Michelle Stern: Vom Hobby zum Traumberuf

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Schreiben - für viele eine Leidenschaft, für Michelle Stern auch ihr Beruf
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Sie machte ihre Leidenschaft zu ihrem Beruf: das Schreiben.

Sie hat einen Beruf, von dem viele träumen - und setzt sich damit in einer echten Männer-Domäne durch. Michelle Stern ist Science-Fiction-Autorin. Sie verrät uns, wie sie das geschafft hat.

Von seiner Kreativität leben - davon träumen viele. Michelle Stern hat das geschafft. Im Interview verrät sie uns, wie sie ihre Leidenschaft zu ihrem Job machte und gibt Tipps zum Bücher schreiben.

Wir sind uns sicher: in vielen von uns schlummern Talente und ungenutzte Kreativität, die nur darauf warten, auszubrechen. Doch sein kreatives Hobby zum Beruf machen? Das erfordert Mut.

Michelle Stern hat genau das gemacht. Sie ist Science-Fiction-Autorin. Wie sie das geschafft hat, verrät sie uns im Interview:

Liebe Frau Stern, als hauptberufliche Schriftstellerin haben Sie einen Beruf, von dem viele träumen. Wie kam es dazu?

Mit etwa zwölf Jahren entdeckte ich meine Freude am Schreiben von Geschichten. Schon damals wollte ich Schriftstellerin werden. Ein Besuch in einer Literaturwerkstatt in Darmstadt und eine Auszeichnung durch das Land Hessen in einem Literaturwettbewerb haben mich zu meinen Abiturzeiten in diesem Wunsch bestärkt. Allerdings war mir auch bewusst, dass ich einen Plan B haben möchte und möglichst breit im beruflichen Leben aufgestellt sein will. Deshalb habe ich zunächst studiert und nebenher weitere Erfahrungen im Schreiben gesammelt. Nach dem Studium habe ich verschiedene Nebentätigkeiten ausgeübt, um hauptberuflich schreiben zu können.

Sie heißen ja eigentlich Stefanie Jahnke. Warum der Künstlername Michelle Stern?

Der Künstlername kam während der Zusammenarbeit mit dem Bastei-Verlag zustande. Damals hieß ich noch Stefanie Rafflenbeul und mein Geburtsname war dem Redakteur zu lang. Deshalb meinte er, ich solle mir einen Künstlernamen ausdenken. Den Vornamen Michelle hat mein Mann ausgesucht, und ich habe mich für Stern als Nachname entschieden – damals habe ich noch keine reine Science Fiction verfasst, sonst hätte ich vielleicht einen anderen Namen gewählt.

Als Autorin in eine etablierte Serie wie PERRY RHODAN einzusteigen, in eine Serie, die es zu diesem Zeitpunkt schon seit über 50 Jahren gab, ist bestimmt schwer. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Nach der ersten Anfrage habe ich mich mit den sogenannten Silberbänden befasst, auch wenn ich noch lange nicht alle Silberbände gelesen habe. In diesen Büchern sind mehrere Romane der Serie zusammengefasst, was einen guten Einstieg ermöglicht. Außerdem habe ich viel in der Perrypedia nachgelesen, dem Nachschlagewerk der Serie im Internet.

Wie läuft das als Autorin für eine Serie? Also: Wie lange schreiben Sie an einem Roman, wie viele Seiten umfasst ein Roman etwa? Woher kommen Ihre Ideen für die Handlung? Gibt es da Vorgaben?

Bei PERRY RHODAN läuft es so, dass es aktuell zwei Verfasser von Exposés gibt und zusätzlich ein mehrköpfiges Autorenteam. Auch die Exposéverfasser schreiben Romane für die Serie. Sie achten auf eine einheitliche Handlung. Jeder Autor liest die Exposés und, wenn sie zum Zeitpunkt des Schreibens schon vorliegen, auch die Romane der anderen Autoren.
Ich erhalte also ein Exposé mit Vorgaben und Eckpunkten, in dem schon einiges festgelegt ist. An einem Roman schreibe ich etwa drei bis vier Wochen und überarbeite ihn anschließend. Im Druck sind das etwa 64 Seiten, was wenig klingt. Jedoch sind dies gut 180.000 Zeichen inklusive Leerzeichen. Manchmal wird es auch mehr.
Neben dem Schreiben der Romane kümmere ich mich außerdem um die Leserbriefe. Ich beantworte die zahlreichen Zuschriften und stelle daraus die sogenannte Leserkontaktseite, die in jedem PERRY RHODAN-Heft enthalten ist, zusammen.

Wann und wo sind Sie besonders kreativ?

Tatsächlich habe ich die letzten Wochen notgedrungen hauptsächlich zu Hause am PC gearbeitet – das ist für mich am einfachsten. Wenn ich die Zeit habe und das Wetter mitspielt, schreibe ich auch gern im Freien, am liebsten an einem See und mit der Hand. Das hat den Nachteil, dass ich alles abschreiben muss, wenn ich zu Hause bin – und den Vorteil, dass bereits beim Abschreiben eine Korrektur erfolgt. Wenn mir ein Satz nicht gefällt, mache ich mir nicht die Mühe, ihn abzutippen.

Knapp 80 Prozent der PERRY RHODAN-Leser sind männlich und im Schnitt 45 Jahre alt. Ihre Kollegen sind alle männlich. Hat man es da als junge, Science-Fiction-begeisterte Frau schwer, als Autorin ernst genommen zu werden?

