Mingle: Bin ich Single? Oder sind wir zusammen?

mingle h
Bin ich Single? Oder sind wir zusammen?
Foto: Thinkstock

Partnerschaft

Entweder man ist Single oder in einer Beziehung. Verlobt oder verheiratet. Eigentlich ganz einfach – dachten wir auch. Bis wir auf das Mingle-Dasein gestoßen sind. Ein Beziehungsstatus, den man derweil noch nicht bei facebook anklicken kann, den aber Viele neben der Offenen Beziehung für sich entdeckt haben.

Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Offiziell ist man Single, lebt aber auf eine bestimmte Art und Weise wie ein Pärchen. Experten sprechen von einer halben Beziehung. Mingle ist eine Wortneuschöpfung, die sich aus ‚mixed‘ und ‚Single‘ zusammensetzt. Quasi eine Weiterentwicklung des gleichnamigen Film-Phänomens ‚friends with benefits‘ (zu Deutsch: Freunde mit gewissen Vorzügen). Während bei dieser Beziehungsform die Spielregeln von Anfang an klar sind (Sex unter Freunden, mehr nicht), wissen die Beteiligten beim Mingle-Dasein oft selbst nicht genau, was sie eigentlich gemeinsam sind. Das Liebes-Chaos ist perfekt.

Ein Date, Ein Kuss und dann lange nichts

Zwei Menschen treffen sich, finden sich anziehend. Sie treffen sich wieder, lernen sich kennen, schreiben miteinander. Es folgt der erste Kuss , das erste Mal. Spätestens jetzt sollten sie fühlen, dass es sich hier um eine besondere Beziehung zweier Menschen handelt. Die Zeiten sind vorbei. Heute ist das anders. Um genau zu sein: Komplizierter! Sie treffen sich noch einmal, dann folgt lange nichts. Kein Anruf, keine Nachricht. Stundenlanges Handy-Starren ist pure Zeitverschwendung. Irgendwann die erlösende Nachricht; ein Treffen, eine weitere Nacht. Wie es weitergeht weiß keiner der Beteiligten. Oder vielleicht doch? Die Antwort: Bloß nicht festlegen.

Eine halbe Beziehung

Ein Mingle kann tun und lassen was er will. Er muss keine Kompromisse eingehen, keine Rücksicht nehmen, sich nicht anpassen und er hat keine Verpflichtungen einer anderen Person gegenüber. Ein Mingle ist unabhängig, gleichzeitig bekommt er Geborgenheit, sobald er sich danach sehnt. Hört sich erst einmal überzeugend an. Aber warum das Ganze?

Die Sehnsucht nach Freiheit

Meist ist es eine gewisse Form der Angst, die uns zum Mingle-Dasein bewegt. Wir haben Angst davor andere, vielleicht sogar bessere Möglichkeiten ausschließen zu müssen, sobald wir uns für einen Menschen entscheiden. Es ist wie eine Optimierungsfunktion: Jeder will den besten Partner finden. Einen Partner, der jedem Anspruch genügt. Hand aufs Herz: Diesen Partner gibt es in der Realität nicht. Vielleicht ist es aber auch die Angst davor, seine eigene Freiheit aufgeben zu müssen. Die Angst, Nähe zuzulassen und sich zu seinem Partner/seiner Partnerin zu bekennen. Vor allem die 20-35-Jährigen lassen sich von der Sehnsucht nach Freiheit leiten. Selbstverwirklichung – für viele das A und O eines glücklichen Lebens. Während viele Frauen sich über ihre Familie definieren, schöpfen Männer ihr Selbstwertgefühl nicht aus einer Partnerschaft oder Ehe. Verpflichtungen werden so weit wie möglich hinausgezögert. Bloß keine Kompromisse eingehen. Schwierig wird es dann, wenn einer der Mingles beginnt zu leiden.

Früher oder später will einer mehr

Was gibt es schöneres als sich an seinem Sonntag-Nachmittag gemeinsam mit dem Partner auf das Sofa zu kuscheln?! Eine Zweisamkeit, der sich auch Mingles gerne hingeben. Wer ehrlich zu sich selbst ist, weiß, dass es mehr als ein widersprüchliches Signal ist. Nicht selten schöpft einer aus diesen Situationen Hoffnungen: Hoffnungen auf mehr und auf eine feste Partnerschaft . Den meisten reicht es nicht aus, die Rolle des ‚Lückenbüßers‘ zu spielen. Oder so lange gut genug zu sein, bis der andere etwas Besseres gefunden hat. Was folgt ist stundenlanges Starren auf das Handy und eine tränenüberströmte Nacht auf dem Sofa. Keine Nachricht und kein Anruf. Tage- vielleicht auch wochenlang. Einziger Ausweg: Miteinander Sprechen. Klingt banal, ist aber die einzige Möglichkeit um Klarheit zu schaffen. ‚Willst du mit mir gehen?‘ Ja oder Nein. Das vielleicht sollte an dieser Stelle lieber weg gelassen werden.

Kategorien: