“ auf der Bühne steht.

Zerrissene Jeans und ungemachte Haare

Zerrissene Jeans, hochhackige Glitzerpumps, ungemachte lange Haare und ein verknotetes Unterhemd, das mehr zeigt als es verhüllt. Das ist sie also, Deutschlands einst überschwänglich gefeierte Schlager-Prinzessin, tätowiert, verschwitzt und mit verkniffenem Gesicht.

Und statt tosendem Applaus gibt es für Michelle am Ballermann nur Pfiffe, Buhrufe und pikierte Blicke. Der verzweifelte Versuch, ihr Glück zu retten, endet tragisch. Ja, es ist ein Reinfall, wie er schlimmer nicht hätte werden können.

Rückblick: Dänemark 2001. Es war der Höhepunkt in der Karriere von Michelle . An diesem Abend vertrat sie vor 100 Millionen Fernsehzuschauern unser Land beim Grand Prix d’Eurovision. Die Krönung für einen Künstler!

38 000 Zuschauer im Kopenhagener Fußballstadion applaudierten der zierlichen Sängerin, die mit ihrem Auftritt im langen rosaroten Galakleid für Furore sorgte. „Die Augen der Zuschauer im Stadion waren wie tausend Lichter. Es war ein überwältigendes Gefühl, vor so vielen Menschen zu singen“, sagte Michelle damals völlig begeistert.

Von all dem Glanz von damals ist heute nicht mehr viel geblieben: Statt mit ihrer Musik zu begeistern, macht Michelle nur noch Negativ-Schlagzeilen . Sie trennt sich – wieder einmal – von ihrem Manager. Sie wechselt – wieder einmal – ihren Partner. Und sie sagt – wieder einmal – von jetzt auf gleich ihre Solo-Tournee ab. Selbst die Fans sind mittlerweile nicht mehr bereit, ihrer Michelle jeden neuen Fehltritt zu verzeihen. „Ihre Zeit ist abgelaufen“, sagt Gabriele B. (47) ganz offen.

Noch weiter geht der Chef einer der größten Diskotheken auf der Baleareninsel. Er sagt: „Die Michelle würde ich bei mir nicht einmal auftreten lassen, wenn sie mir dafür Geld gäbe. Das kann ich meinen Gästen nicht zumuten. Und ich muss ja auch daran denken, dass ich Umsatz machen muss.“

Kaum Applaus, aber viele eisige Gesichter

Die letzten Klänge im „Bierkönig“ sind kaum verstummt, als Michelle ihren Blick über die Zuschauer wandern lässt. Man spürt, wie die Sängerin gegen die Tränen ankämpft, als sie in gelangweilte Gesichter blickt. Wo sonst die Arme in die Luft fliegen und die Menge gröhlt und juchzt, sind heute alle froh, dass Michelle endlich fertig ist, dass wieder Musik vom Band kommt, wieder Stimmung einkehrt. Wie erstarrt wartet die Sängerin auf ihren Freund Mike, der sie von der Bühne führt. Sie wirkt apathisch, gebrochen. Weil sie gemerkt hat, dass sie gerade eine große Chance vertan hat?

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