Ich denke, diese Schätzung ist irreführend. Ich kenne jede Menge jüngerer PERRY RHODAN-Leser und auch einige Leserinnen – obwohl die 80 Prozent durchaus zutreffen können. Was das Alter betrifft, ist es für mich gerade schön zu sehen, dass es keine Rolle spielt. Es gibt Menschen mit zwanzig deren Horizont begrenzter ist als der eines achtzigjährigen PERRY RHODAN-Lesers. Gerade in der Science-Fiction-Szene bin ich auf viele weltoffene, aufgeschlossene Geister gestoßen, deren Alter mir persönlich vollkommen gleichgültig ist.
Ich habe im Team eine weitere Kollegin, Verena Themsen. Es gibt auch eine ehemalige Team-Autorin, die so viel für die Serie verfasst, dass die Leser sie liebevoll als Stamm-Gastautorin bezeichnen. Darüber hinaus gilt hier für mich dasselbe wie für das Alter. Ich war in meinem Leben immer viel mit Männern zusammen und habe nie die klassische weibliche Rolle eingenommen. Eines meiner Hobbys ist die Kampfkunst.
Ich hatte bisher nicht das Gefühl, es schwer zu haben. Die meisten Leser sind sehr aufgeschlossen. Sicher sind auch ein paar dabei die sinngemäß denken mögen: "Was stellt die Frau mit meinem Lieblingshelden an?" Dahinter steht für mich eine Angst, die ich nachvollziehen kann, da ich selbst ein Fan von Serien war und bin. Besonders in manchen Lebensabschnitten kann die Funktion von Literatur sehr vielfältig sein und weit über nette Unterhaltung hinausgehen. Je ernster es für den Leser wird, desto mehr fürchtet er, seinerseits nicht ernst genommen zu werden – oder dass man seine Helden nicht ernst genug nimmt.

Sie waren ja auch mal Erotik-Autorin. Was meinen Sie? Widersprechen sich Erotik und Science Fiction?

Puh. Widersprechen nicht unbedingt. Aber in PERRY RHODAN brauche ich als Leser auch keine Erotik, ganz ehrlich. Mich hat es früher schon in der Fantasy gestört, wenn die Romane dort zu sehr in eine erotische Richtung abgeglitten sind. Als Leser habe ich es selbst gern getrennt und wenn ich erotische Literatur lesen möchte, lese ich sie gesondert.

Arbeiten Sie noch an anderen Projekten außer den PERRY RHODAN-Romanen?

Zur Zeit habe ich keine anderen Projekte. Neben dem Schreiben mache ich wieder Kampfkunst, wenn nun auch gemäßigter, habe einen Ehemann, einen Beagle, der sehr lauffreudig ist, und interessiere mich für Entspannungstechniken und Coaching.
Beruflich bin ich derzeit mit den Serien PERRY RHODAN und PERRY RHODAN NEO sowie der Betreuung der Leserkontaktseite und dem Beantworten der Leserpost gut ausgelastet.

Haben Sie einen Rat für Frauen, die auch (hauptberufliche) Schriftstellerinnen werden wollen?

Besonders im Bereich Phantastik, Science Fiction und Fantasy kann ich nur die verschiedenen Schreibwerkstätten empfehlen. Sie dienen nicht nur zur Verbesserung der Fähigkeiten, sondern auch der Kontaktaufnahme und dafür, ein Gefühl für diesen speziellen Berufsbereich zu bekommen.
Gerade von Schriftstellern wie Andreas Eschbach oder Markus Heitz lässt sich da sicher eine Menge lernen. Aber auch von den PERRY RHODAN-Schriftstellern, von denen einige Schreibseminare geben. Der BuCon bei Frankfurt am Ende der Frankfurter Buchmesse kann eine sinnvolle Veranstaltung sein, um kleinere Verlage in der Szene kennenzulernen. Gern kann man mich dort auch ansprechen und mir Fragen stellen. Meistens bin ich samstags vor Ort.
Eine weitere Empfehlung ist die Homepage von Andreas Eschbach . Dort finden sich sehr viele wertvolle Tipps und Einblicke rund um das Thema Schreiben.

Ansonsten habe ich einmal aus Spaß die zehn Gebote der Schreibenden aufgestellt:

  • Du sollst deine Perspektive einhalten
  • Du sollst die gewählte Zeit einhalten
  • Du sollst sinnlich, konkret, bildhaft und treffsicher beschreiben
  • Du sollst deine physische Erzählhaltung finden und Spannung aufbauen
  • Du sollst dem Leser eine Orientierung, ein Problem, eine Bewertung, und eine glaubwürdige Lösung bieten
  • Du sollst zeigen, nicht erzählen!!!
  • Du sollst deine Geschichte kennen
  • Du sollst recherchieren, plotten und überarbeiten
  • Du sollst die sechs W’s ehren (wer tut was, wann, wo, wie und warum), umstellen und gewichten
  • Du sollst nicht verzweifeln

Dabei ist der letzte Punkt am wichtigsten.

Michelle Stern (Foto: (c) Sabine Schönberger)

Seit 1961 begeistert die PERRY RHODAN-Serie zahlreiche Science-Fiction-Fans im deutschsprachigen Raum sowie in Ländern wie Japan, Frankreich und den Niederlanden. Mit dem Band 2800, der am 17. April 2015 erscheint, startet ein neuer Handlungsbogen in der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Verfasst wurde der Roman von einer jungen Autorin aus dem Großraum Frankfurt: Michelle Stern steuert Perry Rhodan und seine Gefährten in den »Zeitriss«.

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