GeldMinuszinsen für Privatkunden: Was dir jetzt als Kunde von Sparkasse und Volksbank droht

Minuszinsen, Strafzins, Negativzinsen
Minuszinsen, Strafzinsen, Negativzinsen - Bankkunden erwartet Verlust
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Inhalt
  1. Was sind Minuszinsen?
  2. Wer muss Minuszinsen zahlen?
  3. Welche Bank verlangt Minuszinsen?
  4. Wie kann ich Minuszinsen umgehen?
  5. Warum führen Banken Minuszinsen ein?

Normalverdiener und Kleinsparer waren von sogenannten Negativ- oder Minuszinsen nicht betroffen. Bis jetzt. Einige Banken verlangen schon Gebühren für Tagesgeldkonten.

Was sind Minuszinsen?

Minuszinsen (auch Negativzinsen genannt) heißen für die Sparer: Verluste. Sie entstehen, wenn wir der Bank mehr bezahlen müssen, als wir von ihr bekommen.

Beispiel:

Du legst bei der Volksbank Niederschlesien 10.000 Euro an. Dafür bekommst du Zinsen gutgeschrieben: 0,01 Prozent (also 1 Euro Gewinn für dich im Jahr). Gleichzeitig verlangt diese Volksbank aber ein monatliches Entgelt von fünf Euro (also 60 Euro im Jahr). Nach einem Jahr hast du also ein Minus von 59 Euro gemacht - also ein Minuszins von etwa 0,6 Prozent.

Doch Verluste kann man auch dann machen, wenn man nur ein ganz normales Girokonto hat. Sogenannte versteckte Minuszinsen können dir ebenfalls das Geld abknöpfen. Dazu zählen z.B. Kontoführungsgebühren. Viele Sparkassen und Banken verlangen Geld dafür, dass man überhaupt ein Konto bei ihnen hat. Hinzu kommen Kosten für Kontoauszüge, für's Online-Banking, für Überweisungen. Je nach Sparkasse und Bank variieren die Konditionen. Ein Vergleich mit anderen Banken oder der Sparkasse lohnt sich also.

Wer muss Minuszinsen zahlen?

Bis jetzt mussten meist nur diejenigen Sparer Minuszinsen bezahlen, die große Summen bei seiner Bank angelegt haben. Das könnte sich jetzt ändern. Denn: Diejenigen, die große Summen anlegen, möchten mehr Profit machen, als die versprochenen 0,01 Prozent Zinsen, die Banken gerade anbieten. Also investieren viele Gutverdiener in Aktien, Fonds oder Gold.

So überlegen die Banken, Minuszinsen auch für Kleinanleger und Durchschnittsverdiener einzuführen. Die Banken können selbst entscheiden, welche Kunden sie Minuszinsen "strafen": ob nur Millionäre oder auch Kleinsparer durch das Raster fallen, entscheiden sie allein - auf eigene Gefahr, dass Kunden die Bank wechseln.

Versteckte Minuszinsen gehören schon bei (fast) allen Banken zum Tagesgeschäft. Einige verlangen Gebühren für das Girokonto, andere für das Geldabheben am Geldautomaten, wieder andere für Kartenzahlungen (EC-Karte oder Kreditkarte) oder Gebühren für das Überziehen des Kontos.

Welche Bank verlangt Minuszinsen?

Die im Beispiel erwähnte Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eG erhebt nun Gebühren für ein Tagesgeldkonto - unabhängig von der Summe, die die Kunden auf ihrem Konto haben. Auch die Raiffeisenbank Gmund  verlangt jetzt 0,4 Prozent auf Spar- und Girokonten von Kunden, die über 100.000 Euro bei ihr lagern.

Die Altenburger Skatbank verlangt 0,25 Prozent von ihren Kunden - allerdings erst ab einer Summe von 500.000 Euro.

Laut Medienberichten erkundigten sich schon weitere Banken, wie man Negativzinsen einführen kann. Ob darunter Deutschlands beliebteste Banken dabei waren, etwa die Sparkasse oder die Volksbank, ist nicht bekannt.

Wie kann ich Minuszinsen umgehen?

Führt deine Bank Minuszinsen ein, die dich betreffen, kannst du die Bank wechseln. Erkundige dich, welche Banken (noch) keine Minuszinsen verlangen und dreh deiner alten Bank den Rücken zu.

Doch was, wenn irgendwann alle Banken Minuszinsen einführen?

Dann hilft nur noch eins: Geld vom Konto abheben (etwa in Tresoren aufbewahren) oder in Aktien, Fonds oder Gold anlegen.

Auch sind Bankschließfächer oft günstiger (ca. 20 Euro im Jahr) als ein minusverzinstes Konto.

Ein Festgeldkonto im Ausland (z.B. Frankreich, Niederlande, Belgien) könnte ebenfalls gewinnbringender sein, als ein minusverzinstes Konto einer deutschen Bank.

Wer sich traut (Achtung vor dem Wechselkurs!), kann auch in Fremdwährungen wechseln: in Großbritannien (Pfund), Polen (Złoty) und Norwegen (Kronen) bekommen Anleger bis zu 2,5 Prozent Zinsen.

Allerdings glauben Experten nicht, dass jetzt flächendeckend alle Banken Minuszinsen einführen werden. Zu groß ist die Angst, dass die Kunden ihr Erspartes eben zu Hause bunkern, statt auf der Bank. Einzige Möglichkeit: Bargeldverbot in Deutschland, wie es der Deutsche-Bank-Chef John Cryan fordert.

Dieses Verbot scheint aber sehr unwahrscheinlich zu sein - noch. Denn erst Anfang des Jahres 2016 diskutierten Politiker über eine Obergrenze für Barzahlungen. Das vorgeschlagene Limit solle bei 5000 Euro liegen und somit Geldwäsche und Schwarzgeld bekämpfen. (In Frankreich und Italien gibt es schon solche Bargeld-Obergrenzen. Dort liegen sie bei 3000 Euro.)

Warum führen Banken Minuszinsen ein?

Ganz einfach: Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von den Banken Minuszinsen (aktuell in Höhe von 0,4 Prozent). Um nicht auf diesen Verlusten sitzen zu bleiben, verlangen die Banken wiederrum Minuszinsen von ihren Kunden - und das sind im Augenblick bis zu 0,6 Prozent!

Doch nicht alle Banken wälzen das auf ihre Kundschaft ab - aus Angst, die Kunden könnten die Bank wechseln und ihr Geld woanders anlegen. Eine Studie des Marktforschungsinstituts hat ergeben, dass rund 90 Prozent (!) aller Bankkunden ihr Geld vom Konto abheben oder in Aktien / Fonds anlegen würden, wenn ihre Bank Minuszinsen einführt.

Dabei ist es den Kleinanlegern egal, wie hoch die verlangten Minuszinsen ausfallen. „Die Bank dafür zu bezahlen, dass man ihr die Ersparnisse überlässt, dürfte für viele Deutsche eine unüberwindbare psychologische Hürde darstellen“, sagt der Vermögensverwalter Bert Flossbach (Flossbach von Sorch). 

 

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